Microsoft: Geschäft mit Viren und Würmern

Das Unternehmen selbst spielt die Bedeutung herunter, aber Software gegen Viren und Würmer dürfte für Microsoft in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Deborah Asbrand
Inhaltsverzeichnis

Die Geschäftsstrategie des Softwarekonzerns Microsoft wird seit Jahrzehnten intensiv beobachtet - und als das Unternehmen im vergangenen Monat einen kleinen Anti-Spyware-Hersteller übernahm, wurde dies gleich als erster Schritt auf den Markt für Sicherheitssoftware interpretiert. Tatsächlich brachte Microsoft am 6. Januar ein eigenes Anti-Spyware-Tool auf den Markt, und kurz darauf auch eine erste Anti-Virus-Software.

Microsoft selbst spielt die Bedeutung dieser Produkte herunter. Doch Beobachter erkennen darin die klassische Strategie des Unternehmens. Und an der Art des Vertriebes der Microsoft-Software wird sich entscheiden, ob der Gigant erneut Schwierigkeiten mit den Wettbewerbshütern des US-Justizministeriums bekommt.

Hinter Microsofts Einstieg in das derzeit boomende Geschäft mit Sicherheitssoftware steht der Ansturm an Viren und Würmern, der regelmäßig auf PCs niederprasselt. Im Dezember wurden allein 390 neue Viren verbreitet, wie aus einer Übersicht der WildList Organization International hervorgeht, die Berichte von Anti-Viren-Spezialisten auf der ganzen Welt sammelt.

Wahrscheinlich ist kein Firmenname so eng mit der Ausbreitung von Viren und Würmern verbunden wie der von Microsoft - schließlich sind die Lücken im Betriebssystem Windows und dem Browser Internet Explorer die klassischen Einfallstore für viele Datenschädlinge. Über Microsofts Einstieg in das Anti-Viren-Geschäft wird dementsprechend schon länger spekuliert - und inzwischen ist der Druck von außen außerdem so groß, das die Firma eigentlich handeln musste.

Im vergangenen Herbst hatte beispielsweise der freie Browser Firefox vom Open-Source-Projekt Mozilla ein erstaunlich erfolgreiches Debüt. Nur einem Monat nach Erscheinen wuchs sein Anteil unter US-Browser-Benutzern von 3,03 auf 4,06 Prozent. Laut dem Statistikunternehmen WebSiteStory sank der Anteil des Internet Explorers um 1,09 Prozent auf 91,8 Prozent - seit Juni 2004 ging der Anteil gar um 3,68 Prozent zurück.

Ein weiterer Punkt sind die steigenden Kosten, die Viren bei Unternehmenskunden verursachen - einem wichtigem Markt, in dem Redmond sich seit langem um höheres Ansehen und mehr Glaubwürdigkeit bemüht. In der "CSI/FBI Computer Crime and Security"-Studie, die das Computer Security Institute (CSI) zuletzt 2004 durchführte, werden Virenattacken inzwischen als größter Schadensverursacher bei Firmen genannt - schlimmer noch als der Diebstahl von Geschäftsinformationen, der die Liste fünf Jahre lang anführte.

Microsofts Einstieg in den Sicherheitssoftware-Markt ist also unvermeidlich, um zu verhindern, dass mehr User das Betriebssystem wechseln oder Firmenkunden abspringen. "Je mehr Probleme die Leute mit der Sicherheit von Windows haben, um so wahrscheinlicher wird es, dass sie auf Linux oder den Mac wechseln. Große Firmenkunden, denen Sicherheit wichtig ist, könnten außerdem bei Unix bleiben", sagt Michael Cusumano, Professor an der MIT-Business School und Autor des Buches "The Business of Software".

Gleichzeitig macht der Schritt strategisch Sinn: Anti-Viren-Schutz ist genau eine jener Massenmarkt-Anwendungen, die Microsoft gerne angeht, sagt Cusumano. Sicherheitssoftware sei eine logische Ergänzung für die Infrastruktur- und Produktivitäts-Anwendungen (Windows und Office), auf denen Microsofts Geschäft basiere.