Ein Account für alles
Ein US-Start-up will das Passwort- und Zugangschaos bei Kommunikationsdiensten im Web vereinfachen.
- Erica Naone
Die Internet-Revolution bringt inzwischen derart viele Kommunikationsmöglichkeiten mit sich, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Die vielen Wege, Freunde und Bekannte online und offline zu erreichen, sind allerdings nicht unbedingt bequem: Jeden einzelnen Dienst nach neuen Botschaften zu durchforsten, ist anstrengend und kostet Zeit. Fast jeder von uns verfügt inzwischen über mehrere Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Instant-Messaging-Zugänge (IM), hinzu gesellen sich in letzter Zeit nicht selten diverse Identitäten in sozialen Netzwerken.
TelCentris, eine Firma aus dem kalifornischen San Diego, will das Account-Chaos nun lichten helfen. Ihr Dienst namens VoxOx kommt als einzelnes Stück Software daher und kann dazu verwendet werden, mit den eigenen Kontakten auf verschiedensten Wegen zu kommunizieren.
Solche "Unified Communicator"-Lösungen sind keineswegs eine neue Idee. In den letzten Jahren entwickelten mehrere populäre IM-Netzwerke Software, mit der es möglich war, auch mit Angehörigen anderer Netze zu kommunizieren. Mit der zunehmenden Verwendung von Handys entwickelten sich derweil Systeme, die mehrere Nummern auf eine umleiteten, heute sind etwa Google ("Grand Central") oder BT ("Riddit") auf dem Markt tätig. Der Ansatz ist insbesondere im geschäftlichen Bereich populär, wo Firmen Werkzeuge schaffen, die diverse Kommunikationswerkzeuge zusammenbringen – IBM beispielsweise IM, Voicemail und Web-Konferenzen in seiner Lösung Lotus Notes.
VoxOx setzt diesen Trend fort, offeriert aber eine deutlich längere Liste unterstützter Dienste. Nutzer können E-Mails und IM-Botschaften verschicken, SMS absetzen, Videokonferenzen starten, Telefonate führen, Nachrichten an soziale Netzwerke schicken und Dateien mit anderen austauschen – alles von einem Ort aus und von diversen Serviceanbietern.
Rebecca Swensen, Analystin beim IT-Marktforscher IDC, glaubt, dass das Produkt interessant und ambitioniert sei. Noch seien allerdings Probleme bei der Bedienung vorhanden: "Ganz so leicht zu nutzen ist es nicht." Die Frage sei außerdem, ob die Kundschaft bereit sei, die Mühe auf sich zu nehmen, einen solchen Dienst auch zu konfigurieren. Obwohl das Angebot das Leben erleichtern solle, stelle es am Anfang doch einen ziemlichen Aufwand dar, alle Kontakte einzustellen und zu sortieren.
Michael Faught, Finanzchef von VoxOx, meint, dass der Dienst sich anfangs vor allem an jüngere Nutzer wende, die schon jetzt mit der chaotischen Welt zahlreicher Kommunikationswerkzeuge konfrontiert seien. Soziale Netzwerke verstärkten diese Probleme noch. Eine einfache, effiziente Lösung fehle.
Eine Vorabversion von VoxOx ist seit November verfügbar und kann kostenlos für Mac- und Windows-Rechner heruntergeladen werden. Nach der Erstellung eines Accounts erhält man eine kostenlose Rufnummer und konfiguriert den Rest des Dienstes, in dem man seine Nutzernamen und Passwörter für unterstützte IM-, E-Mail- und Social Networking-Services an die Anwendung übergibt. VoxOx zieht dort dann die Kontakte heraus und erlaubt es dem Nutzer, eine vollständige Liste durchzusehen, um auszuwählen, mit wem und über welche Wege künftig kommuniziert werden soll. Dabei lässt sich der Dienst wie ein leistungsfähiger Instant Messaging-Client verwenden. Egal ob eine Nachricht als SMS, IM-Botschaft oder E-Mail verschickt wurde – sie taucht stets wie ein IM-Chat auf dem Bildschirm auf. Der Nutzer erhält mit seinem Account außerdem zwei Stunden kostenlose Gesprächszeit in die Telefonnetze der USA und Kanadas. Mehr Minuten lassen sich nachkaufen oder erwerben, in dem Werbespots angesehen werden.
VoxOx kann es sich leisten, kostenlose Telefonnummern auszugeben, weil die Mutterfirma TelCentris bereits über eine bestehende Infrastruktur verfügt, sagt Firmenchef Bryan Hertz. Im Zentrum stehe eine Technologie, die eine große Anzahl unterschiedlicher Kommunikationsprotokolle unterstütze, die sich problemlos erweitern lasse. "Alle offenen Standards unterstützen wir entweder bereits oder integrieren sie sofort", sagt er.
Hertz glaubt, dass der Hauptvorteil der Anwendung in der Vereinheitlichung mehrerer Medien liegt. Wenn ein VoxOx-Nutzer eine Dreier-Telefonkonferenz startet, kann er beispielsweise auch Handy-Besitzer oder Internet-Telefonieanwender direkt einbinden. Noch hat die Software allerdings einige Bugs: So gibt es bei einigen Nutzern Probleme beim Telefonieren. Im Forum wird derweil die Unterstützung von Facebook-Chats und die des freien Betriebssystems Linux gefordert. Die ersten Rückmeldungen auf die Vorabversion von VoxOx sollen nun verarbeitet und in Verbesserungen des Dienstes umgesetzt werden. Neue Funktionen und mehr unterstützte Services sollen folgen. Eine Variante für Geschäftskunden ist laut Hertz Anfang 2009 zu erwarten. (bsc)