Standard-Streit bremst neue Funk-Technologie

Mit Ultrawideband können Daten weitaus effizienter als mit herkömmlichem Funk übertragen werden. Doch noch gibt es damit eine Reihe von Problemen.

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Von
  • Eric S. Brown
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Die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) hat im vergangenen Monat die ersten Chipsätze für die neue Ultrawideband-Technik lizenziert - ein Schritt, der zu großen Veränderungen im Bereich drahtloser Vernetzungstechnologien führen könnte. Ultrawideband-Funk, kurz UWB genannt, wurde ursprünglich beim US-Militär eingesetzt und kann große Datenmengen schnell über kurze Distanzen verschicken. So ließen sich auch etwa Filme drahtlos von einem digitalen Camcorder auf einen Desktop-PC überspielen oder digitale TV-Settopboxen drahtlos mit tragbaren Flachbildschirmen verbinden, die im ganzen Haus verteilt sind. Die Geschwindigkeit läge dabei beim fünf bis zehnfachen von dem, was heute über die populäre WLAN-Technik möglich ist.

Problematisch ist allerdings, dass die FCC-Lizenz, die an das Motorola-Spinoff Freescale Semiconductor ging, nur eines von zwei rivalisierenden Formaten abdeckt, die zum tatsächlichen UWB-Standard werden könnten.

Kriege um Standards sind bei Drahtlos-Technologien nichts Ungewöhnliches, aber der Streit der zwei UWB-Technologien wird sowohl außergewöhnlich heftig als auch bereits sehr lange geführt. Doch je länger man mit UWB nicht aus den Startlöchern kommt, umso wahrscheinlicher wird es, dass die Technik von einer neuen Version des WLAN-Standards ausgebremst wird.

Schon nächste Woche wird sich das bedeutende Standardisierungsgremium IEEE (das Institute of Electrical and Electronic Engineers) in Berlin treffen, um über verschiedene Vorschläge für einen neuen WLAN-Standard zu beraten. 802.11n genannt (aktuell sind 802.11b und 802.11g), soll er zwar weniger stromsparend und insgesamt störanfälliger sein als UWB, aber über längere Distanzen funken - bis zu 90 Meter statt der 10 bis 20 Meter bei UWB.

802.11n soll außerdem zu den aktuellen WLAN-Standards kompatibel sein, die sich in den letzten Jahren rasant verbreitet haben. Die WLAN-Technik setzte sich nicht nur in Unternehmen, bei Heimanwendern und öffentlichen Hotspots durch, sondern greift inzwischen auch auf Handys und Voice-over-IP-Telefone über. Ein verzögerter oder gespaltener UWB-Standard könnte daher auch bedeuten, dass sich WLAN bei der Vernetzung von Unterhaltungselektronik durchsetzt. UWB bliebe dann letztlich nur noch der Kampf mit Bluetooth und anderen Technologien um den wichtigen, aber weniger bedeutsamen Sektor als Kabelersatz über extrem kurze Entfernungen. Diesen Kampf dürfte UWB gewinnen - und wir alle wären wohl froh, wenn überhaupt irgendein Standard endlich gewinnt. Aber das größere Potenzial für UWB im Bereich der Multimedia-Vernetzung zuhause oder im Büro könnte ungenutzt bleiben.

Selbst wenn Ultrawideband an Boden gegenüber WLAN verliert, besitzt die Technik derart viele Vorteile, dass sie kaum verschwinden dürfte. Im Gegensatz zu schmalbandigen Drahtlos-Technologien wie WLAN, die ihre Signale auf einem definierten Frequenzband versenden, verteilt UWB seine Übertragungen über ein mehrere Gigahertz breites Band und sendet jeweils nur kurze Pulse. Das Breitband-Potenzial der UWB-Technik liegt in diesem intelligenten Übertragungsschema; die Sendetechnik selbst ist eher trivial. Die UWB-Sender können deshalb sehr einfache Geräte sein, die wenig Strom verbrauchen. Außerdem ist UWB zumindest theoretisch weniger anfällig gegen Störungen und bietet inhärent sicherere Übertragungen, die kaum zu blockieren sind. Anders als bei WLAN lassen sich mehrere unabhängige UWB-Netzwerke im gleichen Haushalt verteilen - die Vernetzung der PC-Peripherie zum Beispiel würde nicht die Verbindung von der Settopbox zum Fernseher stören.

Außerdem bietet die UWB noch ein wichtiges Extra: Man kann den Ort des Senders sehr präzise bestimmen, teilweise sogar zentimetergenau. Dadurch ergeben sich zahlreiche neue Anwendungsfelder, für die sich WLAN weniger eignet. So könnte ein tragbares Gerät zur Herz-Überwachung mit einem UWB-Sender nicht nur im Notfall das Krankenhaus-Personal alarmieren, sondern auch den genauen Aufenthaltsort des Patienten übermitteln. Ein anderer Ansatz wären intelligente Autobahnen, die in regelmäßigen Abständen mit UWB-Transmittern ausgerüstet sind und mit Autos kommunizieren, so dass dise einem festen Abstand einhalten.