Ein Marsjahr unterwegs
Seit Januar 2004 operieren die beiden NASA-Rover Spirit und Opportunity auf dem Mars. Die ursprĂĽnglich fĂĽr drei irdische Monate geplante Mission feiert nun ihr erstes Marsjahr.
- Thorsten Dambeck
Seit Januar 2004 operieren die beiden NASA-Rover Spirit und Opportunity auf dem Mars. Die dramatische Landung, bei der die 180-Kilogramm-Gefährte in Airbags gehüllt ins Marsgeröll krachten, jährt sich in diesen Tagen, denn seither ist ein Marsjahr, also 687 Erdentage vergangen. Zur allgemeinen Überraschung funktionieren die Marsmobile immer noch. Denn die Mission, die an beiden Landestellen chemische Spuren vergangener Marsgewässer suchen sollte, war ursprünglich nur für drei irdische Monate geplant. Diesen Zeitraum hatte die NASA als "minimum requirement" für eine sinnvolle wissenschaftliche Arbeit gesetzt.
Die Pathfinder-Mission mit dem erheblich kleineren Sojourner-Rover (Masse: 11 Kilogramm) hatte sieben Jahre zuvor etwa drei Monate auf dem staubigen Wüstenplaneten durchgehalten. Sojourners Schicksal war den NASA-Ingenieuren eine Warnung. Extrem feine Partikel, die beständig aus dem Marshimmel rieseln, blieben auf den Solarzellen des Mini-Rovers haften und blockierten das Sonnenlicht. Die Effizienz der Zellen ging von Tag zu Tag zurück.
Auch diesmal konnte dieser Effekt beobachtet werden. Doch im Gusev-Krater und der Meridiani-Ebene, den beiden äquatornahen Landegebieten, beobachteten die Forscher auch immer wieder überraschende Leistungssteigerungen der Solarzellen. Anscheinend sorgen Windböen dann für eine gewisse Staubreinigung. Ende Oktober verfinsterte sich jedoch tagelang der Himmel über Meridiani. Ein regionaler Staubsturm dämpfte das Tageslicht, und die elektrische Tagesernte fiel auf 470 Wattstunden. Sogar irdische Marsfans konnten in ihren Amateurfernrohren die atmosphärischen Kapriolen ausmachen. Mittlerweile hat sich die Marsluft wieder geklärt und Opportunitys Stromversorgung meldet wieder 700 Wh pro Tag.
Bei ihrer Geländetour als automatische Geologen haben die Nasa-Rover im vergangenen Marsjahr zusammen rund zwölf Kilometer hinter sich gelassen. Auch deutsche Wissenschaftler sind an der Mission beteiligt. So gilt für zwei Spektrometer zur chemischen Analyse des Marsgesteins: "made in Mainz". Lutz Richter vom DLR-Zentrum für Raumsimulation ist ebenfalls Team-Wissenschaftler. In einer Werkshalle in Köln-Porz testet der Marsbodenexperte das Antriebsverhalten verschiedener Radtypen im feinen Marssand. Nebenan stehen die Computer-Terminals für die geologischen Messkampagne. Mit der Planungssoftware "Science Activity Planer (SAP)" koordinieren die verstreut in ihren Instituten arbeitenden Wissenschaftler das gemeinsame Vorgehen. Außerhalb der USA ist Köln der einzige SAP-Standort des Rover-Projektes. In täglichen Telefonkonferenzen wird zusätzlich festgelegt, welche Steine angebohrt, spektroskopiert und von der Mikroskop-Kamera unter die Lupe genommen werden sollen.
Kommandiert werden die sechsrädrigen Gefährte am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (JPL), nahe Los Angeles. Dort müssen auch sämtliche technischen Probleme gelöst werden. Im vergangenen Sommer blieb Opportunity in einer 15 Zentimeter hohen Düne stecken. Beim Versuch der Sandfalle zu entfliehen, maßen die JPL-Experten wochenlang konsterniert die Streckenleistung ihres Schützlings: Wenige Zentimeter pro Tag. Die Räder drehten durch, Opportunity drohte endgültig liegen zu bleiben. Zuvor hatte der Rover in dem scheinbar gutmütigen, kaum mit hinderlichen Brocken gepflasterten Terrain, bis zu 200 Meter täglich abgespult. Schließlich gelang die Befreiung aus der tückischen Düne. Seitdem sind die JPL-Techniker vorsichtiger.