Buchrezension: Tour de France - The Golden Age

Die Tour de France ist mehr als nur ein Radrennen. Sie ist ein Mythos, dessen Bedeutung weit ĂĽber den Sport hinausreicht. Hier zu gewinnen ist der Lebenstraum jedes Radrennfahrers. Der Verlag teNeues hat den Helden aus der goldenen Zeit des Radsports einen opulent illustrierten Bildband gewidmet.

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Von
  • Sascha Steinhoff

Die Bezeichnung Bildband nimmt teNeues bei Tour de France - The Golden Age 1940s-1970s durchaus wörtlich. Neben einem dreisprachigen Vorwort (Deutsch/Englisch/Französisch) gibt es abgesehen von sehr kargen Bildunterschriften keinerlei Texte. Großformatige Bilder, überwiegend in Schwarzweiß, dominieren das Buch. Mehr als den Ort, das Datum, den Namen des Fotografen und natürlich die Namen der abgebildeten Rennfahrer erfährt der Leser nicht. Die ganze Aufmerksamkeit wird auf die Bilder gelenkt. Und für diese ist bei einem Format von 27,5 x 34 Zentimetern und einem Umfang von 176 Seiten reichlich Platz.

(Bild: © Tour de France - The Golden Age 1940s-1970s, published by teNeues, www.teneues.com. Jean Robic, Lyon (Rhône) - Grenoble (Isère), Col de la Chartreuse, 7th stage, 2 July 1947, Photo © Presse Sports)

Das Buch nimmt den Betrachter mit auf eine Reise in eine längst vergangene Epoche des professionellen Radsports. Die Bilder von legendären Fahrern wie Fausto Coppi, Eddy Merckx, Jacques Anquetil und Hugo Koblet wirken aus heutiger Sicht faszinierend fremd. In der 1940er Jahren war ein Fahrer wie Jean Robic, der einen Kopfschutz trug, ein absoluter Exot im Peloton. Wegen seines aus Leder gefertigten Helmes verspotteten ihn seine Kameraden als Lederkopf. Wenn die Fahrer Durst hatten, wurde auf der Strecke an einem Lebensmittelgeschäft halt gemacht. Die kontinuierliche Verpflegung per Begleitfahrzeug war noch nicht erfunden. Bilder auf denen Profiradfahrer, im Rennen Sodawasser aus Glasflaschen trinken, sind im modernen Radsport völlig undenkbar. Gleiches gilt für einen Champion, der auf dem Rad einen Zigarrenstumpen schmaucht, wie Rudi Altig auf der fünfzehnten Touretappe im Jahr 1962.

Die Anstrengungen der Fahrer, welche in beeindruckenden Bilder eingefangen wurden, sind hingegen zeitlos aktuell. Ein Raymond Poulidor, den auch ein schwerer Sturz nicht stoppen kann, ein Luis Ocana der erschöpft eine Wasserflasche wegwirft und ein Eddy Merckx der mit unerbittlicher Miene einer Ausreißergruppe sein Tempo aufzwingt, finden auch im modernen Radsport ihre Entsprechung. Das Material hat sich verbessert, die Mode hat sich gewandelt, aber die Tour de France ist das was sie schon immer war: Das härteste, das berühmteste und prestigeträchtigste Radrennen der Welt. Mit Tour de France - The Golden Age 1940s-1970s hat teNeues dem historischen Radsport ein bildgewaltiges Denkmal gesetzt. (sts)