Mehr als nur pappig

Dem Kleben haftet der Ruf von Pfuscherei an -- zu Unrecht: Es hat sich zur fortgeschrittensten unter den FĂĽgetechniken entwickelt.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 1 Min.
Von
  • Nils Schiffhauer

Dem Kleben haftet der Ruf von Pfuscherei an - zu Unrecht: Es hat sich zur fortgeschrittensten unter den Fügetechniken entwickelt. Kaum eine Industrie, in der heute nicht mehr geklebt wird. Klebeverbindungen halten Autos, Flugzeuge und Schiffe zusammen, sie dämpfen Schwingungen, leiten Strom und dichten Arterien in der Chirurgie. Wie Kleben genau funktioniert, ist noch nicht bis Letzte erforscht.

Das Grundprinzip jedoch ist verstanden: Wenn Werkstoffe bis auf etwa einen Nanometer zusammen kommen, entfalten sich auf molekularer Ebene so genannte Wasserstoffbrücken und Ionenbindungen. Aber die meisten Werkstücke sind zu rau, um sich so weit anzunähern. Klebstoffe überbrücken diese Trennung. So ermöglichen sie Verbindungen, die sonst nicht realisierbar wären -- etwa zwischen so unterschiedlichen Werkstoffen wie Stahl und Glasfaserkunststoff im Fahrzeugbau.

Ein weiterer Vorteil des Klebens: Die Materialien müssen nicht erhitzt werden wie beim Schweißen oder Löten. Inzwischen können Materialforscher sogar Klebstoffe herstellen, die gezielt Strom leiten, etwa nur in eine bestimmte Richtung. Dazu setzen sie dem Kleber winzige Silberteilchen zu. Solche leitenden Klebeverbindungen lassen sich deutlich kleiner als Lötverbindungen herstellen und schonen hitzeempfindliche Elektronik. Künftige Klebstoffe, wie sie das Bremer Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung derzeit entwickelt, sollen die Oberflächen der zu fügenden Werkteile vor dem Kleben automatisch reinigen.

(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 4/2005; das Heft mit dem vollständigen Artikel können Sie hier bestellen) (wst)