Warum sich E-Plus mit Skype verbündet

In seiner UMTS-Datenflatrate verbietet E-Plus die Nutzung von VoIP - und verkündet eine Partnerschaft mit dem VoIP-Anbieter Skype. Was steckt hinter diesem Schritt?

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Sascha Mattke
Inhaltsverzeichnis

Mit einem Pauschaltarif für Datenübertragung über UMTS hat der Mobilfunker E-Plus für Aufsehen gesorgt. Die Nutzung von Internet-Telefonie (Voice over IP - VoIP) will er darin nicht zulassen - hat aber fast gleichzeitig eine Kooperation mit dem VoIP-Anbieter Skype für genau diesen neuen Tarif verkündet. Verwirrend? Technology Review aktuell hat sich um Aufklärung bemüht.

Das Aufkommen von Sprachübertragung über Internet-Protokoll (Voice over IP - VoIP) ist eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für die Telecom-Branche. VoIP macht die über Jahre aufgebaute Vermittlungsinfrastruktur im Prinzip überflüssig: Statt Telefongesellschaften können VoIP-Provider die Verbindung zwischen zwei Personen herstellen. Dafür genügt es, ihre IP-Adressen zu kennen; anschließend bahnen sich die Sprach-Datenpakete ihren Weg durchs Internet selbst.

Dieser neuen Konkurrenz sehen sich auch die Mobilfunk-Anbieter ausgesetzt, weil just ihre erhoffte neue Einnahmequelle UMTS Datenraten ermöglicht, bei denen mobiles VoIP erst interessant wird. Experten warnen seit längerem davor, dass preisbewusste Kunden einen günstigen Datentarif nutzen könnten, um statt klassisch mit Hilfe von VoIP mobil zu telefonieren. Mit Vodafone hat bereits in diesem Juli ein Provider angekündigt, das in Zukunft nicht mehr zuzulassen (übrigens ungeachtet der Tatsache, dass ein Sprecher genau dieses Vorgehen ein Jahr zuvor auf Nachfrage von Technology Review noch ausgeschlossen hatte).

Die neue Flatrate von E-Plus -- 39,95 Euro im Monat -- unterbietet vergleichbare bisherige Tarife sehr deutlich -- und macht damit die Nutzung von VoIP noch attraktiver. Insofern ist es kein Wunder, dass das Unternehmen Internet-Telefonieren in diesem Tarif verbietet. Wie sich erst später herausstellte, gilt das Verbot aber nicht für alle Anbieter –- im Gegenteil: Es wurde eine Kooperation mit dem Start-Up Skype vereinbart. Nutzer der Daten-Flatrate bekommen Skype-Software, ein Headset und ein paar Freiminuten geschenkt.

Holt sich also E-Plus den eigenen Feind ins Haus? Auf gewisse Weise ja, aber in vielerlei Hinsicht hat der Mobilfunker mit Skype das kleinere Übel gewählt. Denn zum einen setzt Skype anders als die meisten anderen VoIP-Anbieter statt auf das SIP-Protokoll auf proprietäre Technik, die sich ohnehin weitaus schwieriger erkennen und aus dem E-Plus-Netz aussperren lassen würde. Zum zweiten bietet Skype seinen Nutzern im Gegensatz zu vielen anderen VoIP-Providern noch keine deutschen Festznetznummern an; damit sind die durchaus ansehnlichen Einnahmen für die Terminierung von eingehenden Anrufen bei E-Plus vorerst nicht bedroht. Und drittens muss man zum skypen derzeit noch mindestens einen PDA zur Hand haben: Mobiltelefone mit Skype-Client gibt es noch nicht.