Die Spur der Gedanken
und legen damit die Grundlage fĂĽr Gedankenlesemaschinen und eine neue Generation von LĂĽgendetektoren.
- Edda Grabar
Was das kalifornische Unternehmen Emotiv auf seiner Webseite für 299 Dollar einschließlich Versand verspricht, klingt wie die Erfüllung eines alten Menschheitstraums: Endlich eine Welt, in der der Geist regiert. Allein die Kraft der Gedanken jagt dort Berge in die Luft, entzündet Feuer oder färbt den Himmel orange. Über das Wasser gehen oder mit Felsen jonglieren? Alles nur eine Frage der Konzentration. Möglich macht das ein Gerät, das aussieht wie ein zu breit geratener Kopfhörer mit Tentakeln. Es übersetzt Hirnwellen in Steuersignale für speziell entwickelte Computerspiele (siehe TR 6/08). Ein Gedankenlese-Apparat für die Massen also?
Tatsächlich leistet das Emotiv-Gerät, genannt Epoc, noch recht wenig. Es liest lediglich mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) den motorischen Bereich im Gehirn ab (siehe Kasten rechts). Auf diese Weise lässt sich recht zuverlässig erkennen, ob sein Träger beispielsweise gerade ans Laufen denkt – schon das aktiviert das Bewegungszentrum im Hirn, und diese Spannungsänderung wird dann vom EEG erfasst. Um aber die Gefühlslage des Spielers zu erkennen, braucht das Gerät aber Hilfe aus der physischen Welt: Fröhliche Gedanken etwa vermitteln sich ihm vor allem durch übertriebenes Grinsen, das die Gesichtsmuskeln über Fühler an den Epoc melden.
Doch selbst solche eher grobschlächtigen Funktionen wecken Ängste. „Hat der auch eine Schnittstelle zum Bundestrojaner?“, argwöhnte etwa ein Nutzer des IT-Forums Heise Online als Reaktion auf eine Meldung über den Epoc. Tatsächlich sind solche Sorgen nicht unbegründet, denn noch nie waren Forscher den Gedanken der Menschen so dicht auf der Spur wie heute: Zum einen macht preiswerte Hard- und Software wie die von Emotiv zumindest den rudimentären Zugriff auf Hirnprozesse massenhaft verfügbar.... (kd)