Besser Lesen auf kleinem Bildschirm

Ein Forschungsprojekt von Fuji und Xerox soll dabei helfen, Papierdokumente auf Mobiltelefone zu ĂĽbertragen und sie dort leichter navigierbar zu machen.

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Von
  • Kate Greene

Handys werden immer leistungsfähiger – und sie könnten eines Tages den Laptop des Geschäftsreisenden ersetzen, hofft die Industrie. Das Problem: Das Lesen und Navigieren von großen Dokumenten bleibt auf den kleinen Bildschirmen frustrierend. Ein neues Forschungsprojekt am Fuji Xerox Palo Alto Laboratory (FXPAL) soll das Problem nun lösen helfen und es gleichzeitig erleichtern, eingescannte Papierdokumente auf Mobiltelefone zu übertragen (zur Forschung bei Xerox siehe auch TR 04/06).

Die Technologie namens "Seamless Documents" speichert die Scans in einer Datenbank und analysiert Struktur und Inhalt. Dabei werden automatisch Abschnitte und Absätze unterschieden und zentrale Begriffe extrahiert, die sie zusammenfassen. Ruft man ein solches Dokument dann später auf dem Handy auf, kann man mit Schlüsselbegriffen direkt zum gewünschten Abschnitt springen oder den letzten Absatz einer Seite ansteuern. Beim Blättern durch das Dokument sorgte die Software außerdem dafür, dass Bilder, Zwischenüberschriften und Fließtext automatisch in ihrer Größe angepasst werden, wenn sie ins Sichtfeld rücken.

Dank des Mooreschen Gesetzes haben Mobiltelefone in den letzten Jahren in ihrer Rechenleistung massiv zugelegt. Bildschirme wurden hingegen nur langsam hochauflösender. Forscher wie Patrick Baudisch bei Microsoft Research suchen deshalb schon seit längerem nach der besten Methode, die Benutzerschnittstelle im Handy so zu verändern, dass man sich Websites und Karten ansehen kann, ohne große Nachteile aufgrund des Minidisplays zu haben. Apple hat bei seinem iPhone Ähnliches versucht und lässt den Nutzer gewünschte Bereiche mit Hilfe eines berührungsempfindlichen Displays ansteuern. Das komplexe Software-Problem, sich auf einem kleinen Bildschirm durch gescannte Dokumente zu bewegen, ohne dabei die Orientierung zu verlieren, hat jedoch noch niemand lösen können.

Eine solche Technologie wäre insbesondere für Geschäftsreisende interessant, die dann keine schweren Ordner oder Papierstapel mehr mit sich herumtragen müssten. "Manager nehmen immer noch enorme Mengen Gedrucktes mit auf die Reise", meint FXPAL-Forscher Scott Carter, der an "Seamless Documents" arbeitet. "Wir wollten eine bessere digitale Methode finden, wie sie sich schnell durch diese Dokumente kämpfen könnten."

Obwohl das FXPAL-Projekt erst sechs Monate läuft und sich noch im frühen Forschungsstadium befindet, will es doch einen Mix aus mehreren Problemen gleichzeitig lösen – von der Extraktion der Informationen aus analogen Dokumenten über ihre Synchronisierung mit mehreren Geräten bis hin zur Verfügbarmachung dieser Daten auf einem kleinen Handy-Bildschirm.

Der erste Teil des "Seamless Documents"-Projekts konzentriert sich auf die Konvertierung analoger Dokumente zu digitalen Informationen und deren Speicherung in einer Datenbank, die sowohl über das reguläre Breitband-Internet als auch über langsamere Handy-Verbindungen verfügbar ist. Sobald ein Scanner oder eine Kamera die Dokumente erfasst, werden sie an diese Datenbank geschickt und mit Hilfe einer speziellen Software, die am FXPAL entwickelt wurde, in ihrer Struktur analysiert, um Absätze, Bilder und Abschnittüberschriften zu erkennen. Außerdem wird der Scan durch eine Texterkennungssoftware (OCR) geschickt, die aus dem Abbild der Worte auf dem Papier digitale Daten macht, die der Rechner lesen kann. Dann wird der Text automatisch zusammengefasst und die Schlüsselbegriffe jedes Abschnitts für den Nutzer aufbereitet.

Der zweite Teil des Forschungsprojekts beinhaltet die Software, die auf Mobiltelefonen läuft. Sie öffnet das Dokument und zeigt die extrahierten Informationen an. Der Nutzer sieht dann eine Darstellung mit den zentralen Begriffen in großer Schriftart, die über den Absätzen und Abschnitten angeordnet ist, was es erleichtern soll, die gewünschten Bereiche herauszupicken. Mit einem Fingerzeig auf einen Absatz wird die Schrift vergrößert und so auf dem Schirm angeordnet, dass sie lesbar wird. Ein Navigationsfenster am Rand des Bildschirms zeigt den Bereich auf der Seite, an dem der Abschnitt vergrößert wurde. Beim Lesen des vergrößerten Texts kann der Nutzer auf Wunsch die zentralen Begriffe einblenden, die vorher über dem Dokument angezeigt wurden. So kann man schnell zwischen Bereichen wechseln. Beim Blättern werden außerdem Bilder, die nicht zur aktuellen Auflösung passen, jeweils automatisch korrigiert, damit sie ganz sichtbar sind. Scrollt man weiter, wird der Text sofort wieder größer.

Die Vergrößerung und Anpassung von Text, damit er gut auf dem kleinen Bildschirm lesbar ist, gehöre zu den wichtigsten Teilen des Projektes, sagt Ben Bederson, Professor für Informatik an der University of Maryland, der die FXPA-Arbeit kennt. "Solche Lösungen sind entscheidend und sollten auf eigentlich allen Geräten verfügbar sein."

Noch sei allerdings unklar, wie nützlich die Navigation über Schlüsselbegriffe auf einem Handy wirklich sei. Oft blätterten die Nutzer nur ganz schlicht durch ein Dokument und solche Zusatzfunktionen seien womöglich Overkill. Auch bemängelt Bederson, dass die Navigationsleiste in der aktuellen Version ein Viertel des sichtbaren Bildschirms einnimmt. "Das halte ich für einen Fehler. Apple macht das schon richtig: Wenn man Inhalte liest, will man dafür auch 100 Prozent des Bildschirms haben."

Im Sommer wollen Carter und sein Team nun weitere Experimente durchführen, um herauszufinden, wie genau die Nutzer Zugriff gescannte Dokumente auf Mobiltelefonen nutzen. Das Ergebnis dieser Untersuchungen soll dann die weitere Gestaltung der Software bestimmen. "Es ist wichtig, dass wir sicherstellen, dass die User all das bekommen, was sie bei der Nutzung digitaler Dokumente haben möchten." Die Interaktion mit dem Handy müsse stets im Kontext untersucht werden. (bsc)