Gedächtnis aus Plastik
Laserstrahlen schreiben Bits in mehreren Schichten auf eine Plastikfolie, die dem guten alten Klebeband ähnelt. Datenspeicher nach diesem Prinzip sind billig und weitaus haltbarer als die meisten anderen
- Max Rauner
Zuerst dachten viele an einen Witz: Mannheimer Forscher speichern Daten auf einem Tesafilm, lautete im April 1998 eine Meldung, die es bis zu Gabi Bauer in die "Tagesthemen" schaffte.
Doch es war kein Scherz. Der Erfinder Steffen Noethe hat den Speichereffekt gemeinsam mit seinem Diplomanden Matthias Gerspach an der Universität Mannheim entdeckt. Noethe leitet heute mit einem Partner das Unternehmen Tesa-Scribos in Heidelberg. Tesa-Scribos gehört heute zu 75 Prozent zu Tesa, einer Tochter der Beiersdorf AG, und zu 25 Prozent den Erfindern. Allerdings war der Klebekonzern nicht von Anfang an überzeugt: Erst nachdem Tesa-Chef Dieter Steinmeyer von der Tesa-ROM im Radio gehört hatte, meldete sich der Vorstand persönlich.
Zurzeit laufen die letzten Arbeiten an einem Testlaufwerk, das drei Gigabyte von einem halben Meter Tesafilm (beziehungsweise einer ähnlichen Folie) auslesen soll. Das sind fünfmal mehr Daten, als auf eine CD, und etwas weniger, als auf eine DVD passen. Der Clou besteht darin, einzelne Bits mit einem Laser in die Plastikfolie zu schreiben. Durch einen irreversiblen "thermoplastischen Effekt" verändert sich der Brechungsindex der Polymerfolie. Das Resultat sind "helle" und "dunkle" Pixel, die als digitale "0" und "1" interpretiert werden. Die Folie wird schichtweise von außen beschrieben. Beim Auslesen werden dann Pixel für Pixel abgerastert.
Das Tesafilm-Derivat eignet sich aber nicht nur als Speichermedium, sondern auch als Identifikations-Marker. Möglich wird das durch ein Hologramm, das auf eine Fläche von einem Quadratmillimeter gebrannt wird und aus 1000 mal 1000 Pixeln besteht. Zum Auslesen wird die gesamte Fläche mit einem breiten Lichtstrahl angeleuchtet, sodass die reflektierten Teilstrahlen sich zu einem Hologrammbild addieren. Neu an der Technik ist, dass jedes Hologramm auch eine eigene Seriennummer enthält. Jedes Produkt, das einen Holospot trägt, bekommt eine eigene Identität. Herkömmliche Hologramme sind alle gleich und lassen sich relativ leicht fälschen. Tesa-Scribos hofft nun auf den wachsenden Markt für Sicherheitslösungen.
(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 10/2004; das Heft mit dem vollständigen Artikel können Sie hier bestellen) (sma)