Klonen für die Unsterblichkeit
Für die Forschung bleiben embryonale Stammzellen interessant. Die noch vor einigen Jahren erhoffte Zellersatztherapie ist jedoch bis auf weiteres zu riskant.
- Kathrin Zinkant
Am 6. November 1998 beschrieb der Amerikaner James Thomson im Wissenschaftsmagazin "Science" erstmals, wie man menschliche embryonale Stammzellen kultiviert. Aus drei Dutzend bei künstlichen Befruchtungen übrig gebliebenen Embryonen hatte Thomson fünf Zelllinien gewonnen. Zellen, die sich in der Kultur teilten und teilten und teilten. Und auf ein biochemisches Signal hin jeden der rund 220 Gewebetypen bilden konnten, aus denen ein Mensch besteht. Die Möglichkeiten, die sich auftaten, waren ungeheuerlich. Man würde embryonale Stammzellen nehmen, die gewünschten Zellen daraus züchten - und krankes Gewebe einfach durch neues, gesundes ersetzen. Viele unheilbare Leiden, von Parkinson über Diabetes und Infarkten bis hin zur Querschnittslähmung, könnten durch diese Zellersatztherapie kuriert werden.
Sieben Jahre Stammzellforschung haben zwar viele, zum Teil fundamentale Probleme gelöst. Aber sie haben eben auch viele neue produziert. Von der Zellkultur über die gezielte Differenzierung der Zellen bis hin zur Einschätzung der Risiken - überall gibt es offene Fragen.
Dass die Euphorie innerhalb der internationalen Forscherriege dennoch groß ist, liegt aber nicht an Fortschritten in Richtung einer Zellersatztherapie. Vielleicht führen embryonale Stammzellen schon sehr bald tatsächlich zu neuen Therapien. Aber nicht als Zellersatz, sondern als Werkzeug, um Medikamente zu finden - und um Krankheiten zu erforschen.
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