Ein Lebensmittelgesetz für böse Software?

Hersteller von Nahrungsmitteln und Medikamenten müssen genau Auskunft über ihre Produkte geben - warum nicht auch Software-Anbieter?

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Von
  • Simson Garfinkel
Inhaltsverzeichnis

Spyware ist die Geißel der PC-Benutzer. Natürlich verursachen auch Viren und Würmer Jahr für Jahr hohe Schäden. Aber Spyware - also diese kleinen Programme, die aufzeichnen, was wir am Rechner oder im Internet tun - sind eine üble Kombination aus Geschäftemacherei und Betrug - und eine unethische obendrein.

Würmer und Viren wollten nie etwas Gutes, sie werden von ihren Autoren geschrieben und verbreitet, um Chaos zu verursachen. Die meiste Spyware kommt hingegen von angeblich gesetzestreuen Firmen. Sie wenden jeden Trick an, um uns dazu zu bringen, ihre Programme zu installieren. Andere Spyware-Programme sind explizit für den Zweck programmiert, dem Ehemann oder der Ehefrau, den Kindern oder den Angestellten hinterher zu spionieren. Computer verlieren dank solcher Tools ihre Vertrauenswürdigkeit.

Bis jetzt wurde die Spyware-Plage mit technischen Mitteln bekämpft. Programme wie "Ad-Aware" suchen den Rechner nach bekannter Spyware ab, entsorgen Cookies und andere Dateien, die unsere Privatsphäre kompromittieren könnten. Einmal erkannt, wird Spyware samt der verräterischen Dateien auf dem Rechner in Quarantäne genommen oder gleich ganz gelöscht. Firewall-Programme wie ZoneAlarm nutzen einen anderen Ansatz: Sie stoppen Spyware nicht bei ihrer Datensammelei, sondern verhindern, dass die persönlichen Daten ins Internet übertragen werden.

Meiner Meinung nach gibt es aber noch einen weiteren Weg, Spyware zu bekämpfen: Ein Ansatz, der funktionieren kann, weil die Spyware von angeblich ehrenwerten Unternehmen kommt. Die US-Regierung sollte ein Gesetz erlassen, dass Software, die in Amerika angeboten wird, zum Aufdruck eines Warnlabels zwingt, dass die "Inhaltsstoffe", also die für den Nutzer relevanten Funktionen, angibt. Ein solches Gesetz wäre genauso verbraucherfreundlich wie der "Pure Food and Drug Act" aus dem Jahre 1906, der noch heute dafür verantwortlich ist, dass wir wissen, was in unseren Nahrungsmitteln und Medikamenten enthalten ist.

Ein Zwangsetikett auf Software ist deshalb eine gute Idee, weil das Hauptproblem von Spyware nicht ihre Datensammelwut ist, sondern der Betrug, also die Nichtangabe des eigentlichen Zwecks der Programme. Tatsächlich enthalten auch Nicht-Spyware-Programme ähnliche Funktionen. So schickt Googles "Toolbar" für den Browser Internet Explorer alle besuchten Seiten an Google, um den so genannte "Page Rank" zu ermitteln. Aber Google gibt Nutzern eine Chance, die Funktion abzuschalten - die Software sagt, was sie tut. "Bitte lesen Sie dies sorgfältig durch", heißt es bei der Installation, "das hier ist nicht das übliche Blabla."

Spyware hingegen versucht, ihren eigentlichen Zweck zu verbergen. Ein bestimmtes Spyware-Programm behauptet zum Beispiel, die Computerzeit automatisch mit einer Atomuhr abzugleichen. Eine andere liefert örtliche Wettervorhersagen. Beide Programme zeigen aber eigentlich Pop-up-Werbung, wenn man auf bestimmte Websites geht (Einige Hersteller meinen, Programme, die nur Werbung anzeigen, seien gar keine Spyware, sondern so genannte "Adware", also Werbeprogramme. Die meisten User machen da aber keinen Unterschied).