Hightech-Volkszählung für Dickhäuter

In Afrika soll ein Elefanten-Zensus endlich Aufklärung bringen, wie viele der bedrohten Tiere noch existieren. Denn schrumpfenden Bestände werden mit Hi-Tech aus der Luft erfasst.

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Von
  • Sascha Karberg
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Von den Elefanten in den Nationalparks Afrikas sollen etwa 100 täglich Wilderern zum Opfer fallen. Für das Jahr 2012 geht der International Fund for Animal Welfare von schätzungsweise 30.000 abgeschlachteten Elefanten aus, trotz des seit 1989 international geltenden Verbots für Elfenbeinhandel. Doch eine verlässliche Datengrundlage über die Dickhäuter in Ländern wie dem Südsudan, Äthiopien, Botswana, dem Kongo, Uganda oder Südafrika fehlt bisher.

Mittlerweile läuft der erste "Elefanten-Zensus" seit vierzig Jahren, berichtet Technology Review. Es ist ein buchstäblich abgehobenes Projekt. Denn mit einer Flotte von 18 kleinen, einmotorigen Flugzeugen will ein Team von 46 Forschern eine Fläche von über 600.000 Quadratkilometern in 13 Ländern überfliegen, um in über 18000 Flugstunden alle dort lebenden Elefanten zu erfassen. Realisiert wird das Projekt unter anderem mit sieben Millionen Dollar – gestiftet von Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der auf seinen Reisen durch Afrika die Auswirkungen der Wilderei kennengelernt hat.

Je zwei Beobachter pro Flugzeug zählen unabhängig voneinander sowohl lebende als auch tote Elefanten. Auch Giraffen und Büffel werden mit erfasst. Dabei verlassen sich die Forscher nicht nur auf ihre Augen. Zwei Kameras mit integriertem GPS-Empfang für die Ortsbestimmung machen Fotos, um die Zahlen später verifizieren zu können. Und auch noch jene Tiere zu entdecken, die sich dem schnellen Blick beim Überflug unter einem Baum oder im Buschwerk entzogen haben.

"Die Gefahr lokalen Aussterbens der Elefanten ist real", sagt Mike Chase, Direktor und Gründer der Organisation "Elefanten ohne Grenzen" mit Sitz in Botswana, die das Zensusprojekt leitet. "Im Oktober 2013 haben wir einen Park überflogen, in dem wir vorher 2000 Elefanten gezählt hatten, und fanden nur noch 33 lebende Tiere und 55 Kadaver." Mit den großflächig gesammelten Daten des neuen Forschungsprojekts hoffen Tierschützer, die Lage nun nicht mehr nur in einigen Regionen, sondern in den wichtigsten Lebensräumen der Elefanten in Afrika deutlich besser beurteilen zu können.

Aktuell hat der fliegende Zensus bereits die Bestände in elf Ländern erfasst und damit über 100.000 Quadratkilometer überflogen. Ein Vergleich mit früheren regionalen Zählungen zeigt bereits, dass in Tansania in den letzten fünf Jahren 60 Prozent der Bestände Wilderern zum Opfer gefallen sind, im benachbarten Mosambik 48 Prozent. Aus Ländern wie Botswana, Gabun, Namibia und Uganda können die Forscher immerhin berichten, dass die die Elefantenpopulation dort zunahm: Allein in Uganda fanden die Zensusforscher sechsmal so viele Elefanten – 5000 statt 800 wie noch zur letzten regionalen Zählung in den 1990ern.

Der Erfolg ist einerseits der Politik Ugandas zu verdanken, die Rückzugsgebiete mit Waffengewalt gegen Wilderer zu schützen und gleichzeitig touristisch zu erschließen, um sie für die Menschen wirtschaftlich attraktiv zu machen. Andererseits ist die gute Nachricht trügerisch. Der Zensus zeigt, dass viele der Elefanten Ugandas Flüchtlinge aus dem benachbarten Kongo und Südsudan sind. (bsc)