Google verbindet

Was will der Suchmaschinen-Riese auf dem Telekommunikations- und Instant-Messaging-Markt?

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Von
  • Eric Hellweg
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Alle an Google Interessierten dürften eine spannende Woche hinter sich haben: Erst brachte der Suchmaschinen-Riese eine neue Version seiner populären Desktop-Suche (Google Desktop 2) heraus, dann kündigte der Anbieter mit Google Talk auch noch sein erstes Telekommunikations- und Instant-Messaging (IM)-Produkt an.

Google Desktop 2 dürfte insbesondere bei Microsoft Aufmerksamkeit erregen -- der Softwarekonzern glaubt nach wie vor, die Hoheit über die Desktops der PC-Benutzer zu haben. Die Ankündigung von Google Talk sorgte jedoch für deutlich mehr Aufsehen als die von Google Desktop 2: Schließlich ist es das erste Produkt, das nur noch wenig mit Googles bisherigem Primärfokus, der Suche, zu tun hat.

Die nun zur Verfügung stehende Beta, die vorerst nur für Besitzer eines Google Mail-Accounts verfügbar ist, bietet gar keine eigene Suchkomponente mehr. Interessanterweise unterscheidet sich Google Talk damit vollständig von der Konkurrenz von Yahoo (Messenger) über AOL (AIM) bis hin zu Microsoft (MSN Messenger): Alle drei Konkurrenten bieten ein in den Instant-Messaging-Clients eingebautes Suchformular. Dass Google Talk diesen Bereich ignoriert, macht stutzig, schließlich erlangte der Anbieter mit seiner Suchtechnologie wahre Größe.

AOL ist mit Abstand der fĂĽhrende Anbieter im IM-Sektor. 41,6 Millionen aktive User versammelt sein Dienst AIM laut Comscore Media Metrix. Yahoo ist mit seinem Messenger und 19,1 Millionen Benutzern auf Platz zwei. Der MSN Messenger wiederum hat 14,1 Millionen aktive Chatter.

Die Google-Talk-Produktankündigung lockte die üblichen Vorhersagen aus den Branchenauguren hervor: Die traditionelle Telekommunikationsindustrie sterbe, weil das enorme Wachstum von Voice-over-IP-Diensten sie bald überholt. Google Talk besitzt in der Tat eine Voice-Komponente und erlaubt es seinen Benutzern, mit Mikrofon und Kopfhörern untereinander Kontakt über das Internet aufzunehmen. Doch eine solche Sprachübertragung wird längst auch von anderen IM-Diensten angeboten. Dementsprechend sind Schlagzeilen à la "Web-Gigant knöpft sich Telekom-Rivalen vor", wie sie etwa die Financial Times produzierte, völlig fehl am Platze.

"VoIP ist keine so große Gefahr für die Telecom-Firmen. Sie werden dadurch nicht aus dem Markt gedrängt", meint Jeff Kagan, Branchenanalyst und Präsident bei der Kagan Group. "VoIP ist Teil einer seit 20 Jahren ablaufenden Umwälzung, in der die Telekommunikationsindustrie heute steckt."

Diese Veränderungswelle, wie Kagan den Vorgang beschreibt, türmte sich in diesen Tagen noch ein bisschen höher auf, aber das hatte wenig mit Googles Ankündigung zu tun. Nein: Skype, die mit Abstand populärste VoIP-Anwendung auf dem PC mit inzwischen mehr als 50 Millionen registrierten Benutzern, feiert nächste Woche ihren zweiten Geburtstag. Zur Feier des Tages öffnet man seine technische Plattform für andere, macht es möglich, Skype-Funktionen mittels einer Programmierschnittstelle (API) in Anwendungen von Drittherstellern sowie Websites einzubauen.

Die Ă–ffnung dieser APIs ist ein "groĂźer Schritt", kommentierte Jeff Pulver, Aufsichtsrat und GrĂĽnder von Pulver.com, der die internationale VoIP-Konferenz "Voices on the Net" (VON) veranstaltet.