Menschliche Roboter

Mädchen oder Junge –- werden wir uns diese Frage zukünftig beim Roboterkauf stellen?

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Simson Garfinkel
Inhaltsverzeichnis

Ist Roomba eigentlich ein Junge oder ein Mädchen? Damit meine ich diesen cleveren kleinen Reinigungsroboter, den ich vor zwei Jahren für Technology Review testen durfte. Ich habe ihn inzwischen gekauft. Seitdem staubsaugt er mein Wohn- und Esszimmer etwa einmal die Woche. Außerdem erschreckt er meine Katzen und meine dreijährigen Zwillingen. Schön und gut -- aber was ist denn nun Roombas Geschlecht?

Meine Frau meint, der Roboter sei ein Mädchen. Ihre Begründung: "Er ist rund, er ist klein und sein Name endet auf den Buchstaben A."

Wenn Roomba ein Mädchen ist, dann ist Asimo ganz bestimmt ein Junge. Der von Honda Motor entwickelte humanoide Roboter kann herumlaufen und sieht aus wie ein kleiner Astronaut im Raumanzug. Asimo ist 1,20 Meter groß und das jüngste Mitglied in einer Modellreihe zweifüßiger Roboter, die von der Firma herstellt werden. Asimo arbeitet in Wissenschaftsmuseen, auf Automessen und an anderen Orten. Letzten Monat wurde er sogar in Hanoi in Vietnam gesichtet.

Asimo sieht nicht unbedingt wie ein Junge aus -- er trägt keine Schleuder in der Hosentasche und besitzt auch nichts, was auf ein männliches Geschlechtsteil hinweisen würde. Bart trägt er auch nicht. Man kann noch nicht einmal sein Gesicht sehen: Der Kopf des Roboters wird von einem Blendschutz verdeckt, in dem zwei große Löcher für seine Video-Augen sitzen. Auf Hondas Website wird Asimo trotzdem ständig als ein "Er" bezeichnet.

Honda hat sich bemüht, den zweifüßigen Roboter möglichst lebensecht zu gestalten. Dieser Realismus ist auch der Grund, warum er einen freundlichen Namen trägt und nicht einfach nur wie die vorherige Generation "P3" heißt. Die ersten Geh-Roboter von Honda bestanden nur aus zwei Beinen und Füßen mit einer großen Box darüber. In den letzten Jahren wurden Hondas Roboter aber immer menschlicher -- und männlicher.

Ob man mechanischen Wesen ein Geschlecht zuspricht, hat viel mit der persönlichen Vorstellung davon zu tun, ob und wie sich diese Geschöpfe in unsere Zukunft einfügen werden. Es ist sicherlich schwerer, einen Roboter mit Geschlecht zu bauen als ohne. Aber die Ingenieure wollen auch ihren Spaß haben. Bei der Konstruktion von männlichen oder weiblichen Robotern können sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Außerdem steht ein Roboter mit Geschlecht seinem menschlichen Besitzer viel näher. Wir versuchen ständig, Gefühle, Wünsche und andere menschliche Eigenschaften auf Maschinen zu projizieren. Computer kennen die Gefühle, die wir ihnen zuschreiben, natürlich nicht. Wir sagen vielleicht, dass der PC unsere Datei "gefressen" hat, weil er einen "schlechten Tag" hatte. Eine bessere Erklärung fällt uns für das, was in seinem Mikroprozessor (seinem "Gehirn") abläuft, nicht ein. Natürlich gab es Versuche, Maschinen das Fühlen beizubringen, aber das wirkte immer artifiziell. Den meisten Leuten ist klar, dass im Inneren eines Computers nichts anderes abläuft, als das kalte Berechnen von Nullen und Einsen.

Trotzdem, wenn man eine bessere Schnittstelle zwischen Menschen und Computern schaffen will, könnte sich die Entwicklung von Maschinen mit scheinbar emotionalen Reaktionen durchaus lohnen. Menschen reagieren automatisch auf Gefühle und finden es daher einfacher, mit solchen Geräten zu arbeiten. Besonders dann, wenn sie uns im Alltag umgeben und nicht nur in einer Fabrik oder als Drohne auf dem Mars arbeiten.