Luxushotel mit Aus-Knopf für Strom und Internet
Mal richtig abschalten, und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: Diese Möglichkeit bietet jetzt ein 5-Sterne-Hotel am Rand des Schwarzwaldes – bislang vielleicht sogar als einziges der Welt.
- Sascha Mattke
Mal richtig abschalten, und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: Diese Möglichkeit bietet jetzt ein 5-Sterne-Hotel am Rand des Schwarzwaldes – bislang vielleicht sogar als einziges der Welt.
Bei der Verfügbarkeit von WLAN in Hotels gilt Deutschland nach mehreren Umfragen und Auswertungen zu den Schusslichtern unter den Industrienationen. Auch in den Zimmern der Villa Stéphanie, Teil des 5-Sterne-Hotels Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden, gibt es kein WLAN – dies allerdings nur, wenn die Gäste es so wollen: Sie haben einen Internet-Ausschalter am Bett.
Möglich ist das, weil jedes Zimmer über eine eigene WLAN-Basis verfügt. Dafür, dass auch keine Funkwellen von den Nebenzimmern herüberschwappen, sorgen ein Spezialanstrich auf und ein Kupfergeflecht in den Wänden. Und nicht nur Freunde von Internet-Pausen kommen in der Villa auf ihre Kosten, sondern auch Gäste, die Angst vor Elektrosmog haben: Sämtliche Kabel im Haus haben eine Abschirmung, die elektromagnetische Felder reduzieren soll. Und mit einem zweiten Schalter am Bett lässt sich auch die Stromversorgung komplett kappen.
"Offensichtlich haben wir damit einen Nerv getroffen. Wir haben Gäste aus vielen unterschiedlichen Ländern, und die sind gleichermaßen beeindruckt", sagt Bärbel Göhner, PR-Leiterin des Brenners Park-Hotel & Spa. Tatsächlich sei die Idee während zweijähriger Umbaumaßnahmen von Gästen an das Management herangetragen worden. Die Reaktionen seien jetzt aber noch positiver als erwartet. Insbesondere die Trennung vom Stromnetz werde von "elektrosensiblen Gästen" viel genutzt.
Natürlich, räumt Göhner ein, könne man für eine Internet-Auszeit auch einfach den Computer zuklappen, das Mobiltelefon ausschalten oder das WLAN der Geräte deaktivieren. "Aber es ist schon etwas anderes, wenn man bewusst einen Schalter umlegen kann, um die Technik einfach mal auszublenden." Den sonst hart arbeitenden Gästen helfe das dabei, auch mental abzuschalten. Und sie würden die Erfahrung machen, dass man das Internet ausschalten kann, ohne dass die Welt stehenbleibt.
Genauere Angaben zum verwendeten Spezialanstrich will Göhner nicht machen. Das Gleiche gilt für die Kosten, die sie nicht einmal grob beziffern möchte. Einfach und billig dürfte die Angelegenheit jedenfalls nicht gewesen sein: Das Haupthaus des Hotels wird laut Göhner so bald nicht dieselben Möglichkeiten bekommen – "das wäre sehr schwierig, wir kennen ja jetzt den Aufwand."
Etwas inkonsequent: Während WLAN-Signale und Magnetfelder zuverlässig ausgesperrt werden können, sind die Zimmer nicht gegen Mobilfunk abgeschirmt. Laut Göhner wurde das ebenfalls erwogen, erwies sich aber als zu schwierig zu realisieren, hauptsächlich wegen der Fenster. Für Handy-Funkstille bleibt den Gästen also nichts anderes übrig, als direkt am eigenen Gerät dafür zu sorgen – oder es dem Hotel zur Verwahrung zu übergeben.
Die Internet-Abschaltmöglichkeit im Brenners jedenfalls ist vielleicht sogar weltweit exklusiv. Göhner kennt nach eigenem Bekunden kein anderes Hotel, das so etwas bieten würde, und auch bei einer kurzen Recherche im Web ließ sich keines finden. Allerdings geht Göhner davon aus, dass das Beispiel früher oder später Schule machen wird.
In der Villa Stéphanie gibt es zwölf Zimmer und drei Suiten. Eine Übernachtung kostet von 550 Euro aufwärts – auch in dieser Hinsicht ist das Haus also ausgesprochen exklusiv. Wer sich das nicht leisten kann oder möchte, für den bleibt die Lowtech-Variante mit Hotels, die schlicht kein WLAN bieten. Auch dafür scheint es Nachfrage zu geben, jedenfalls existiert bereits mindestens eine Website, auf der man gezielt danach suchen kann.
Allerdings dürfte die Auswahl hier bald kleiner werden: Seit Anfang dieses Jahres müssen Hotels, die zwei Sterne haben wollen, auf jeden Fall WLAN in öffentlichen Bereichen bieten, für drei Sterne ist auch WLAN im Zimmer vorgeschrieben. (sma)