RFID-Einsatz braucht verbindliche Regeln
Die freiwilligen Regeln für den Einsatz von RFID-Identifikationschips sind verwässert worden -- das birgt die Gefahr, dass übertrieben restriktive Gesetze verabschiedet werden.
- Simson Garfinkel
Im vergangenen Monat sorgte die US-Gesundheitsbehörde für Aufregung, weil sie einen Radio Frequency Identification Device (RFID)-Chip genehmigte, der sich in den Körper implantieren lässt. Doch bei all dem Wirbel vergisst man schnell, dass der durchschnittliche Bürger solchen Chips nicht zuerst in seinem Arm, sondern eher an der Zapfsäule, am Schlüsselbund oder in großen Supermärkten begegnen wird. Während die Behörden und die Gesundheitsbranche lange über die medizinischen und ethischen Folgen gebrütet haben, die bei einer Implantierung von Chips im Menschen entstehen könnten, arbeiten andere Branchen ungerührt weiter.
RFID-Technik wird in den USA bereits breit eingesetzt. Ungefähr 40 Millionen Amerikaner tragen irgendeine Form von RFID-Gerät in ihrer Tasche - von so genannten "Proximity Cards", die zum Öffnen von Bürotüren eingesetzt werden bis hin zu so genannten "Immobilizern" (Wegfahrsperren), die in modernen Autoschlüsseln stecken. Ich selbst habe zwei: Im letzten Jahr begann das MIT damit, RFID-Chips in die ID-Karten der Uni zu integrieren; und in der schwarzen Hülle der Autoschlüssel für meinen Honda Pilot steckt ein Wegfahrsperren-Chip von Philips.
Ich bin ein großer Fan dieser beiden Chips. Ein Sensor lässt mich Türen am MIT Stata Center öffnen, indem ich einfach mit meiner Brieftasche wedele - ich muss die Karte noch nicht einmal herausnehmen. Der Wegfahrsperren-Chip arbeitet mit dem Lesegerät im Lenkrad meines Hondas zusammen - wenn der Chip nicht vorhanden ist, deaktiviert der Bordcomputer das Zündungssystem des Autos. Laut verschiedenen Studien hatten diese Chips einen großen Einfluss auf die Anzahl der Autodiebstähle in den letzten zehn Jahren.
Das große Interesse an der RFID-Technik kommt aber nicht von solchen proprietären Anwendungen, sondern von den standardisierten Electronic Product Code (EPC)-Chips, die vom AutoID-Center am MIT entwickelt wurden und nun von der Industrieorganisation EPCglobal betreut werden. EPC-Tags wurden entwickelt, um den heute verbreiteten Barcode nach dem UPC-Standard (Universal Product Code) zu ersetzen. Statt nur den Hersteller und die Art des Produktes zu identifizieren, kann der 96 Bit lange EPC jeder einzelnen Packung Rasierklingen, Backmischungen oder Schuhen eine eigene Seriennummer zuweisen. Die Tags arbeiten auf einem freien Frequenzspektrum zwischen 878 und 965 Megahertz, können aus einer Distanz von mehr als 30 Zentimeter gelesen werden - durch Papier, Stoff und bestimmte Kunststoffe hindurch. Und selbst wenn die Tags heute bis zu 25 US-Cent pro Stück kosten können, sinkt der Preis auf 10 Cent pro Stück oder weniger, wenn man sie millionenfach einkauft.
Vor zwei Jahren rief ich die RFID-Industrie dazu auf, eine Art "Bill of Rights" für Kunden zu verabschieden, in der sie sich verpflichtet, verschiedene unschöne Praktiken zu unterlassen - beispielsweise RFID-Chips ohne Information der Kunden in Kleidung und andere Produkte einzusetzen oder RFID-Lesegeräte heimlich zu verwenden. Außerdem sollten die Kunden die Möglichkeit bekommen, die Chips nach dem Kauf eines Produkts zu deaktivieren. Diese Empfehlungen finden sich in den "Richtlinien für den Einsatz von EPC bei Endkundenprodukten" wieder, die auf der Website von EPCglobal stehen. Aber diese Regeln sind im Vergleich zu meinem ursprünglichen Vorschlag stark verwässert worden.