Der Flug zum Mond – Die Faszination hält an
Der Astronaut Thomas Reiter beschreibt, was die Mondlandung von Neil Armstrong und Edwin Aldrin vor 40 Jahren für ihn bedeutet.
- Thomas Reiter
in Blick zurück zum Beginn der sechziger Jahre: In der Zeit des Rechenstabes, der Telefone mit Wählscheibe und zimmergroßer Rechenmaschinen beginnt der Mensch seinen Flug zum Mond zu planen. Realutopie oder grenzenlose Hybris? Selbst nach Amerika wären wir seinerzeit nur mit Linienschiffen oder viermotorigen Propellerflugzeugen gekommen. Doch in jener von Elektromechanik und einfachster Röhrentechnik geprägten Zeit – ich war gerade mal zwei – verspricht der amerikanische Präsident seiner Nation, in weniger als neun Jahren einen Menschen sicher zum Mond zu bringen. Die Reise zum Mond – eine Sehnsucht, wie sie den Menschen seit Urzeiten bewegt, wenn er zum Himmel schaut.
Als der russische Kosmonaut Juri Gagarin 1961 mit 90 Minuten den „Langzeitrekord“ im All aufstellt und der US-Amerikaner Alan Shepard einen 15-minütigen suborbitalen Flug absolviert, beginnt das Rennen der Weltmächte um die Präsenz auf dem Mond.
Am 21. Juli 1969 ist es so weit: Neil Armstrong und Edwin Aldrin betreten als erste Menschen den Mond. Ich bin elf. Bei Nachbarn darf ich die Berichterstattung am Farbfernseher (!) bis zum frühen Morgen verfolgen. Fasziniert und begeistert von der Vorstellung, vielleicht irgendwann einmal selbst mit eigenen Füßen auf der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers zu stehen.
40 Jahre später, 2009. Der Communicator von Captain Kirk ist Realität geworden – das Handy. Das größte Passagierflugzeug der Welt, der Airbus A380, befördert Menschenmassen von Kontinent zu Kontinent, und Navigationssysteme bringen ihre Nutzer an jeden Ort unseres Planeten. Wollten wir heute der Vision Kennedys etwas Gleiches entgegenhalten, so müssten wir den Flug an die Grenze unseres Sonnensystems planen.
40 Jahre, ein Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte. Aber eine Zeitspanne, die auch von den gesellschaftlichen und technologischen Nachwirkungen des Mondfluges bestimmt wurde. Welchen Einfluss die Apollo-Missionen auf das kollektive Bewusstsein der Menschheit haben ... (kd)