Energiesparen gegen das Klima-Problem

Mit dem Erstarken von China und Indien dürften sich die CO2-Emissionen drastisch erhöhen. Ein Ausweg: Wirtschaftliche Anreize statt internationaler Abkommen

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Lesezeit: 9 Min.
Von
  • Richard A. Muller
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Wer in kälteren Klimazonen lebt, hat nichts gegen ein bisschen Wärme. Wenn Kanadier scherzen, sie hätten gerne mehr globale Erwärmung, dann ist das vielleicht nur teilweise als Witz gemeint. In Alaska kann man über so etwas hingegen gar nicht lachen. Für die Bewohner dieses US-Staates bedeutet bereits ein kleiner Anstieg der Durchschnittstemperatur eine Katastrophe. Das liegt daran, dass Alaska derzeit wegschmilzt -- was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Ein großer Teil Alaskas steht auf gefrorenem Permafrost-Boden, der entstanden ist, weil dort die Temperatur im Jahresdurchschnitt unter dem Gefrierpunkt liegt. Das allerdings nur geringfügig, und das bedeutet, dass sich schon eine leichte Erwärmung massiv auswirkt. Deshalb beschäftigen sich viele Bürger Alaskas und viele Wissenschaftler und Umweltschützer mit Strategien, wie die globale Erwärmung gestoppt werden könnte. Ergebnis: Selbst wenn Amerika die globalen Verträge zum Klimaschutz unterzeichnet, reicht das womöglich nicht.

Als ich im letzten Sommer auf Alaskas Highway Nummer 4 unterwegs war, bemerkte ich die vielen Schlaglöcher, die durch das Abfließen teilweise geschmolzenen Permafrostes entstehen. Ich fühlte mich wie bei einer Bergfahrt, obwohl ich im Flachland unterwegs war. Jahr für Jahr werden in Alaska im Sommer teure Straßenreparaturen fällig. Am Straßenrand sieht man "ersoffene" Bäume, wie sie die örtlichen Bewohner nennen. Das sind Pflanzen, die umgekippt sind, weil ihre Wurzeln im weichen Boden keinen Halt mehr finden. Es gibt auch "ersoffene" Häuser und eingesunkene Wiesen, die drei Meter tiefer liegen als der sie umgebende Wald. Das passiert, wenn Bäume gefällt werden und nur ein kleines bisschen Extra-Sonne den Boden erreicht.

Das Ökosystem fängt an zu schmelzen, wenn rund 0 Grad Celsius erreicht sind. Warmes Wetter führte in den Neunzigerjahren zu einer starken Vermehrung des Borkenkäfers in Alaska, vier Millionen Morgen Fichtenwald wurden so vernichtet. Das war die schlimmste durch Insekten verursachte Baum-Epidemie, die jemals in Nordamerika beobachtet wurde. Viele glauben, dass der Mensch für die globale Erwärmung verantwortlich ist. Der Zustand in Alaska gilt als erstes Alarmsignal.

Die Luft, die wir atmen, besteht nur zu geringen Teilen aus Kohlendioxid. Dennoch ist es die Primärenergiequelle für Pflanzen, also für unser Essen. Aber Kohlendioxid ist auch einer unserer gefährlichsten Gegner. Weil es Infrarotstrahlung absorbiert, die sonst ins All entweichen würde, trägt ein Überangebot des Gases zum natürlichen Treibhauseffekt der Atmosphäre bei. Seit den ersten Messungen 1958 stieg das Kohlendioxid in der Atmosphäre um 20 Prozent an - durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und das Niederbrennen des Regenwaldes. Seit Beginn der Industriellen Revolution nahm es um bis zu 35 Prozent zu. Die Vereinigten Staaten sind mit ihren 4,6 Prozent der Weltbevölkerung für volle 40 Prozent der Abgase aus fossiler Verbrennung verantwortlich. Das liegt an der starken Wirtschaft und Produktivität des Landes, aber auch an großer Ineffizienz der Energienutzung, die mit den niedrigen Ölpreisen zu tun hat.

Ist das Kohlendioxid schuld daran, dass Alaska schmilzt? Die wissenschaftliche Diskussion zum Thema wird intensiv und aggressiv geführt. Gibt es die globale Erwärmung überhaupt? Sind die Menschen verantwortlich? Die einen sagen "Ja - und wenn Ihr das nicht glaubt, ignoriert ihr wissenschaftliche Erkenntnisse", die anderen meinen, es sei nichts bewiesen und wollen keinesfalls voreilig handeln, weil das "die Wirtschaft umbringt".

Ein Symbol in diesem Konflikt heißt "Kyoto" oder auch "Kyoto Protokoll". Es soll den Vertrag der Konvention der Vereinten Nationen zum Klimawandel ergänzen. Das Protokoll wurde im japanischen Kyoto verhandelt und vom US-Vizepräsidenten Al Gore 1998 auch unterschrieben. Eine Ratifizierung des Abkommens durch den US-Senat würde die Vereinigten Staaten dazu verpflichten, die Kohlendioxid-Emissionen sieben Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen. Weil die Emissionen seither weiter angestiegen sind, wäre sogar eine Reduzierung um 16 Prozent nötig.

Doch der Vertrag wird vom Senat wohl nicht ratifiziert, sollte die Bevölkerung die Gefahr des Klimawandels nicht bald ernster nehmen. Präsident Clinton hat Kyoto niemals dem Senat vorgelegt, weil es nicht ratifiziert worden wäre. Auch Präsident Bush ist gegen Kyoto. Und wenn John Kerry Präsident wird, wird er den Vertrag wohl ebenfalls nicht an den Senat schicken, weil er die Abstimmung nur verlieren kann.