Strahlende Aussichten
New York hegt kühne Solar-Pläne, um den drohenden Rückgang bei der Chip-Fertigung aufzufangen und einen boomenden Markt nicht zu verpassen.
- Steffan Heuer
Staatlich geförderte Solarsilizium-Herstellung mit Wasserkraft, Ansiedlung einer Solarzellenfirma aus Ungarn, Fertigung holografischer Konzentratoren für effizientere und billigere Photovoltaik-Anlagen für den Export nach Europa, verstärktes Interesse an Solartechnik beim Computerriesen IBM: All diese Initiativen aus der Sonnenstromsegment sollen sich für den US-Bundesstaat New York auf rund 1.400 neue Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren addieren. Die Region nördlich der Millionenstadt New York will ihren dramatischen Rückstand in dem Technologiebereich aufholen und setzt dabei auf ihre Expertise sowie bestehende Milliarden-Investitionen in die Halbleiterfertigung und Nanotechnologie-Forschung.
Bislang ist der Staat mit gerade einmal zwölf Megawatt installierter Photovoltaik-Leistung (PV) weit abgeschlagen hinter Kalifornien und selbst seinem Nachbarn New Jersey unterlegen. Unternehmer und Wissenschaftler zwischen New York City und der Hauptstadt Albany wollen deshalb im kommenden Jahrzehnt mindestens zwei Gigawatt aus Sonnenenergie erzeugen, was dem Doppelten aller 2006 in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen entspricht.
So sieht es zumindest die 2007 vorgestellte Solar Roadmap des Staates vor, an der namhafte Halbleiterhersteller, junge Energiefirmen und Akademiker mitgearbeitet haben. Laut Plan sollen Solarfertigung, Installation und Erzeugung in New York für rund 32.000 neue Arbeitsplätze sorgen und damit dem PV-Anführer Kalifornien die Stirn bieten. An der Westküste des Landes befinden sich derzeit rund drei Viertel aller Solaranlagen der USA.
"Solartechnik in New York besitzt erhebliches Potential, um in den nächsten drei bis fünf Jahren einen großen Nachfrageschub auszulösen, wenn sich die überhitzten Märkte in Europe – insbesondere Deutschland und Spanien – etwas abkühlen", meinte Pradeep Haldar, Professor für Nanotechnologie und Direktor des Zentrums für angewandte Energie- und Umwelttechnologie (E2TAC) an der Universität in Albany, gegenüber Technology Review.
Bislang fehlt es der Region allerdings sowohl an einem gesetzlichen Rahmenwerk als auch an wirtschaftlichen Anreizen, die groĂźe PV-Hersteller anlocken und Firmen wie Haushalte zur Installation veranlassen wĂĽrden. New York war laut Haldar vor zwei bis drei Jahrzehnten weltweit fĂĽhrend in der Solartechnik. "Diesen Vorteil haben wir verspielt und mĂĽssen jetzt versuchen, verlorene Zeit wettzumachen." Dabei setzt die Region auf zwei Faktoren: die Anziehungskraft des Forschungsstandortes Albany und eine wachsende Riege kleiner Hersteller, die sich zu einem Solar-Konsortium zusammengeschlossen haben.
Albany hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem Mekka für Nanotechnologie entwickelt, vor allem dank der 4,2 Milliarden Dollar an Industriegeldern plus einem kleinem Anteil staatlicher Fördermittel, die in das College für Nanowissenschaften und Ingenieurwesen (CNSE) geflossen sind. So befinden sich heute im Hudson Valley knapp 8.000 Quadratmeter Clean-Room-Anlagen, in denen mehr als 250 Firmen aus aller Welt mit 3.000 Mitarbeitern an den Halbleitern der Zukunft werkeln.
Konkurrenten wie IBM, Intel, Infineon, Samsung, Applied Materials oder Tokyo Electron sind nur durch einen Gang oder eine Glaswand voneinander getrennt. Sie setzen dieselben Geräte ein, um neue Prozesse und Werkstoffe zu entwickeln. Das Ziel lautet, Halbleiter mit immer kleineren Strukturgrößen zu entwerfen und gleichzeitig immer mehr Chips auf einen einzigen 300-mm-Wafer zu packen. Die Präsenz in diesem "Nano-Einkaufszentrum" mit ein paar großen so genannten "Magnetmietern" und vielen kleineren Unternehmen lohnt sich für alle Hersteller, so der Leiter Alain Kaloyeros.
Firmen am CNSE können sich Investitionen in neueste, oft für die Massenfertigung noch unerprobte Gerätschaften mit Preisen im zweistelligen Millionenbereich sparen und zugleich Studenten wie Professoren als Arbeitskräfte einsetzen. Der Staat New York behält im Gegenzug die Kontrolle über die technische Infrastruktur und einen Teil des Know-hows, das in Albany gewonnen wird.