Yahoo will mit ortsbezogener Suche glänzen
Scheinbar wird der Kampf um den Suchmaschinenmarkt nur zwischen Google und Microsoft ausgetragen. Aber da wäre noch Yahoo.
- Maya Dollarhide
Wenn die Festplatte in unserem Computer der Motor des Informationszeitalters sein soll, dann muss sie die Möglichkeit bieten, Daten schnell durchsuch- und auffindbar zu machen: Wir brauchen nicht nur für das Web hervorragende Suchmaschinen, sondern auch für unsere lokalen Datenbestände. Aber wenn es darum geht, auf dem eigenen Computer E-Mails oder den Weg zu einer Bank zu finden, sind die Leute weitgehend auf sich allein gestellt.
Das Erobern dieses noch nicht erschlossenen Marktes ist das Hauptmotiv für den laufenden Suchmaschinenkrieg zwischen Microsoft, Yahoo und Google. Jeder der drei Konkurrenten hat innerhalb kürzester Zeit eine eigene Desktop-Suche in sein Angebot aufgenommen -- nach Web-Suchen der zweite Schritt, der die Zukunft im Suchmaschinensektor bestimmen dürfte; als Nächstes dürften mobile Suchdienste kommen.
Mit seiner "Yahoo! Desktop Search" war Yahoo auf dem Desktop letzter unter den drei großen Anbietern. Doch während das Unternehmen Google und Microsoft hier die Führung überlassen musste, konzentriert es sich darauf, die Welt mit besseren mobilen Such-Technologien zu erfassen. Im vergangenen März wurde "Smart View" gestartet, ein Konkurrent zum AOL-Dienst MapQuest. Nutzer können damit Geschäftsadressen, Telefonnummern und Routenpläne finden.
Es wird fĂĽr Yahoo allerdings nicht einfach werden, MapQuest auszustechen -- der Dienst verwies schon Microsofts MapPoint-Dienst in die Schranken, der kĂĽrzlich wegen merkwĂĽrdiger Suchergebnisse in die Schlagzeilen kam.
Deshalb will Yahoo seinen "Smart View"-Dienst verbessern und mit seiner Web- und Desktop-Suche verknüpfen. Kürzlich wurde ein Echtzeit-Verkehrsdienst integriert, der Staus, Baustellen und sonstige Verkehrsbehinderungen meldet. Außerdem wurde der Kartendienst Yahoo Maps verbessert, der nun schnellere Zoom-Möglichkeiten, bessere Darstellungen und animierte Karten mit Routeninformationen enthält.
"Mobile Suchmaschinen haben das Potenzial, eine Revolution einzuleiten", sagt Howard Rheingold, Autor des Buches "Smart Mobs" und Experte für mobile Technologien. "Die Umwandlung von Sprache in Text wäre bei mobilen Geräten sehr nützlich. Der nächste Schritt könnte darin liegen, dass das Telefon weiß, wo man sich befindet und sofort die benötigten lokalen Informationen liefert. Das würde weit über eine Desktop-Suche hinausgehen."
In Zukunft könnte Yahoo also von mobilen Suchdiensten profitieren -- im Moment aber geht es im Suchmaschinenkrieg noch ausschließlich um den Desktop. Und hier holt Yahoo zurzeit auf, sagt eine Untersuchung der Marktforscher von Keynote. Unter 2000 befragten Kunden, deren Top-Suchmaschinen Google, Yahoo und MSN waren, verzeichnete Yahoo die höchste Loyalität. Der Hauptgrund dafür: die ortsbezogene Suche.
Alle drei Wettbewerber bemühen sich um dieses Geschäftsfeld, allerdings haben Google und Microsoft noch keinen rechten Einstieg gefunden. Einfachheit ist der Erfolgsfaktor für eine Suchmaschine. Yahoo und seine Konkurrenten wissen das: Die User vollen Informationen schnell und problemlos erhalten. Besonders bei Kunden, die sich nicht gut mit Computer auskennen, ist dies wichtig.
"Die Nutzer müssen heute noch wissen, wie man sucht", sagt Rheingold. "Bei Suchmaschinen muss man die Fähigkeit besitzen, die Anfrage richtig zu formulieren. Wenn man das nicht kann, nützt die Technologie einem nichts." Neue Software von Yahoo und seinen Konkurrenten könnte das ändern, indem sie das Suchen einfacher macht -- sei es mit dem Computer oder mit einem mobilen Gerät.
Von Maya Dollarhide; Ăśbersetzung: Ben Schwan. (sma)