WiMAX macht den Unterschied?
WiMAX soll dem Internet zu dem verhelfen, was Handys für das Telefonieren erreicht haben: Grenzenlose Mobilität. Ob dieses Versprechen eingelöst wird, bleibt fraglich.
- Stu Hutson
WiMAX, auch 802.16-Standard genannt, soll dem Internet zu dem verhelfen, was Handys für das Telefonieren erreicht haben: Grenzenlose Mobilität. Bald soll der drahtlose Zugriff auf das Netz in einem mehrere Kilometer weiten Radius um nur wenige Funktürme möglich werden. Dummerweise hängt die WiMAX-Technik seit Jahren in der Standardisierungshölle fest.
Die Einigung der Industrie auf eine gemeinsame Linie dauert nun schon so lange, dass US-Unternehmen wie Clearwire oder NextWeb ordentlich Geld mit komplizierter WiMAX-Vorläufer-Technik verdienen, die mit geringerer Datenrate und geringerer Nutzermobilität arbeitet.
In der vergangenen Woche kam die WiMAX-Technik nun einen entscheidenden Schritt voran: Intel kündigte an, seine neue PRO/Wireless 5116-Hardware weltweit ausliefern zu können. Kommerzielle WiMAX-Feldtests könnten dadurch bereits Ende des Jahres starten.
Es ist nicht das erste Mal, dass WiMAX-Hardware angeboten wird, dennoch sind die Intel-Produkte der bislang größte Fortschritt bei der Technik. Der Chiphersteller wird mit Clearwire als Service-Provider arbeiten. Außerdem stehen diverse andere Medienfirmen als WiMAX-Carrier in den Startlöchern. In Verbindung mit der bereits vorhandenen WiMAX-Vorläufer-Technik sollen so bis Ende 2006 voll entwickelte "Ökosysteme", wie sie Intel gerne nennt, verfügbar sein, die aus Endgeräten, Benutzern, Funktürmen und diversen Service-Carriern bestehen.
Die Frage ist nur, ob es wirklich so weit kommt. In großen US-Städten, in denen es einfach ist, einen Funkturm auf ein Gebäude zu setzen, befindet sich WiMAX in direkter Konkurrenz zu verteilten WLAN-Systemen, die von dort von den Städten selbst betrieben werden. Obwohl WiMAX-Signale ähnlich wie beim Mobilfunk im Gebäudeintern abnehmen, ist die Technologie dort am besten, wo man sie mit Inhouse-WLAN-Hotspots kombiniert.
Viele kleinere Gemeinden besonders im Nordosten der USA entwickeln zudem eine immer größere Abneigung gegenüber hässlichen Mobilfunktürmen -- selbst wenn man einige von ihnen zu WiMAX-Sendern umbauen könnte, die die Handy-Wellen parallel verschicken.
Die ersten Einnahmen für die WiMAX-Technik dürfte sowieso aus dem Mobilfunkbereich kommen -- WiMAX dient dort dann als Rückkanal. Erst wenn genügend User über WiMAX-Datenkarten verfügen, wird das Geschäft für die Breitband-Internetanbieter interessant. Später könnte WiMAX dann die Handy-Netze ersetzen -- jedenfalls hat man entsprechende Überlegungen, beispielsweise bei NextWeb. Dort will man in den nächsten Monaten einen Telefonie-Dienst über WiMAX starten.
Und was kommt nach dem großen Rollout? Dann dürfte der 802.20-Standard in den USA langsam umgesetzt werden, ein verbesserter Handynetz-Dienst, der bis zu einem Megabit an Daten pro Sekunde liefert. Problematisch bleibt, dass diese Technik dem in Amerika gerade aufkeimenden UMTS-Markt für Smartphones gefährlich werden könnte, in den die Netzbetreiber enorm viel investiert haben.
Noch Zukunftsmusik ist hingegen eine Technik, die der US-Anbieter Sanswire einführen will: Der so genannte "Stratellite" ist ein Luftfahrzeug, das sich an einem gewünschten Ort in der Stratosphäre verankern lässt, um eine Gegend von der Größe des US-Staates Texas mit drahtlosem Netz zu versorgen.
Von Stu Hutson; Ăśbersetzung: Ben Schwan (wst)