Alzheimer-Früherkennung

Ein Bluttest, der die Demenzerkrankung bereits in ihrer Anfangsphase erkennt, könnte die Behandlung erleichtern. Entsprechende Forschungen laufen.

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Von
  • Anna Davison

Die gefürchtete Demenzerkrankung Alzheimer schädigt das Hirn bereits Jahre vor dem Auftreten erster, nachweisbarer Symptome. Eine kalifornische Firma will nun bald einen einfachen Bluttest anbieten, der erstmals eine zweifelsfreie Früherkennung ermöglichen soll. Der Test basiert auf einer Proteinsignatur im Blut, von dem die Forscher des Unternehmens ausgehen, dass sie eindeutig auf Alzheimer hindeutet.

"Es ist möglich, dass wir die Krankheit so rund zwei Jahren früher nachweisen, als dies Ärzte heute können", sagt Cris McReynolds, Präsident und CEO von Satoris aus Redwood City. Die Firma wurde 2003 explizit gegründet, um blutbasierte Alzheimer-Tests zu entwickeln und zu vermarkten.

Der Satoris-Test soll zu nahezu 90 Prozent treffsicher darin sein, Menschen mit leichten Gedächtnisschwierigkeiten zu identifizieren, bei denen sich einige Jahre später Alzheimer entwickelt, heißt es in einer Studie, die das Unternehmen zusammen mit universitären Forschungseinrichtungen in den USA und Europa durchführte.

Die Untersuchung sei in Forscherkreisen durchaus "eingeschlagen", wie Maria Carrillo, Direktorin für wissenschaftliche und medizinische Zusammenarbeit des amerikanischen Patientenverbandes Alzheimer's Association meint. Satoris arbeitet nun unter anderem mit der Mayo Clinic zusammen, um die gewonnenen Daten zu verifizieren. Die Firma erwartet, dass sie den Test der Wissenschaftsgemeinschaft bereits Ende des Jahres vorlegen kann. Danach sind klinische Studien und ein Genehmigungsverfahren bei den US-Gesundheitsbehörden geplant. Endergebnis könnte ein Testkit sein, das regulär in Kliniken verwendet werden soll. "Wir alle hätten sehr gerne einen solchen Bluttest", meint Norman Relkin, Direktor des Programms für Gedächtniserkrankungen an der Cornell University.

Auch Neil Buckholtz, Leiter des Bereiches Demenzforschung am US-National Institute on Aging, hält eine solche Untersuchungsmöglichkeit für einen wichtigen Fortschritt. "Wenn wir diese Veränderungen im Gehirn am Anfang des Krankheitsprozesses erkennen könnten und dann eines Tages Medikamente besitzen, die den Verlauf verlangsamen oder gar stoppen, hätten wir das, was wir schon immer wollten", sagt er.

Derzeit lässt sich Alzheimer nur nach dem Tod endgültig diagnostizieren – in dem man die typischen Proteinklumpen im Gehirn des Patienten nachweist. Ärzte, denen ein Patient mit Gedächtnisverlust, Sprachproblemen und anderen Symptomen vorgestellt wird, die für die unheilbare Alzheimer-Erkrankung sprechen könnten, versuchen zunächst, andere Gründe für Demenz auszuschließen – etwa einen Schlaganfall. In den meisten Fällen liegen sie dabei richtig und ihre Diagnose kann dann später durch die Hirnsektion bestätigt werden. Trotzdem suchen Forscher seit langem nach einer definitiven Diagnosemöglichkeit auch bei lebenden Patienten.

Das sei eine so große Herausforderung, meinen Experten, weil es sich um eine derart komplexe Krankheit handele. "Wir verstehen immer mehr, wie Alzheimer ausgelöst wird, doch endgültig geklärt ist es noch nicht", meint David Michelson, Virzepräsident für Neurowissenschaften bei der Pharmafirma Merck, die ebenfalls an diagnostischen Biomarkern für die Erkrankung der Krankheit forscht.

Einige Wissenschaftler setzen auf fortschrittliche bildgebende Verfahren, um Proteinanhäufungen im Gehirn zu erkennen. Andere fahnden nach Biomarkern der Krankheit in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, die sich durch eine Lumbalpunktion erhalten lässt.

Die Erkennungsmethode von Satoris misst nun die relative Häufigkeit bestimmter Proteine im Blut. Alzheimer bedingt auch Entzündungsherde im Gehirn und andere Forschungsarbeiten legen nahe, dass Zeichen davon "auch im Blut zu finden sind", wie Buckholtz meint.

Blutplasma enthält rund 30.000 verschiedene Proteine. Die Forscher reduzierten diese Gruppe auf mehrere Hundert mögliche Signalstoffe. Durch die Analyse von 259 Blutproben von Alzheimer-Patienten identifizierten sie daraus anschließend 18 Proteine, die in ganz bestimmten Konzentrationen vorhanden waren. Diese Biomarker-Signatur unterscheide Alzheimer auch von anderen Demenzauslösern, sagt Satoris-Chef McReynolds.

Seine Wissenschaftler arbeiten nun mit anderen Forschern zusammen, um auch nach Merkmalen im Blut zu suchen, die den Fortschritt der Krankheit sichtbar machen könnten. Sie versuchen außerdem, die bereits gefundenen Blut-Biomarker mit denen in früheren Studien in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit erkannten abzugleichen. Auch bildgebende Verfahren will man zum Abgleich verwenden.

Das Problem: Bis es wirklich bessere Behandlungsmethoden für Alzheimer gibt, bleiben solche Diagnosetests vor allem für die Wissenschaft interessant. "Was hilft es, die Diagnose früh zu bestätigen, wenn man nichts dagegen tun kann, wenn es keine Therapie gibt, die das, was passieren könnte, verhindert?", meint Merck-Manager Michelson.

Andererseits, sagt Patienten-Aktivistin Carrillo, helfe eine frühe und genaue Diagnose Betroffenen und ihren Familien, sich auf die Zukunft besser vorzubereiten. Sie könnten dann nach den besten Behandlungs- und Pflegeplänen suchen und sich gegebenenfalls für klinische Studien neuer Wirkstoffe registrieren. "Ich halte diese frühe Erkenntnis für kritisch", meint sie. (bsc)