BombenschnĂĽffler im Kasten
Ein neuartiges Gerät setzt auf fluoreszierende Polymere, um Sprengfallen zu erkennen. Erste Tests laufen bereits im Irak.
- Katherine Bourzac
2001 ging der "Schuhbomber" Richard Reid mit Plastiksprengstoff in seinen Tretern an Bord einer American Airlines-Maschine. Der Anschlag ging zum Glück daneben, doch seit jener Zeit müssen Fluggäste an vielen Flughäfen der Welt bei der Sicherheitsüberprüfung ihre Schuhe abnehmen. Einige Airports sind bereits mit Spezialgeräten ausgestattet, die mit Hilfe von Luft und der Spektrometrie Passagiere nach Spuren von Sprengstoff absuchen. Ein neuer, deutlich einfacher zu verwendender Detektor wurde nun vom US-Unternehmen RedXDefense entwickelt. Es soll eine schnelle, optische Untersuchung auf Plastiksprengstoffe ermöglichen, die besonders gerne von Terroristen eingesetzt werden. Das Gerät ist tragbar und auch für Nichtwissenschaftler zu nutzen. Es lässt sich an Sicherheitscheckpoints und auch unter besonders harten Bedingungen einsetzen. Erste Feldtests laufen im Irak.
"Die meisten Untersuchungsmethoden setzen auf die Erkennung von Dämpfen des Materials", erläutert William Trogler, Chemieprofessor an der University of California in San Diego, der die Technologie entwickelt hat. Das funktioniere gut in Bereichen wie Landminen oder andere Komponenten, die auf volatile Sprengstoffe setzten – so bildet TNT ein Gas, das in der Luft erkannt werden kann. Plastiksprengstoffe sind jedoch nur wenig volatil und ihre Erkennung bedingt zumeist, dass man etwas Sprengstoff von der Oberfläche "wegpusten" muss, etwa mit einem Luftstoß. Erst dann ist eine chemische Analyse möglich. Tragbar sind solche Systeme naturgemäß nicht.
Trogler entwickelte deshalb nun ein spraybares Polymer, das ständig blau-grün unter ultraviolettem Licht fluoresziert. Ist jedoch ein Sprengstoffmolekül wie PETN oder TNT vorhanden, wird die Fluoreszenz eingestellt. Sprüht man den Detektorstoff also auf eine Oberfläche und untersucht sie dann unter UV-Lcht, werden Sprengstoffspuren schwarz dargestellt.
Das fertige Produkt, genannt XPak, besteht aus einem Kunststoffschaukasten und einem mit Papier überzogenen Stab, der wie eine Fusselrolle aussieht. Zunächst rollt der Soldat oder Polizeibeamte diesen Stab über die Oberfläche, die getestet werden soll – oder die zu untersuchende Person muss die Rolle mit der Hand berühren. Der Stab wird dann im Anschluss in den Schaukasten gelegt. Dort wird er wiederum mit dem lumineszierenden Polymer besprüht. Der Nutzer schaut dann durch das Objektiv und bedient einen Knopf, um den Stab unter UV-Licht zu drehen. Ist kein Sprengstoff präsent, sieht der Stab völlig blau aus. Gibt es die Spuren, selbst wenn es nur geringste Mengen sind, erscheinen schwarze Punkte.
Trogler sagt, dass der Vorteil seines Systems darin liege, dass die Ergebnisse von Nichtwissenschaftlern visuell gut erkannt werden könnten. "Das ist intuitiv. Das menschliche Auge arbeitet bei der Erkennung einfach gut." Spezialsoftware zur Bildanalyse oder eine komplexe Spektrometrie-Untersuchung seien nicht notwendig.
Timothy Swager, Chef der Chemiefakultät am MIT, sagt, dass die Chemie hinter dem XPak keineswegs neu sei, auch er arbeite daran. Seine Forschung zu Sprengstoffdetektoren wurde von der Firma ICx Technologies vermarktet. Swagers Detektor ist etwas empfindlicher als Troglers Modell, gibt der Forscher zu, doch sei er für andere Verwendungszwecke gedacht – besonders die Erkennung vergrabener Landminen. Doch eine solche Empfindlichkeit sei eben nicht immer notwendig. "Wenn das Gerät direkt zur Untersuchung fester Sprengstoffe einsetzt, müssen nicht so kleine Mengen erkannt werden", sagt er.
Harold Weinstock, Programmmanager beim Forschungsbüro der U.S. Air Force, bestätigt, dass die Behörde Troglers Forschung am XPak unterstützt. Erste Feldtests im Irak fänden derzeit beim US-Militär statt – wo genau, wurde allerdings nicht genannt. (bsc)