Neues aus dem Silicon Valley

Die Technologie-Blase fĂĽllt sich wieder -- das Silicon Valley steht wieder unter Strom. Eine gesunde Skepsis bleibt aber angebracht.

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Von
  • Stu Hutson

Die Technologie-Blase füllt sich wieder, das Silicon Valley steht wieder unter Strom. Bestimmte Sektoren der Technologiebranche boomen derzeit massiv -- beispielsweise das Suchmaschinengeschäft, in dem sich Yahoo und Google bekriegen und nahezu wöchentlich neue Dienste ankündigen. Ein großer Hype ist außerdem bei den digitalen Mediaplayern feststellbar. Marktbeobachter sind inzwischen mit der altbekannten Frage beschäftigt, wann diese beiden Technologie-Blasen platzen könnten.

Werbetreibende geben immer mehr Geld für Werbung aus, die über Suchmaschinen vermittelt wird. Sie hoffen, dass dies ein erfolgreicher Weg ist, interessierte Kunden zu finden, weil sich die Anzeigen so speziell auf ihre Zielgruppe zuschneiden lassen. Das ist einer der Gründe, warum die Suchmaschinen derzeit so stark weiterentwickelt werden und auch bestimmte E-Commerce-Angebote boomen. Viele Beobachter sind optimistisch, dass dies auf längere Sicht ein profitabler Weg sein könnte, Produkte über das Internet zu verkaufen. Zynischere Zeitgenossen meinen hingegen, dass die Werbeausgaben immer zyklisch seien und auf die manischen Ausgaben im New-Media-Bereich wieder die Nutzung traditioneller Werbemöglichkeiten folge.

Doch die größte Blase, die sich aufgebaut hat, ist wohl das digitale Entertainment. Der Verkauf von Online-Musik ist immer noch ein Minusgeschäft -- selbst für den iTunes Music Store von Apple, der 70 Prozent des Marktes beherrscht. Apple verkaufte 558 Prozent mehr iPods im zweiten Quartal des Geschäftsjahres und viele glauben, die Geräte hätten eine kritische Masse erreicht, um aus Online-Musikläden wie iTunes haltbare Geschäftsmodelle zu machen.

Allerdings wächst die iPod-Konkurrenz und sie wird immer besser. Sie könnte Apples Dominanz irgendwann brechen. Die Firma hat zudem ihren FairPlay-DRM-Schutz nicht für andere geöffnet, was bedeutet, dass das einzige Gerät, mit dem man iTunes-Songs abspielen kann, der iPod bleibt. Diese geschlossene Haltung, die Apple bereits mit dem Mac-Betriebssystem in den Achtzigerjahren vorexerzierte, könnte Kunden in die Arme anderer Dienste treiben, die mit verschiedenen Hardware-Geräten laufen.

Unter den iPod-Angreifern befinden sich auch Smartphones, von denen sich die Mobilfunkfirmen erhoffen, dass aus ihnen tragbare Unterhaltungscenter werden. Man erwartet, dass das den Handy- und Diensteverkauf ankurbelt. Doch auch die Handy-Provider haben Probleme. Egal, ob es um Musik, Nachrichten oder Fernsehshows geht -- ihnen fehlen die Partnerschaften, die ihnen alle Inhalte vermitteln könnten, die sich der Kunde wünscht. Stattdessen arbeiten sie mit den unteschiedlichsten Inhalteanbietern zusammen, was bedeutet, dass man von verschiedenen Providern auch verschiedene Inhalte bekommt. Das macht das ganze uninteressanter. Außerdem stellt sich die Frage, ob es genügend Nachfrage für solche Handy-Unterhaltung gibt, wenn sie sich nicht besonders leicht bedienen lässt und ihr Abspielen dafür sorgt, dass die Batterien noch schneller leer sind.

An anderer Stelle im Silicon Valley verkündete Chip-Veteran Gordon Moore nun, dass das nach ihm benannte Gesetz womöglich in 10 bis 20 Jahren seine Gültigkeit verlieren könnte -- ein Jahrzehnt früher, als die meisten Industrieexperten dachten. Andererseits arbeiten derzeit zahllose Forscher an derart neuartigen Technologien, dass Transistoren bald so veraltet sein könnten wie heute Röhren. Das könnte Moores Gesetz sogar nach oben durchbrechen. Erste Erfolge sind vorhanden -- so zeigte Hewlett-Packard die so genannte "Crossbar Latch"-Technologie, die einen möglichen Nachfolger für die Transistoren-Technik auf Nanodraht-Basis darstellt.

Gordon glaubt aber selbst nicht, dass Transistoren von heute auf morgen verschwinden. Forscher an der Universität von Illinois haben gerade eine neue Struktur (den "pseudomorphic heterojunction bipolar"-Transistor) erfunden, die die 600 GHz-Marke nehmen könnte und gar die Terahertz-Liga anpeilt. Ein solcher Wissenschaftsfortschritt wird dafür sorgen, dass die traditionelle Computertechnik länger im Spiel bleibt und neuere, andersartige Technologien sie nicht so leicht verdrängen können -- wenn sie in sechs bis zehn Jahren denn einmal fertig sind. Viel, viel später folgen dann so genannte optische Computer, die Licht statt Elektrizität benutzen.

Und was war sonst noch im Silicon Valley? Die Ausgaben für IT wachsen wieder, doch die Anzahl der Jobs soll eher sinken. Die Firmen der "Silicon Valley 150" legten beim Umsatz 2004 durchschnittlich um 14 Prozent zu. Die Wirtschaft wurde dadurch nicht stimuliert -- im ersten Quartal 2005 gingen rund 60.000 Jobs verloren. Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar fast verdoppelt. Laut der Silicon-Valley-Zeitung San Jose Mercury News stecken viele Technologiefirmen zwar Teile ihrer Profite in bessere Infrastruktur oder Lohnerhöhungen. Das meiste Geld landet aber auf dem Sparbuch -- die Barreserven werden für den nächsten Downturn gehortet.

Von Stu Hutson; Ăśbersetzung: Ben Schwan. (wst)