Volle Kontrolle im Hightech-Operationssaal
Roboter, Röntgensystem, sprachgesteuerte Kameras -- in einem Krankenhaus in Portland ist die neueste Medizintechnik für unterschiedlichste Behandlungen verbaut
- David Wolman
Zu Hause mag es schön sein, wenn man für die verschiedensten Gelegenheiten verschiedene Räume hat - im Krankenhaus stört das eher und macht die Versorgung der Patienten gar ineffizienter. Im Providence St. Vincent Medical Center (kurz: PSV) in Portland, Oregon, hat man Herz-, Brust- und Unterleibs-Chirurgie nun in einem einzigen High-Tech-Operationssaal mit Digitaltechnik untergebracht. Er kostete 3,5 Millionen Dollar und ist halb so groß wie ein normaler Operationssaal. Da man dort viele verschiedene Eingriffe hintereinander vornehmen kann, senkt das auch die Krankenhauskosten.
Mehr und mehr US-Krankenhäuser besitzen neuartige Systeme wie Da Vinci, eine Roboter-Chirurgie-Einheit der Firma Intuitive Surgical. Am PSV ist diese Millionen Dollar teure Komponente aber nur ein Gerät von vielen High-Tech-Werkzeugen. So gibt es dort beispielsweise sprachgesteuerte Kameras, die in das Kreislaufsystem schauen können, oder hoch auflösende Fernsehsysteme für die Video-Endoskopie, bei denen dem Chirurgen nicht weniger als vier Bildschirme zur Verfügung stehen.
An der Decke des Saals hängt eine Anlage für die Röntgendarstellung von Gefäßen, die aussieht wie ein riesiges Hörgerät. Röntgen-3D-Bilder des Herzens lassen sich für die Einführung von Gefäßprothesen, bei der Stärkung von Arterien oder bei Roboter-unterstützter Chirurgie aufrufen. So sieht der Arzt die Qualität seiner Arbeit sofort, ohne dass der unter Narkose stehende Patient in einen anderen Raum gebracht werden oder gar auf ein freies Röntgengerät warten müsste. Radiologen schauen zwar schon länger auf diese Art in die Gefäße. Das Neue an der Anlage am PSV ist aber, dass "die Chirurgen diese Technik in den Operationssaal holen", wie Wright Pinson, Chefmediziner am Krankenhaus der Vanderbilt University, sagt.
Krankenhäuser, die heute Patienten zwischen Operationssaal, Katheter-Labor und Endoskopie-Einrichtungen hin- und herschicken, könnten das PSV-Modell als Vorbild nehmen. Der verwendete Tisch kann beispielsweise für Operationen eingestellt werden - oder für bildgebende Verfahren, bei denen der Patient von mehreren Seiten aufgenommen wird. Das klingt vielleicht nach einer nur kleinen Innovation, aber ohne den Tisch mit seiner doppelten Einsetzbarkeit wäre es nicht möglich, all diese Verfahren an einem Ort durchzuführen.
Steven Palter, Dozent an der Yale School of Medicine erklärt am Beispiel neuartiger Endoskopie-Einrichtungen, wie wichtig es ist, alle Kontrollgeräte an einer Stelle zu bündeln: "Der Chirurg kann jeden Aspekt des Operationssaals bedienen. Es besteht eine Schnittstelle zum Krankenhaus und zum Büro des Hausarztes." Integrierte Geräte enthalten alles, was man sich vorstellen kann: Die Steuerung des Lichts, der Kameras, der Fotodrucker bis hin zu Videokonferenz- und Patientendatenbank-Technik oder der Kontrolle über Absauggeräte. Das Ziel hinter all diesen Systemen laut Palter: Der Eingriff soll schneller und ergonomischer erfolgen, Krankenschwestern können sich um andere Dinge kümmern. Am PSV sind nicht nur die Endoskopie-Geräte integriert, sondern auch Gefäßröntgen-Aufnahmen und normale chirurgische Eingriffe möglich.
Michael Savitt, Herzchirurg und Ingenieur, zeigt sich über die Anlage begeistert, als er sie einer kleinen Gruppe von Spendern im PSV-Krankenhaus vorführt -- sie könne als gewöhnlicher Operationssaal dienen, biete aber auch High-Tech und Robotertechnik. Die spinnenartigen Da-Vinci-Roboterarme können Wunden nähen, und zwar ganz sanft. Sie wären sogar dafür geeignet, Fliegenköder zum Angeln zusammenzubinden, meint ein anderer Chirurg.
Früher bauten Krankenhäuser Räume komplett neu oder um, um neue Technologien in den Operationssaal zu holen. Savitt, der Architekt hinter der PSV-Anlage, hat die Konfiguration aber so angelegt, dass sie sich für verschiedenste chirurgische Eingriffe eignet und nicht von einer einzelnen Technologie abhängt, die in fünf oder 25 Jahren veraltet ist.
Jede einzelne der Technologien, in die am PSV investiert wurde, entspricht einer einzelnen großen Anschaffung in anderen Krankenhäusern. Savitt hat es aber geschafft, viele davon in einen Saal zu holen, in dem dann alle Eingriffe ablaufen - auch in Kombinationen, die früher über das ganze Haus verteilt werden mussten. Die Energie, die beim Hin und Her der Patienten verloren ging, kann nun in ihre Heilung fließen.
Von David Wolman; Ăśbersetzung: Ben Schwan. (sma)