Der Fummel-Faktor

Hirnchirurgen können heute auf hochmoderne Geräte zurückgreifen, die ihre Arbeit sicherer für den Patienten machen. Trotzdem ist ärztliches Können weiter gefragt – denn die Technik birgt ihre ganz eigenen Tücken.

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Von
  • Katrina S. Firlik

Die meisten Werbebriefe auf meinem Schreibtisch warf ich einfach weg, aber der große Kalender von Medtronic weckte mein Interesse. Der Medizintechnik-Hersteller hat seinen Geschäftsbereich Navigation am Fuße der Rocky Mountains angesiedelt, und passend dazu versprach der Kalender überwältigende Bilder aus Colorado, zusammen mit überwältigenden Neuheiten von Medtronic. Das September-Blatt zum Beispiel zeigt einen in herbstliches Abendrot getauchten Espenwald, daneben ein Bild aus der Chirurgietechnik und in etwa diesen Werbespruch: „Mit einem Schädelnavigations-Pointer von Medtronic sind Sie genauestens über Ihre Patienten im Bilde – für eine florierende Neuronavigationspraxis.“ Super, will ich haben! Chirurgen, allen voran Neurochirurgen wie ich, sind die Technikfreaks unter den Medizinern. Alle paar Jahre oder noch öfter können wir uns über Neuerungen freuen. Aber immer gibt es auch einen Grund, sich zu ärgern, nämlich den Fummel-Faktor. Das Problem ist das gleiche wie bei Notebooks, Handys, Digitalkameras und Heimkinoanlagen: Wetten, dass Sie den Surroundsound Ihres neuen Systems erst hinbekommen, wenn das Fußballspiel längst abgepfiffen ist? In meinem Beruf kann der Fummel-Faktor allerdings weitaus schlimmere Konsequenzen haben.

Seit den Anfangstagen der explorativen Chirurgie hat sich viel getan. In den Siebzigern kam die Computertomografie (CT) auf – vorher mussten Chirurgen mit so schwammigen Angaben wie „irgendwo links“ arbeiten. In den Achtzigern verbesserte sich die Situation durch Fortschritte in der Kernspintomografie (MRT). Peilt ein Arzt heutzutage Läsionen wie Tumore an, um deren genaue Position im Gehirn zu ermitteln und sie bei der Operation wiederzufinden, erhält er durch moderne bildgebende Verfahren immer präzisere Unterstützung.

Wer zu uns in den OP kommt, ist in der Regel von den Navigationsinstrumenten am meisten beeindruckt („Navigation“ klingt schlicht besser als „computergestützte rahmenlose Stereotaxie“, also bleibe ich bei diesem Ausdruck). Einfach gesagt liefert uns diese Technik während des Eingriffs so etwas wie Live-Bilder... (kd)