Nachladen mit Nanotech

Das US-Militär will mit Hilfe von Nanometallen Sprengstroffe und Treibstoffe verbessern.

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Von
  • John Gartner
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Wenn Nanotechnologie Schlagzeilen macht, geht es für gewöhnlich um ihr Potenzial, Biowissenschaften oder Computertechnologie entscheidend voran zu bringen. Das US-Verteidigungsministerium hat ein weiteres mögliches Einsatzgebiet ausgemacht: Quasi "vor Energie strotzende Nanopulver" sollen dazu benutzt werden, um schlagkräftige und zugleich kompakte Bomben zu verwirklichen.

Mit der finanziellen Unterstützung der US-Regierung erkunden die Sandia National Laboratories, das Los Alamos National Laboratory sowie das Lawrence Livermore National Laboratory Wege, den Energiefluss innerhalb und zwischen Molekülen zu manipulieren. "Nanoenergetics", wie sich das Forschungsgebiet nennt, gestattet es, durchschlagende Waffen wie "cave-buster bombs", die sogar Höhlen "knacken", zu bauen. Ihre Detonationswucht soll diejenige konventioneller Bomben um ein Vielfaches übertreffen -- Daisy Cutter und MOAB ("Massive Ordnance Air-Blast Bomb" auch "Mother of all Bombs" genannt) eingeschlossen.

Mittlerweile können die Forscher über den Zusatz so genannter Super-Thermite die zerstörerische Kraft von Waffen deutlich steigern. Nach Steven Son, Projektleiter der Gruppe "Explosive Science and Technology" in Los Alamos, kombinieren diese Stoffe Nanopulver -- also ein extrem feines Pulver aus Metallen wie Aluminium --, das salopp auch "Nanometall" bzw. "Nanoaluminium" genannt wird, mit Metalloxiden, beispielsweise mit Eisenoxid.

"Der Vorteil von Nanometallen liegt darin, wie schnell man die Energie aus ihnen herausholt", sagt Son. Er erklärt, dass die chemischen Reaktionen mit Super-Thermiten schneller ablaufen und daher größere Energiemengen rascher freisetzen. "Super-Thermite können die (chemische) Reaktionszeit tausendfach verkürzen" -- was zu einer sehr rasch laufenden "Reaktionswelle" führt.

Son, der seit mehr als drei Jahren auf diesem Gebiet arbeitet, sagt, dass Wissenschaftler Aluminium-Nanopulver mit unterschiedlicher Partikelgröße maßschneidern können und so die Geschwindigkeit, mit der die Energie freigesetzt wird, variieren. Das eröffnet dem Material vielerlei Anwendungsmöglichkeiten, seien es Unterwasser-Sprengvorrichtungen, die Zünder für Feuerwaffen oder Raketentreibstoff.