Technik aus Textil

Schutzanzüge für die Feuerwehr halten Temperaturen von mehr als 500 Grad aus, Teppiche werden mit Chips und Arbeitskleidung mit Computern aufgerüstet - Hightech hält Einzug in die Textilindustrie

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Astrid Dähn
Inhaltsverzeichnis

Die Kunst der Kleiderherstellung gehört zu den ältesten Technologien der Menschheit. Schon Ötzi schützte sich mit Tierfellen und Geflechten aus Pflanzenfasern vor kalter Witterung. Inzwischen werden Textilien großenteils synthetisch fabriziert. Das erlaubt, den Fasern ganz neue Eigenschaften zu verleihen. So tragen Feuerwehrleute mittlerweile Schutzanzüge, die Temperaturen von mehr als 500 Grad standhalten.Auch die elektronische Aufrüstung der Fasern schreitet voran. Den ersten Teppich mit eingebauter Sensorüberwachung gibt es bereits. Langfristig will die Textilindustrie Hightech-Kleider entwickeln, in die ein kompletter Computer eingewebt ist. Gleichzeitig drängt sie auf den Baustoffmarkt. Architekten und Ingenieure tüfteln zurzeit an neuartigen, wandlungsfähigen Gewebehüllen. Ihr Ziel:Wohnhäuser aus Textilien zu errichten.

Sanft, seidig und synthetisch:

Das patentierte "3XDRY"-Verfahren der schweizerischen Schoeller Textil AG verleiht den "No-Sweat-Shirts" des amerikanischen Unternehmens Dockers ihre schweißvertreibenden Eigenschaften. Auf der Innenseite sorgt eine Wasser aufsaugende Schicht dafür, dass der Schweiß rasch aufgenommen und weitertransportiert wird. Auf der Außenseite ist das Kleidungsstück dagegen mit einer hauchdünnen wasserabstoßenden Schicht versehen. Dadurch verteilt sich die abgegebene Feuchtigkeit nach außen hin auf einer großen Fläche, verdunstet rasch und bildet keine sichtbaren Flecken.

Einen ersten Durchbruch in der Fasertechnologie erzielten drei englische Chemiker 1892 mit der Erfindung des Viskose-Verfahrens, als es ihnen gelang, Kunstseide aus Zellulose herzustellen. Noch heute werden viele Kleidungsstücke aus Viskose gefertigt. Der entscheidende Schritt aber war die Entwicklung vollsynthetischer Fasern um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Der deutsche Nobelpreisträger Hermann Staudinger wies nach, dass alle Fasern - natürliche wie künstliche - aus Polymeren bestehen müssen. Diese Erkenntnis können wir auch heute noch an den Etiketten unserer Kleider ablesen: Polyamid, Polyacryl, Polyester. Die einzelnen Bausteine werden dabei meist aus Erdöl gewonnen.

Durch eine Reihe von Innovationen ist die Chemie in der Kleidung im Ansehen gestiegen. Neben dem vielfältigen Bestreben, die Chemiefaser zu verbessern, gibt es daher auch noch einen anderen Ansatz: Man verbessert das Naturprodukt. Zugleich versucht die Textilbranche, Kleidung aus jeglichem Material mit gänzlich neuen Eigenschaften auszustatten. In Fasern eingearbeitete Silberionen sollen beispielsweise das Mikrobenwachstum hemmen und damit den Schweißgeruch lindern. Schoeller hat sich auch die "NanoSphere"-Veredelung patentieren lassen. Hierbei erhalten Textilfasern durch Nanopartikel aus modifiziertem Silizium eine Oberfläche mit winzigen Noppen, durch den Lotusblatteffekt rollen Schmutz und Wasser von den Kleidungsstücken ab.

auf der nächsten Seite: Kleidsame Elektronik