Hergestellt in Taiwan, vergraben in China
Noch immer fließt ein großer Teil des weltweiten Elektronikschrotts über graue Kanäle in die dritte Welt.
- Aleks Krotoski
Ein alter PC steht auf dem Bürgersteig und wartet darauf, von einer örtlichen Recyclingfirma mitgenommen zu werden. Der frühere Besitzer glaubt, verantwortungsvoll mit seinem Elektronikschrott umgegangen zu sein. Allerdings wird auch dieser Rechner -- wie rund 80 Prozent aller Heimelektronik, die von US-Recyclingfirmen angenommen werden -- in einer der ärmsten Gegenden der Erde landen, wo ihn die Bevölkerung bereits erwartet. Denn der E-Müll aus der westlichen Welt gibt den Menschen dort Lohn und Brot. Doch neben dem wirtschaftlichen Segen bringen die Computer, Handys, Digicams und MP3-Spieler auch zahlreiche gefährliche Chemikalien mit sich. Wenn die Geräte zerlegt werden, kann das zu Asthma-Attacken, Atemwegsinfektionen, Lungenkrankheiten, Krebs, Blut- und Hirnerkrankungen und Leberschäden führen.
Die Entwicklungsländer sind übersäht mit elektronischem Abfall aus der ersten Welt: Die Straßen exotisch benannter Städte wie Zaizhou und Guiyu sind voll von Motherboards, Grafikkarten und Röhrenbildschirmen. Letztere werden zu Bergen aufgeschichtet und nur von Isolierkabeln, Mikrochips und Glas zusammengehalten.
1998 wurden sieben Millionen Tonnen High-Tech-Müll, auf Englisch "E-Waste" genannt, in den Vereinigten Staaten produziert. Analysten zufolge steigt diese Zahl jährlich um drei Prozent. Hohe heimische Mülldeponiekosten und die äußerst konkurrenzfähigen Preise der Entwicklungsländer machen es billiger, US-Müll ins Ausland zu schicken, anstatt ihn in Amerika zu belassen. Diese Praxis gefällt internationalen Regierungen kaum, doch die Vereinigten Staaten ignorieren ihre Direktiven.
Um um die amerikanischen Umweltauflagen herumzukommen, werden große Mengen an Recycling-Material im Inland vorgetrennt und dann über eine schwer nachverfolgbare Reihe von Käufern, Verkäufern und Vermittlern transferiert. Schließlich landen sie dann in den armen Städten Chinas, Pakistans und Indiens, wo billige Arbeitskräfte es ermöglichen, auch noch die letzte Schraube verwerten und zurück an die Hersteller verkaufen zu können.