Mit Hacke und Schaufel

Nicht immer bedeutete die Errichtung eines wegweisenden Bauwerks auch einen technologischen Quantensprung. Als vor 150 Jahren die Arbeiten zum Bau des Suezkanals begannen, gestatteten die Bedingungen fast ausschließlich den Einsatz von Muskelkraft.

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Von
  • Elmar Wallerang

Solange es Seefahrt gibt, stehen dem Wunsch nach direkten Verbindungen Inseln und ganze Kontinente im Wege. Um etwa von der pazifischen Seite Amerikas in den Atlantik zu gelangen, gab es lange Zeit nur die Umschiffung Südamerikas. Und Kapitäne auf Schiffen im Roten Meer waren Jahrhunderte lang gezwungen, auf dem Weg nach Europa den ganzen afrikanischen Kontinent zu umsegeln. Heute gibt es an der schmalsten Stelle zwischen Nord- und Südamerika den 82 Kilometer langen Panamakanal sowie zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer den Suezkanal, der es fast auf die doppelte Länge bringt.

Zwischen den Jahren 1859 und 1869 entstand der Suez-, und erst ein halbes Jahrhundert später der Panamakanal. Im Gegensatz zu der mittelamerikanischen Wasserstraße, deren Bau unter anderem Dampfschaufelbagger, Bohr- und Sprenggeräte notwendig machte, reichte für den von Port Said aus in Angriff genommenen Suezkanal im Wesentlichen Muskelkraft aus. Hauptgrund für das bautechnisch unspektakuläre Verfahren am Sinai war der Sandboden. Im Gegensatz zum Baugrund in Panama war zwischen Port Said und Suez weder mit unterschiedlichen Bodenarten noch mit Felsgestein zu rechnen. Der geringe Niveau-Unterschied zwischen den Wasserspiegeln des Mittelmeeres und des Roten Meeres sowie das flache Gelände erlaubten überdies den Verzicht auf Schleusen, während der Bau des Panamakanals drei dieser Wasserbauwerke erforderte. Zwar liegt der Wasserspiegel des Pazifiks im Bereich Panamas nur 24 Zentimeter höher als der des Atlantiks, doch zur Überwindung der kontinentalen Wasserscheide mussten die Ingenieure den Kanal im Mittelteil auf 26 Meter anheben.

Am Sinai hingegen wurde geradezu mittelalterlich gearbeitet. Die Erbauer des Suezkanals rüsteten dortige Arbeiter weitgehend mit Hacke und Schaufel aus, wobei diese nach Lockerung des sandigen Bodens die Schollen zum Teil mit bloßen Händen zur gleichzeitig entstehenden Böschung trugen. Dafür waren am Bau eineinhalb Millionen Menschen beteiligt ... (bs)