Angriff der Klon-Krieger

Ob Klonen jemals Therapie wird, ist offen, trotz der jüngsten technischen Verbesserungen koreanischer Forscher. Dennoch nutzen Forscher und Politiker den Medienrummel, um eine Lockerung restriktiver Gesetze gegen das Klonen zu erreichen.

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Von
  • Sascha Karberg
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Bei Corned Beef und Cola planten die US-Biologen Herbert Boyer und Stanley Cohen im April 1972 auf Hawaii ein Experiment, das ihnen zwei Jahre später gelang: Sie pflanzten einem Bakterium ein fremdes Gen ein. Der technische Durchbruch der Gentechnik war geschafft. Sofort äußerten euphorische Forscher die Hoffnung, bald auch Gendefekte des Menschen heilen zu können. Doch bis heute ist Gentherapie für Patienten nur eine Hoffnung.

Seit Ende vergangener Woche weckt der koreanische Forscher Hwang Woo Suk bei Querschnittsgelähmten und Diabetikern ganz ähnliche Hoffnungen. Denn er hat bewiesen, dass therapeutisches Klonen technisch machbar ist, wie im Fachmagazin "Science" nachzulesen ist. Doch auch Hwang kann bisher keinen geheilten Patienten präsentieren. Er zeigte lediglich, dass es mit vertretbarem Aufwand möglich ist, von jedem Patienten eine Kultur genetisch identischer embryonaler Stammzellen anzulegen. Ob die dann auch helfen, also heilen werden, das ist eine andere Frage.

Nach dem technischen der politische Durchbruch

Dennoch sind Forscher-Kollegen weltweit beeindruckt vom Können des Koreaners, auch der Klonforscher Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology in Boston, der Hwangs Arbeit zu begutachten hatte. Dass therapeutisches Klonen prinzipiell machbar ist, hat Jaenisch schon vor zwei Jahren mit einem Experiment an Mäusen bewiesen, die er sogar heilen konnte. Doch menschliche Zellen darf der deutschstämmige Forscher in den USA nicht klonen. Deshalb greift Jaenisch nun die Gegner des Therapeutischen Klonens an, und fordert die Politik auf, aus dem "Durchbruch für das therapeutische Klonen" zu lernen. Denn es sei abzusehen gewesen, dass diese Erfolgsmeldung nicht aus den USA, sondern aus Korea kommen würde. "Dort hat die Regierung die weise Entscheidung getroffen, Stammzellforschung unter bestimmten Bedingungen zuzulassen und zu fördern." In den USA hingegen gibt es für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen von den Bundesbehörden, wie den National Institutes of Health, kein Geld. Und Präsident George Bush ist ein erklärter Gegner des Therapeutischen Klonens. "Hier zwingt eine Minorität der Mehrheit ihre extreme ethische Auffassung auf", sagt Jaenisch. Auch deutsche Stammzellforscher fordern, das deutsche Stammzellgesetz zu überdenken, denn nicht nur im fernen Korea, sondern auch in Großbritannien wurden am Freitag Fotos des ersten europäischen Menschenklons präsentiert. Und die Klagen, die deutsche Forschung verliere den Anschluss, finden Gehör: FDP-Chef Guido Westerwelle fordert offen, das therapeutische Klonen zuzulassen, damit "die besten und modernsten Medikamente und Heilverfahren" künftig in Deutschland produziert und nicht importiert werden müssen. Auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn will "die Debatte über gesetzliche Regelungen neu führen." Und sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder lässt verlauten, dass das deutsche Stammzellgesetz in zwei Jahren überprüft werden soll. Seit 2002 ist das therapeutische Klonen in Deutschland gänzlich verboten und embryonale Stammzellforschung nur mit Zellen aus dem Ausland erlaubt, die vor dem 1. Januar 2002 hergestellt wurden.