Abschied von langen Listen mit Suchergebnissen
Leistungsfähige Such-Algorithmen sind die eine Sache, wie man die Ergebnisse leicht erfassbar präsentiert, die andere - und hier gibt es Fortschritte
- Erik Sherman
Sie suchen eine Empfehlung für ein Buch, eine CD oder einen Film? Wer zum Beispiel bei Gnooks.com den Namen eines Autors eingibt, erhält sogleich weitere, passende Schriftsteller angezeigt. Der Unterschied zu anderen Seiten: Die Schriftsteller erscheinen nicht als scrollbare Liste. Statt dessen erscheint der eingegebene Autor in der Mitte des Browser-Fensters; ringsherum sind die anderen Vorschläge angeordnet und sie bewegen sich hin und her, als wollten sie sich gegenseitig verdrängen.
So sieht Suchmaschinen-Visualisierung aus. Je näher ein Eintrag dem Mittelpunkt des Bildschirms kommt, umso eher könnte er dem Benutzer gefallen, so meint jedenfalls das System. Gnooks und andere Anbieter nutzen Datenvisualisierung und relationale Analysemethoden, um dem Nutzer eine andere Ansicht von dem zu vermitteln, was im Web steckt. Suchergebnisse sind keine langen Linklisten mehr, sondern ein Beziehungsgeflecht, das zeigt, wie Informationen miteinander zusammenhängen. Das Schwierige daran bleibt allerdings, die Informationen so zu präsentieren, dass man kein Diplom dafür braucht, um das User-Interface zu verstehen.
Visualisierungsansätze gibt es im Web schon seit längerem. Manche Angebote erlauben den Nutzern, auf ein bestimmtes Gebiet in einer Karte zu klicken und dann eine Liste aller dort gelegenen Vertreter oder Standorte eines Unternehmens zu erhalten. Die jüngsten Ansätze machen es nun aber auch möglich, Beziehungsmuster anzuzeigen. Gnooks-Schöpfer Marek Gibney aus Hamburg hat sein System als Hobby gestartet - er nutzte Künstliche Intelligenz, um Musikempfehlungen zu geben. Inzwischen gibt es neben Gnooks auch Gnoovies für Filme und Gnoosic für Musik. All das ist über die Zentralsite Gnod.net zu finden, was für "Global Network of Dreams" steht. Alle Werkzeuge nutzen den gleichen Ansatz. "Wenn 90 Prozent aller Leser von Douglas Hofstadter auch Stephen Hawking mögen, liegt der Abstand der beiden Autoren in der Hofstadter-Hawking-Dimension beispielsweise bei 0,1", sagt Gibney.
Alle Beziehungsdaten hat er von den Benutzern der Seite, die ihre Vorlieben und Abneigungen angeben. Man nennt drei Lieblingsautoren, Filme oder Künstler. Dann zeigt Gnod eine Anzahl von Wahlmöglichkeiten und fragt den Nutzer, ob er sie mag oder nicht. Je mehr Nutzer ihre Vorlieben nennen, umso mehr Daten hat Gnod und kann die Vorschläge verfeinern. Diese Art der Datenerfassung ist nicht besonders neu. Größter Unterschied zu älteren Systemen ist die visuelle Präsentation der Daten. Die Abstands-Metapher zeigt, wie eng verbunden zwei Autoren in ihrer Popularität sind. Grafisch werden so multidimensionale Beziehungen in zwei Dimensionen dargestellt.
Bildliche Darstellungen machen Suchmaschinen leistungsfähiger, weil die Nutzer sie anders wahrnehmen, meint Phil H. Goddard, Direktor bei der Beratungsfirma Human Factors International in Iowa. "Die Menschen nehmen alles räumlich wahr." Tabellen sind leichter zu lesen als unformatierte Listen. Grafische Frontends für Suchmaschinen könnten Informationen so organisieren, dass sie von den Nutzern leichter aufgenommen und schneller verstanden werden. Solche Techniken machen es laut Goddard möglich, den bekannten Effekt zu nutzen, dass der Mensch in Mustern sieht, lernt und versteht - schneller als mit reinem Text.
Allerdings ist es nicht leicht, die richtige grafische Form dafür zu finden. Ändern sich Zielgruppe oder Fragestellung, muss sich auch die visuelle Darstellung verändern. Endeca, ein Unternehmen aus Cambridge, das auf Navigationstechnologien spezialisiert ist, hat eine Demo-Suchmaschinen aufgebaut, die Nicht-Fachleuten helfen soll, den richtigen Wein zu finden.