Ein Mann (und seine Freunde) gegen Hollywood

Die Filmindustrie hat es auf die Betreiber von BitTorrent-Websites abgesehen, die unerlaubten Zugriff auf ihre Werke ermöglichen. Die meisten geben klein bei - und einer kämpft

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Von
  • Eric Hellweg
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Edward Webb, der die beliebte Tauschbörsen-Website LokiTorrent betreibt, hat viele mächtige Feinde. Die Motion Picture Association of America (MPAA), der Verband der US-Filmindustrie, ist der wohl größte - sie ist derzeit dabei, Betreiber von BitTorrent-Servern zu verklagen, die Nutzern unerlaubt Zugang zu ihren Filmen verschaffen. Inspiriert wurde der Verband von der Klagewelle der Musikindustrie gegen Tauschbörsennutzer - nun sind Leute wie Webb dran.

Webb hat aber auch viele Freunde - die Community seiner Website. Mitglieder von LokiTorrent sammeln Spenden, um Webb zu verteidigen - nach einem Aufruf kamen innerhalb von 10 Tagen bereits 40.000 Dollar zusammen. Webbs Ansatz ist einzigartig: Die Mehrheit der von der MPAA bedrohten Websites haben ihren Dienst freiwillig abgeschaltet haben, der Rest versucht laut dem Hollywood-Verband nun, auĂźergerichtliche Einigungen zu erzielen.

Dean Garfield, leitender MPAA-Jurist, sagt, die MPAA-Aktion habe bereits dramatische Auswirkungen auf den "illegalen Datenverkehr" in den Tauschnetzen gehabt. Dass verklagte Parteien zumeist klein bei geben, war auch schon bei der Klagewelle des Musikindustrieverbandes RIAA so - die immensen Kosten, die ein Kampf vor Gericht gegen die Unterhaltungsindustrie mit sich gebracht hätte, halten normale Menschen davon ab, sich zu wehren. Stattdessen werden die Verfahren gegen eine Strafzahlung eingestellt.

Webb hingegen wollte sich nicht von der MPAA an die Wand drücken lassen. Aber er wusste auch, dass ihm das Geld fehlte, allein zu kämpfen - also bat er seine Community um Hilfe. "Alle, die irgendwann einmal von Tauschbörsen wie dieser profitiert haben, sollten jetzt ihre Unterstützung zeigen", er auf seiner Website. "Die Anwaltskosten können bei 30.000 Dollar im Monat liegen. Jüngsten Schätzungen zufolge wird der gesamte Streit zwei bis dreimal so viel kosten. Wer uns hilft, uns zu wehren, sorgt dafür, dass das Recht zu Tauschen nicht stirbt."

Mohamed, ein 20jähriger Loki-User aus Finnland, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte, gehört zu denjenigen, die geholfen haben. "Es ist mutig, sich einer mächtigen Elite entgegenzustellen, die von allem ihren Teil abbekommen will", so Mohamed.

Digitale Kollektive wie dieses gibt es inzwischen immer öfter - als Reaktionen auf teure Rechtsstreits der Industrie gegen Privatleute oder Technologiefirmen, die den Usern diktieren wollen, wie sie ihre Hard- und Software einsetzen dürfen. Man könnte es das "Friendster/Firefox-Phänomen" nennen - Veränderung wird dadurch erreicht, dass sich Menschen mit ähnlichen Interessen zusammentun.