Medikamentenkontrolle per Atemanalyse
Ein neues Gerät soll sicherstellen, dass Patienten den verordneten Therapieplänen auch wirklich folgen.
- Kristina Grifantini
Wer das HI-Virus in sich trägt, muss streng darauf achten, seine Medikamente einzunehmen. Vergisst man eine Dosis, kann das dazu führen, dass der tödliche Erreger resistenter wird. Ärzte suchen schon seit längerem nach Methoden, wie sie die Wirkstoffeinnahme bei ihren Patienten für eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten besser kontrollieren können. Jede der derzeit vorhandenen Methoden hat Nachteile: Patienten, die selbst Angaben machen, sind nicht immer ehrlich und das Abzählen der Pillen in einem Fläschchen zeigt nur, wie viele Medikamente entnommen wurden, nicht unbedingt, ob sie auch geschluckt worden sind.
Forscher an der University of Florida und beim Start-up Xhale nutzen nun einen neuen Ansatz: Sie verwenden Atemmessgeräte, um zu bestätigen, dass ein Patient seine Medikamente eingenommen hat. Die Methode ist einfach: Nachdem der Nutzer seine Pille geschluckt hat, bläst er in eine strohhalmartige Röhre, die im Analysegerät steckt. Dieses erkennt einen im Medikament enthaltenen Bestandteil. Statt dabei die Präsenz komplexer und womöglich ständig variierender Wirkstoffe zu ermitteln, wird ein Alkohol Namens 2-Butanol erschnüffelt. Dieser von den US-Gesundheitsbehörden seit langem genehmigte Stoff wird den Pillen zuvor beigemischt. Die Idee dabei: Sollte das System wie gewünscht funktionieren, könnte man eine große Anzahl bestehender Medikamente so verändern, dass sie den Alkohol enthalten.
Das Analysegerät wurde ursprünglich für das Militär entwickelt, um die Umgebungsluft nach chemischen Kampfstoffen abzusuchen, erläutert Richard Melker, Professor an der University of Florida und Technologiechef bei Xhale. Sein Team ergänzte das Gerät um den Blashalm und ergänzte die Funktion der Alkoholerkennung. Der Bildschirm auf dem Kästchen enthält Anweisungen für den Nutzer, welchen Knopf er drücken muss und wann er zu blasen hat. Aufgezeichnet wird dann die Präsenz (oder das Fehlen) des Alkohols und die Zeit der Untersuchung. Diese Informationen lassen sich dann über eine USB-Schnittstelle herunterladen und zum Arzt mitbringen.
Derzeit wendet sich Xhale vor allem an Pharmafirmen, denen schon seit längerem eine Methode fehlt, genau sicherzustellen, dass Teilnehmer klinischer Studien auch tatsächlich die zu testenden Wirkstoffe einnehmen. Könnte man die Einhaltung der Einnahme sicherstellen, ließen sich solche Untersuchungen nachhaltiger gestalten, glaubt Melker. Schließlich könnten die Teilnehmer, die für den Versuch Geld erhielten, problemlos eine Dosis ausfallen lassen. "Wir glauben, dass eine erhöhte Datenqualität die Kosten der Experimente reduzieren und genehmigte Medikamente sicherer machen würde", sagt er.
Martin Hirsch, Medizinprofessor an der Harvard Medical School, sieht das ähnlich. Ein solches Werkzeug fehle der Forschung. Auch das HIV-Beispiel kennt er: "Das Nichteinhalten der Medikation ist der Hauptgrund dafür, wenn solche Therapien scheitern."
Mallory Johnson, Dozent für Medizin an der University of California in San Francisco, die beim "Center for AIDS Prevention Studies" genau an diesem Thema arbeitet, erläutert, dass die meisten Ärzte derzeit auf die freiwilligen Berichte der Patienten setzen, statt spezielle Pillenkästen oder Aufzeichnungsmethoden zu verwenden. Manche Forscher nutzen inzwischen Pillenbehälter mit Sensoren im Deckel, die jede Öffnung speichern. Aber diese Methode funktioniert nicht immer, sagt Johnson, weil die Patienten oft mehrere Pillen entnehmen und umfüllen. Versuche, Patienten mit Hilfe von SMS oder Anrufen automatisch an die Einnahme zu erinnern, waren ebenfalls nicht sehr erfolgreich. "Verhaltenserinnerungen sind wichtig, aber nicht genug", meint Johnson. Zudem neigten die meisten Patienten dazu, die Einhaltung ihrer Medikation zu überschätzen. "Ich denke, dass wir unbedingt innovative neue Ansätze brauchen, um die Einnahme zu messen", meint er. Er glaube, dass ein solches Gerät besonders bei klinischen Studien wichtig sei, wo es auf eine genaue Dosierung ankomme. Bei einzelnen Patienten sei das möglicherweise weniger durchsetzbar. Es müsse ja immer noch eine Motivation geben, solche Geräte tatsächlich zu nutzen.