Eine Frage des Karmas

Fisker Automotive will das erste Plug-in-Hybrid-Auto auf den US-Markt bringen. Sein Erfolg könnte für die weitere Entwicklung bei Elektroautos entscheidend sein

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Von
  • Kevin Bullis

Wenn die großen US-Autohersteller von der Wirtschaftskrise angezählt sind, schlägt vielleicht die Stunde kleinerer innovativer Unternehmen. Bereits im Januar hatte Fisker Automotive aus Irvine in Kalifornien das endgültige Konzept des Plug-in-Hybrid-Autos „Fisker Karma“ vorgestellt. Eine neue Finanzierung von 87 Millionen Dollar soll nun die Produktion des Wagens ab November ermöglichen – der damit das erste seiner Art auf amerikanischen Straßen werden könnte. Zwar haben auch General Motors, Chrysler und Toyota Plug-in-Hybride angekündigt, die aber nicht vor 2010 marktreif sein sollen.

Der Karma, ein Viersitzer-Sportwagen, wird über eine Batterie verfügen, die über die Steckdose aufgeladen wird. Eine Ladung reicht für 80 Kilometer. Ist sie verbraucht, springt ein Benzin-betriebener Generator an, um die Batterie wieder aufzuladen. Dadurch kann die Reichweite auf etwa 400 Kilometer gestreckt werden. Zusätzlich können auf dem Dach Solarzellen installiert werden, mit deren Energie das Auto während des Parkens gekühlt werden soll. Alternativ kann die Solarenergie auch in die Batterie eingespeist werden. Bei der handelt es sich um eine Lithium-Manganoxid-Batterie des kanadischen Herstellers Advanced Lithium Power aus Vancouver. Eine ähnliche Batterietechnologie will General Motors in den für November 2010 angekündigten Plug-in-Hybrid Chevrolet Volt einbauen.

Man wolle mit der Konstruktion zeigen, dass umweltfreundliche Autos nicht klein und leistungsschwach sein müssen, sagte Henrik Fisker, einer der Firmengründer, kürzlich auf der New York Auto Show . Ein Familienwagen ist dabei tatsächlich nicht herausgekommen: Wer mit dem Karma durch eine amerikanische Stadtlandschaft fahren will, muss 87.000 Dollar hinblättern.

Schnell wird das Modell sein, aber wegen seiner Größe nicht so grün wie einige andere Plug-in-Wagen, an denen die Konkurrenz arbeitet. Die beiden Elektromotoren bringen eine Leistung von je 150 Kilowatt, was zusammen 403 PS entspricht. Damit kann der Karma innerhalb von 5.8 Sekunden von null auf hundert Kilometer pro Stunde beschleunigen. Der Chevrolet Volt schafft dies in neun Sekunden. Diese Beschleunigung ist allerdings nur im „Sport“-Modus möglich, in dem auch der Benzin-Generator aktiv ist. Rein elektrisch fährt das Auto nur im „Stealth“-Modus.

Der ist ein Überbleibsel aus den Entwicklungsanfängen des Karma-Antriebssystems. Das Q-Drive-System war ursprünglich von Quantum Technologies für Militärfahrzeuge entwickelt worden, die damit heimlich und leise fahren können sollten. Laufen Batterie und Generator zusammen, verbraucht der Karma knapp 6 Liter auf 100 Kilometer. Das ist – vor allem in den USA – noch besser als bei derzeit marktüblichen Wagen. Fährt man zunächst 65 Kilometer ausschließlich elektrisch und schaltet den Benzin-Generator erst dann zu, liegt der Verbrauch bei 4,75 Litern.

Fisker Automotive ist eins von mehreren Kleinunternehmen, die in der Krise die etablierten Autohersteller mit Plug-in-Hybriden oder reinen Elektroautos angreifen wollen. Mike Omotoso von JD Power and Associates, einem US-Marktforscher mit Schwerpunkt auf der Autoindustrie, hält Fisker Automotive und Tesla Motors für die Vielversprechendsten. Letztere produzieren bereits das kleine, aber leistungsstarke Elektroauto „Roadster“, das in weniger als vier Sekunden von null auf hundert beschleunigen kann. Der Roadster läuft ausschließlich mit Batterien.

Omotoso erwartet allerdings, dass Tesla trotz seines Marktvorsprungs weniger Autos verkaufen wird als Fisker, weil der Karma sich für Langstrecken – die für US-Verhältnisse aber immer noch bescheiden sind – besser eignet. Zwar schafft der Roadster mit einer Batterieladung rund 390 Kilometer, doch das Wiederaufladen dauert Stunden, deutlich länger als beim Karma. JD Power rechnet für den Roadster mit einem Absatz von bis zu 800 Stück im nächsten Jahr, für den Karma hingegen mit über 10.000 verkauften Wagen.

Das Zeitfenster, in dem Fisker durchstarten kann, hält Omotoso aber für begrenzt. Die geplanten Konkurrenzmodelle der großen Hersteller dürften billiger werden als der Karma. Dennoch sieht Omotoso einige Vorteile für Fisker: Die Firma wird nicht durch hohe Fixkosten etwa für große Fabriken und Rentenzahlungen belastet. Da sie die Plug-in-Antriebe von denselben Zulieferern beziehen will wie General Motors, wird die Produktion steigen, was die Kosten für Bauteile senkt – Fisker profitiert also von General Motors’ Aktivitäten. Mittelfristig will Fisker mit einem billigeren Modell auch einen größeren Markt erreichen. In New York sagte Henrik Fisker, für diese seien auch einfachere Motoren mit Batterien vorstellbar, die im Einkauf 500 Dollar kosten – statt derzeit 3000 Dollar pro Gerät.

International würde Fisker allerdings nicht der erste Hersteller sein, der mit einem Plug-in-Hybrid herauskommt. Die chinesische Firma BYD, die von Investor-Legende Warren Buffett mitfinanziert wird, produziert bereits in China. Ob die Plug-in-Hybriden Begeisterung entfachen können und eine Zukunft haben, werde man erst nach den ersten Verkaufszahlen sagen können, gibt sich Felix Kramer, Gründer von CalCars und Plug-in-Hybrid-Verfechter, vorsichtig. „Sollte es mit den ersten Modellen Qualitätsprobleme geben, wird das ein Rückschlag für alle Hersteller sein.“

Mike Omotoso sieht den Knackpunkt, um die Zuneigung der Verbraucher zu gewinnen, darin, ob die versprochenen Reichweiten wirklich gehalten werden können und ob die Lithium-Ionen-Batterien an Bord zuverlässig und sicher sind. Wenn die Verbraucher von Sicherheitsproblemen verunsichert werden, könnten sie herkömmlichen Hybrid-Autos wie dem Toyota Prius den Vorzug geben, warnt Omotoso. Erst recht, da diese billiger sind. „Sollte der Fisker Karma irgendein nicht unerhebliches Problem haben, könnte das den gesamten Plug-in-Hybrid-Markt schon im Keim ersticken.“ (nbo)