Social Networking 3.0
Die dritte Generation der so genannten Social Networking-Sites hat das Web erreicht. Inhalte sind dabei inzwischen genauso wichtig wie das KnĂĽpfen von Kontakten
- Wade Roush
Gäbe es einen Wettbewerb für das "Internet-Buzzword des Jahres", hätte im letzten Jahr wohl der Begriff "Social Networking" gesiegt. Damals brachten zahlreiche Firmen wie Ryze, Tribe, LinkedIn, Friendster, Spoke oder Visible Path neue oder verbesserte Dienste auf den Markt, mit denen Internet-Benutzer ihr Freundes- und Beziehungsnetzwerk im Web abbilden konnten. Die Idee dabei: Die Nutzer stellen Online-Profile mit ihren Interessen zusammen und können darüber Kontakte mit Freunden (und den Freunden ihrer Freunde) aufnehmen, die sich für ähnliche Dinge interessieren, sei es nun die Reparatur alter Motorräder, der Sales-Bereich oder die Suche nach einem neuen Job.
Mit Ausnahme von Friendster und Myspace war die anfängliche Reaktion der Internet-Benutzer allerdings eher zurückhaltend. Zwar stellten viele User ihre Profile in den ein oder anderen Dienst und knüpften darüber Kontakte zu einigen Bekannten, doch sie zogen sich auch bald zurück, weil sie nicht verstanden, wie sie die neuen Netzwerke tatsächlich benutzen konnten.
Alle oben genannten Firmen haben dennoch überlebt und befinden sich sogar nach wie vor auf Wachstumskurs. Sie führen neue Technologien ein und starten frische Funktionen, die ihnen Geld in die Kasse spülen sollen. Neue Konkurrenten mit nochmals verbesserten Geschäftsmodellen (beispielsweise iMeem) kommen auf dem Markt. Und die "Social Networker" setzen auf aktuelle Trends: Der aktuelle Hype um "Rich Media" im Web wird voll ausgenutzt, in dem die Nutzer nun auch Inhalte online stellen können -- seien es nun Fotos, Videos, Musik oder andere digitale Dateien. Um es mit wenigen Worten zu beschreiben: Social Networking-Dienste werden mehr und mehr zu einem echten Geschäft mit einem überzeugenden Produkt.
"Vor einem Jahr wussten viele unserer Nutzer nicht, was sie überhaupt mit uns anfangen konnten", meint Konstantin Guericke, Mitbegründer und Marketing-Vizepräsident beim Social Networking-Anbieter LinkedIn, der sich auf Geschäftskontakte konzentriert. "Sie wussten zwar, dass sie Einladungen bekommen konnten, um am Netzwerk teilzunehmen und wie sie diese Einladungen zu verwenden hatten. Außerdem schickten sie manchmal selbst welche raus. Alles darüber hinaus war den meisten Usern nicht so klar."
Ein Jahr später hat LinkedIn bereits 4,2 Millionen Mitglieder -- zuvor war es nur eine Million. Die Nutzerschaft führt jeden Monat fünf Millionen Suchanfragen nach potenziellen Kontakten innerhalb des eigenen Netzwerkes durch. LinkedIn bietet inzwischen diverse umsatzgenerierende Funktionen an -- darunter bezahlte Abos, mit deren Hilfe man außerhalb des eigenen Freundeszirkels und außerhalb des "Freunde von Freunden"-Bereiches suchen kann.
Vor einem Jahr schickten die User nur Kontaktanfragen durch das LinkedIn-Netzwerk; viel mehr ging damals auch nicht. Inzwischen wird es für praktische Anwendungen genutzt, beispielsweise für das Auffinden möglicher Job-Kandidaten, die Suche nach Firmen- und Rechtsdienstleistern oder die Koordination von Gruppenaktivitäten.
Das alles ist laut Guericke nur deshalb möglich, weil man nun nutzergenerierte Inhalte innerhalb der Mitgliederprofile ablegen kann, wozu etwa Lebensläufe oder Stimmen anderer Mitglieder zur eigenen Person gehören. "Als Erstes sind wir eine Suchmaschine. Zum Zweiten sind wir aber auch eine Inhalte-Plattform mit Informationen über die eigene Person und das, was andere über eine Person sagen. Daraus ergibt sich ein wesentlich leistungsfähigeres Geschäftsmodell."
1960 stellte der Psychologe Stanley Milgram eine Theorie vor, nach der zwei Menschen auf der Welt im Durchschnitt über sechs Ecken miteinander bekannt sind. Diese Idee wurde mit John Guares Theaterstück "Sex Degrees of Separation" und einer anschließenden Filmadaption populär gemacht. In den späten Neunzigern entdeckten dann die Unternehmer im Internet, dass das Netz das perfekte Medium sein könnte, die Menschen weitläufiger miteinander zu verbinden als nur über den ersten oder zweiten Grad hinaus.