"Weniger tödliche" Waffen für den Irak

Waffen, die nicht töten, klingen nach einer guten Idee. Aber tatsächlich bringen sie eine Reihe neuer Probleme mit sich.

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Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Richard A. Muller
Inhaltsverzeichnis

Der Titelheld in "Lone Ranger", einer bekannten US-Action-Serie, hat niemals auch nur einen Bösewicht getötet. 22 Jahre lang kämpfte er in Radio und Fernsehen für die Gerechtigkeit - und zielte immer direkt auf die Waffe seines gesetzlosen Gegners, die dieser dann fallen lassen musste. So überwältigte der "Lone Ranger" nicht nur seine Feinde, sondern gewann auch die Herzen von Millionen von Kindern - meines natürlich auch.

Eine ähnliche Technik bräuchten die USA auch im Irak. Man schaue sich nur die Probleme in Fallujah und Najef an, wo die Koalitionstruppen trotz ihrer Kampfeskraft tatsächlich machtlos sind. Sie können zwar ganze Städte in Schutt und Asche legen, aber nicht die Unterstützung der Bevölkerung gewinnen. Die fantastische Technik des Lone Rangers beherrschen die Soldaten nicht. Aber es gäbe da eine Alternative: "Less Lethal Weapons", kurz LLWs - Waffen, die laut Definition "weniger tödlich" sind. Die Debatte über diese Waffen ist inzwischen voll entbrannt. Ihre Gegner meinen, dass sie sogar zu mehr Gewalt führen. Ich glaube trotzdem, dass sie kommen werden - sie sind einfach zu praktisch.

Die relative Machtlosigkeit eines großen Militärapparates ist kein neues Problem. Man kennt es aus dem Bereich der Atomwaffen. Die sind derart tödlich und zerstörerisch, dass die USA sie seit 54 Jahren nicht mehr eingesetzt haben. Als Alternative wurden daher die konventionellen Waffen "smart". Aber sogar die sind in einem Nachkriegskonflikt noch zu wirkungsvoll. In Fallujah und Najef könnten viele Zivilisten sterben. Die dortigen Zwischenfälle haben mehr mit Polizeiarbeit und der Kontrolle von Unruhen zu tun als mit echtem Krieg.

Soldaten sind keine guten Polizisten. Sie sind auf die Extremumgebung eines Krieges trainiert, in dem sie schnell und effizient töten müssen, um nicht selbst getötet zu werden. Polizisten haben ein anderes Training hinter sich. Sie sind am effektivsten, wenn sie in der Gegend leben, in der sie auch auf Streife gehen und dort die Leute kennen. Sie schießen selten, nutzen statt dessen ihre Autorität - und Überzeugungskraft. Sollte dies nicht ausreichen, haben sie eine Auswahl an nicht tödlichen Waffen, die sie nutzen können. Viele davon sind bekannt: Tränengas, Pfefferspray, Gummigeschosse und Elektroschock-Gewehre, so genannte Taser. In jüngster Zeit werden diese Waffen durch noch intelligentere Systeme ergänzt. So genannte "Fire Pellets" arbeiten wie Farbpatronen, enthalten aber Pfefferspray. "Stinger"-Granaten explodieren mit Gummigeschossen und Pfeffergas, außerdem blenden sie mit einem Lichtblitz und sind extrem laut. Pistolen, die Holzgeschosse verschießen, reißen oft schwerwiegende Wunden, sind aber normalerweise nicht tödlich.

Das Kampfpotenzial von LLWs wächst auch im militärischen Bereich. Ein Beispiel dafür stammt aus dem vergangenen Jahr. Eine große Gruppe irakischer Zivilisten, über 1000 Personen, plünderte die Rasheed-Militärbasis der Republikanischen Garden. Die US-Soldaten waren hilflos: Ihre tödlichen Waffen durften sie nicht gegen die Plünderer richten. Acht Soldaten, die zuvor bei der Polizei von Los Angeles in der so genannten Riot Control trainiert worden waren, lösten das Problem dann innerhalb von zehn Minuten. Ihre Waffen waren unter anderem Gummigeschosse, Stinger-Granaten und eine Lautsprecheranlage - mit einem arabischen Sprecher.