Das Museum des Undenkbaren

Was hat eine Atombombe mit einem afrikanischen Kriegselefanten aus der Römerzeit zu tun? Ein Besuch im National Atomic Museum Albuquerque, New Mexico.

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Von
  • Mark Williams
Inhaltsverzeichnis

Was hat eine Atombombe mit einem afrikanischen Kriegselefanten aus der Römerzeit zu tun? Wer das National Atomic Museum in Albuquerque, New Mexico, besucht, findet nicht nur die zu erwartenden Ausstellungsstücke. Neben Kopien der Hüllen der in Hiroshima und Nagasaki eingesetzten Atombomben "Little Boy" und "Fat Man", Filmen von Atom- und Wasserstoffbombentests oder Bildern von Rooert Oppenheimer und seinen Kollegen aus Los Alamos kann man dort auch die Reproduktion eines flämischen Wandteppichs aus dem 16. Jahrhundert sehen.

Daneben hängt eine Tafel, die das Rätsel zu lösen versucht. Auf dem Teppich sind Elefanten zu sehen, die majestätisch neben römischen Legionären und ihren Gegnern entlangschreiten. "Auch im Altertum gab es bereits Waffenkontrollabkommen", steht daneben auf der Tafel: "Eines der bekanntesten war jenes zwischen Rom und Karthago, das ausgehandelt wurde, nachdem Scipio Africanus 202 vor Christus Hannibal in der Schlacht von Zama besiegt hatte. Der Vertrag zwang die Karthager, all ihre Kriegselefanten abzugeben."

Den Museumsbesuchern soll hier offensichtlich klargemacht werden, dass die Thermonuklearwaffen unserer Tage und Kriegselefanten aus der Römerzeit gleichwertige Beispiele für Waffensysteme sind, deren Verbreitung sich mit Hilfe von Verträgen zwischen Kriegsgegnern regeln lassen. "Die Gesellschaft hat schon immer versucht, die Möglichkeiten der einen Seite einzuschränken, die andere Seite anzugreifen", so die Museumstafel. Das ist jedoch eine eher zweifelhafte Interpretation der Geschichte: Kriege wurden fast immer ohne jede Beschränkung geführt. Kriegselefanten wurden auch noch Jahrhunderte nach der Schlacht von Zama eingesetzt.

2001 stand das Atommuseum noch auf einer trockenen Ebene außerhalb von Albuquerque. Auf der gegenüberliegenden Seite lagen die Sandia National Laboratories. (Der aktuelle Standort des Museums in der Mountain Road NW ist auch nur temporär.) Die Sandia-Labors sind für einen Großteil des Sicherheitsgefühls der amerikanischen Nation nach dem zweiten Weltkrieg verantwortlich: Hier wurde 1945 die "Abteilung Z" des Atomwaffenprogrammes Manhattan Project gegründet. Damals waren die Labors damit beauftragt, das US-Nukleararsenal störsicher zu machen. Als ich damals das Museum betrat, sah ich sofort jene Bilder von den Kriegselefanten. Der Direktor des Muesums erklärte mir mit ernstem Gesicht, dass die Dickhäuter zu ihrer Zeit als allumfassende Waffe angesehen wurden, die eigentlich zu schrecklich gewesen sei, um sie tatsächlich einzusetzen. Seit diesem Besuch frage ich mich, ob die Historiker, die für diese Darstellung verantwortlich waren, das wirklich ernst meinten.