Sony und die PSP-Hacker

Weniger als zwei Wochen nachdem Sony seine lange erwartete tragbare Multimedia-Spielekonsole Playstation Portable (PSP) in den USA auf den Markt gebracht hatte, machten Berichte über erste "Hacks" die Runde.

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Von
  • Eric Hellweg

Bereits kurz nachdem Sony Ende März in den USA seine lange erwartete tragbare Multimedia-Spielekonsole Playstation Portable (PSP) auf den Markt gebracht hatte -- in Europa kommt die Konsole erst am 1. September auf den Markt-- , machten auch schon Berichte über erste Hacks im Internet die Runde. Darunter sind Addons wie die Möglichkeit, im Web zu surfen, Instant Messaging-Programme oder die Wiedergabe von Filmen, die mit digitalen Videorekordern aufgezeichnet wurden.

Die PSP hat sich in kürzester Zeit nicht schlecht verkauft, die meisten Tests des Multifunktionsgerätes fallen positiv aus. Weil die PSP genauso Spieler wie Geeks gleichermaßen anspricht, war schnell klar, dass das Interesse an Hacks für das Gerät groß sein würde. Dafür bietet die tragbare Konsole auch genügend Spielmöglichkeiten: 32 MB standardmäßigen Speicher, Wiedergabe von Musik und Filmen und WLAN-Zugriff.

Sony hat sich bislang noch nicht zu den bekannt gewordenen Hacks geäußert. Auch gegenüber Technology Review wollte der Konzern die Sache nicht kommentieren. Die bisherige Geschichte des Unternehmens im Umgang mit Produkte-Hacks spricht aber dafür, dass es diesmal sehr vorsichtig vorgehen wird: 2001 zwang Sony einen Fan, Code von seiner Website zu entfernen, der dem Roboterhund Aibo unter anderem das Tanzen beibrachte. AiboPet, wie sich der Fan nannte, bekam sogar eine Klage angehängt. Das Resultat: Aibo-Fans boykottierten Sony schließlich und die Firma gab dann nach, als der öffentliche Druck wuchs.

Die damals gelernte Lektion: Sony fährt besser damit, wenn die Firma die Hacker machen lässt. "Die Hacks zeigen, dass es Enthusiasmus für die Plattform gibt. Das ist eine gute Nachricht", sagt P. J. McNealy, ein Analyst bei American Technology Research. "Wenn die Leute das Gerät nutzen, um mit anderen zu chatten, verliert Sony ja kein Geld."

Beim Aibo wurde Sony schließlich durch die öffentliche Reaktion gezwungen, nachzugeben. Im Spielebereich existieren hingegen mehrere interessante Beispiele von Firmen, denen Hacks sogar halfen. Ein besonders gutes Beispiel ist Valve Software und die Entscheidung, den Code seines populären Shooters Half-Life zu veröffentlichen. Die Hacker nahmen sich ihn gerne und entwickelten daraus Counter-Strike, aus dem schnell das am meisten gespielte Online-Game wurde. 2002 veröffentlichte Valve das Spiel dann selbst -- inklusive vollem Support. Die ältere Hacker-Version des Games durfte trotzdem weiterverwendet werden. Diese Entscheidung war gut: Das Spiel wurde zu einem der erfolgreichsten Multi-Player-Games des Jahres.

Manchmal kommen die Kunden auch auf völlig neue Ideen, was man mit einem Produkt noch machen könnte. Dazu gehört die derzeit aufstrebende Podcasting-Bewegung: Bei Podcasts werden Hörfunksendungen ähnlich wie im Radio aufgenommen und dann online gestellt. Die Leute können sie dann kostenlos auf ihre iPods herunterladen. Hersteller Apple lässt das gerne zu, so lange keine urheberrechtlich geschützte Musik abgespielt oder ganze Playlists zum Herunterladen angeboten werden.

Wenn Podcasting sich wirklich durchsetzt, könnte eine Firma wie Apple mehr iPods verkaufen, was zu mehr Umsatz, Gewinn und schließlich auch mehr User-Zuneigung zum Produkt führen würde. Apple verhält sich allerdings nicht immer so nett, wie Klagen gegen Fan-Websites zeigen, die Informationen über nicht veröffentlichte Produkte der Firma verbreiteten.

Heutzutage haben es die Firmen eben nicht leicht -- sie müssen entscheiden, wann sie ihre Kunden tun lassen und wann sie einschreiten müssen. "Sehr wenige Firmen muntern ihre Kunden zum Hacking auf", sagt Schelley Olhava, Analyst beim Marktforscher IDC. "Gleichzeitig ist es schwer, dem Einhalt zu gebieten, ohne die Nutzer zu entfremden."

Es gibt sicher Situationen, in denen ein Hersteller ganz klar gegen Veränderungen an seiner Hardware vorgehen muss. 2002 stoppte Microsoft eine Firma aus Hong Kong, die Modchips für die Xbox-Spielekonsole verkaufte. Mit diesen war es möglich, Raubkopien zu spielen.

Bei Sony und seiner PSP ist die Entscheidung nicht ganz so leicht. Jede Firma muss ihr geistiges Eigentum verteidigen, aber Sony muss hier die Balance finden. Entweder man geht hart gegen die Hacks vor oder versucht, die User sanft von (für Sony) noch gefährlicheren Veränderungen abzuhalten.

Sony hat es derzeit sowieso nicht einfach -- die Firma sucht gerade nach ihrem Weg im Digitalzeitalter. Bisherige Versuche im Online-Musikbereich waren weitgehend verheerend und die PSP ist einer der wenigen Technologie-Hits, die die Firma seit langem hatte.

Sonys neuer CEO, Sir Howard Stringer, sollte versuchen, eine neue Beziehung zu den größten Fans der Geräte seiner Firma zu finden. Er sollte die harmlosen Hacks erlauben. Die Anwälte kann er sich für Modifikationen sparen, die Sonys Gewinne tatsächlich gefährden.

Von Eric Hellweg; Übersetzung: Ben Schwan (wst)