Windenergie aus tiefen Gewässern

In Norwegen ist eine Offshore-Anlage geplant, die 10 Kilometer vor der KĂĽste steht - schwimmend auf einer Plattform.

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Von
  • Peter Fairley

Schwimmende Windkraftanlagen, die weit vor der Küste platziert werden, könnten bald zur Realität werden: Ende Mai kündigte der norwegische Öl- und Gas-Riese StatoilHydro zusammen mit dem deutschen Siemens-Konzern ein Projekt an, dass die erste kommerziell angelegte Anlage in tiefen Gewässern hervorbringen soll. 78 Millionen Dollar will StatoilHydro investieren, um eine Siemens-Turbine in mehr als 200 Meter tiefem Wasser zu verankern – das entspricht einem Zehnfachen der herkömmlichen Wassertiefe von konventionellen Offshore-Systemen. Das Windrad soll auf einer konventionellen Plattform montiert werden, wie man sie aus der Öl- und Gas-Förderung kennt.

Bis Ende 2009 soll die 2,3 Megawatt-Anlage in der Nordsee stehen – rund zehn Kilometer vor Karmoy an der Südwestspitze Norwegens. Die Leistung ist eher mager, wenn man sie mit den über 1000 Megawatt vergleicht, die derzeit in anderen europäischen Offshore-Windparks installiert sind. Dennoch könnte der Demonstrationscharakter des Projekts, das beweisen soll dass eine Anlage in tiefem Gewässer funktionieren kann, das Wachstum der Branche massiv ankurbeln. Anne Strommen Lycke, Vizepräsidentin für Windkraft bei StatoilHydro, betont, dass die Zahl verfügbarer Flächen für Windkraft auf dem Land und in flachen Gewässern vor der Küste stetig schrumpfe: "Entweder ist da schon etwas gebaut worden, es gibt politischen Widerstand oder man hat es mit schwierigen geologischen Verhältnissen zu tun", meint sei. Hinzu komme, dass in Regionen wie Kalifornien, Japan oder Norwegen kaum Küstenbereiche mit geringen Wassertiefen vorhanden seien.

Auch zwei andere Firmen arbeiten derzeit an schwimmenden Windkraftanlagen. Blue H aus den Niederlanden und Sway aus Norwegen (an dem StatoilHydro selbst mit 25 Prozent beteiligt ist) wollen leichtere Turbinen bauen, um Größe und Kosten der notwendigen Trageplattformen zu reduzierten. Paul Sclavounos, Maschinenbauer am MIT, dessen Labor ebenfalls an Offshore-Windplattformen arbeitet, hält diesen Ansatz aber für falsch: Die Komplexität, die mit der Zulassung gänzlich neuer Windräder einherginge, stelle ein großes Problem dar. Ähnlich scheinen es auch StatoilHydro und Siemens zu sehen: Sie wollen deshalb bewährte Technologien verwenden, die schon lange im praktischen Einsatz sind.

So soll eine 165 Meter hohe Spierentonne verwendet werden, die sich an der Gestaltung von Öl- und Gas-Plattformen orientiert, wie sie etwa im Golf von Mexiko stehen. Sie trägt eine Standard-Siemens-2,3-Megawatt-Turbine, wie sie der Konzern in Serie produziert. Die sei "sehr robust und breit getestet", meint Lycke. Der Einsatz der Standardtechnologie werde dabei helfen, das Konzept schwimmender Windparks zu optimieren. "Wir testen nämlich nur eine Sache: Ob sich die Turbine im Wasser so verhält, wie wir das vorhersagen."

Diese Vorhersage speist sich aus Untersuchungen an einem Modell der Anlage in einem Testtank. Bislang zeigen diese Experimente, dass es wenig bis gar keine Probleme geben sollte: Die drei Ankerketten halten die Plattform stabil und die relativ gleichmäßigen Winde, die vor der Küste herrschen, problemlos aus. "Windräder an Land werden ebenfalls mit jeder Menge Turbulenzen und Böen konfrontiert. Auf See ist das genauso."

StatoilHydro will die Investitionskosten der schwimmenden Windkraftanlage reduzieren, in dem sie zwei Jahre lang durchgehend getestet wird. Die sich daraus ergebenden Daten sollen ermitteln, wie groß Ankeranlage und Plattform wirklich sein müssen, um die Anlage zu tragen. Wirtschaftlicher wird das Projekt auch dadurch, dass die regelmäßigeren Winde vor der Küste dafür sorgen, dass die Anlage länger unter Last läuft. Die Megawattstunden pro Turbine sind höher als an Land.

Lycke räumt allerdings ein, dass die Technologie zumindest am Anfang durchaus sehr teuer sind wird. "Sie wird sich auf dem Niveau von Solarenergie einpendeln und zum Start Subventionen seitens der Regierung benötigen." Sie glaubt aber, dass die Wirtschaftlichkeit sich recht schnell beweisen wird – und die Wettbewerbsfähigkeit mit konventioneller Windkraft ebenso bald folgt. "Wenn wir das nicht dächten, würden wir das Projekt nicht starten", sagt Lycke. (bsc)