E-Antrieb fĂĽrs Hirn

Tiefenhirnstimulation scheint die geistige Leistungsfähigkeit des Gehirns bei neurologischen Leiden zu verbessern.

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Gehirn

(Bild: Zephyr/SPL/AgenturFocus)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Bei Parkinson-Patienten ist die tiefe Hirnstimulation seit Jahrzehnten erfolgreich und unterdrückt das für die Krankheit typische Zittern. Jetzt wollen Mediziner mit dieser Therapie auch den kognitiven Verfall bremsen, mit der andere schwere neurologische Erkrankungen wie Alzheimer einhergehen, schreibt Technology Review in seiner neuen August-Ausgabe (am Kiosk und im Heise Shop erhältlich).

So konnte der Psychiater Jens Kuhn von der Uniklinik Köln in einer Pilotstudie den geistigen Verfall bei vier von sechs Alzheimer-Patienten innerhalb eines Jahres nach Therapiebeginn aufhalten. Kuhn bleibt zwar vorsichtig: "Das sind im Moment nur erste Hinweise, dass die tiefe Hirnstimulation einen Nutzen für die Alzheimer-Patienten haben könnte." Doch aufgrund der Ergebnisse will der Neurologe nun mit einer größeren Studie untersuchen, wie gut die Behandlung wirkt.

Einer der ersten Mediziner, der die Möglichkeiten der tiefen Hirnstimulation für die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten bei neurodegenerativen Erkrankungen erkannte, war der kanadische Neurochirurg Andres Lozano von der Universitätsklinik Toronto. Bei Alzheimer-Patienten platzierte er die Elektroden in der sogenannten Fornix. Diese Faserbahn beeinflusst viele Hirnfunktionen und ist auch mit dem Hippocampus verbunden, der als Gedächtniszentrum gilt.

Bei Alzheimer-Patienten schrumpft der Hippocampus normalerweise mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Damit einher geht eine messbar abnehmende geistige Leistungsfähigkeit. Andres Lozano gelang es 2011 jedoch, mit Stromimpulsen den Prozess zu stoppen. Bei immerhin zwei von sechs Patienten war der Hippocampus ein Jahr nach dem Einsetzen der Elektroden um etwa fünf Prozent gewachsen. Die Stimulation hatte anscheinend zur Bildung neuer Nervenzellen in diesem Hirnteil geführt. Auch die Gedächtnisleistung war bei diesen zwei Patienten besser als erwartet.

Mehr dazu in der aktuellen Technology Review (im Heise Shop erhältlich):

(vsz)