RAD Lab in Berkeley: Das Leben nach Darpa

Berkeleys Computerwissenschaftler wollen dank Sponsoring von IT-Konzernen innovativ bleiben.

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Von
  • Steffan Heuer
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Computerwissenschaftler an der Universität Berkeley probieren ein neues Modell aus, um die innovative Forschung und Entwicklung von Rechnersystemen und Software voranzutreiben. Der renommierte Informatiker David Patterson holte dazu drei große Namen der IT-Industrie an Bord. Google, Microsoft und Sun Microsystems werden Berkeleys neuem RAD Lab – abgekürzt für "Reliable, Adaptive and Distributed Systems Laboratory" – über die nächsten fünf Jahre insgesamt 7,5 Millionen Dollar zu gleichen Teilen zur Verfügung stellen.

Die Forschungsergebnisse des Labors werden über die Berkeley Software Distribution Lizenz der Allgemeinheit zugänglich sein und nicht in das Patentportfolio der Sponsorfirmen übergehen. "Das ist eine sehr aufgeklärte Herangehensweise", sagte Patterson der TR. "Die Unternehmen bekommen im Gegenzug frühen Einblick in neue Ideen und Anwendungen. Das ist gerade im Bereich Computersysteme und Software enorm wichtig, da Zeit der entscheidende Faktor ist."

Patterson hofft zudem, mit dem Labor den Nachschub an qualifizierten Arbeitskräften für das Wirtschaftsgebiet Silicon Valley zu gewährleisten. Das neue Labor wird mit zunächst sechs Akademikern und anfangs zehn, später bis zu 30 Graduate Students besetzt werden. Sie werden sich erster Linie mit neuen Technologien des statistischen maschinellen Lernens beschäftigen, fünf bis maximal zehn Projekte stellt sich Patterson in der Anfangsphase vor.

Das Feld für mögliche kommerzielle Anwendungen ist weit: von Web Services bis zu autonomen Fahrleitsystemen für Pkw. "Wir werden uns mit den Ideen befassen. Wir wollen Papers und Student produzieren. Die konkreten Anwendungen auszutüfteln, überlassen wir lieber anderen", sagt der Laborleiter. "Wenn sich unsere Studenten damit selbstständig machen und daraus ein Dutzend erfolgreiche Firmen werden, umso besser."

Zustande kam die ungewöhnliche Zusammenarbeit aufgrund einer Finanzierungskrise der öffentlichen Hand. Die traditionellen Quellen, aus denen sich Grundlagenforschung in den Computerwissenschaften in den USA speisen, waren bislang die National Science Foundation und die Defense Advanced Research Projects Agency – jener Arm des Pentagon, der zukunftsweisende Forschung auch dann unterstützte, wenn weder ihr Ausgang noch ihr kommerzielles Potenzial absehbar waren. DARPA hat seine Finanzierung in jüngster Zeit jedoch gekappt und sponsert nur noch Projekte, bei denen eine schnelle und konkrete Rendite für das Militär oder den Heimatschutz in Aussicht steht.

Landesweit bezuschusste die DARPA 2004 Computerwissenschaftler an Hochschulen nur noch mit 123 Millionen Dollar, während es 2001 noch 214 Millionen waren. Der Effekt dieses Kurswechsels lässt sich an den Forschungsbudgets der vier bedeutendsten US-Fakultäten für Computerwissenschaften ablesen. So ging der Zufluss an DARPA-Geldern für Grundlagenforschung an Berkeley, Carnegie-Mellon, MIT und Stanford zwischen 1999 und 2004 je nach Hochschule zwischen 38 und 54 Prozent zurück. Der Anteil der Pentagon-Mittel am Forschungsbudget halbierte sich durch die Bank. An Berkeley sank er in den vergangenen fünf Jahren von 18 auf neun Prozent, an MIT sogar von 62 auf 24 Prozent. Für Pattersons Fakultät bedeutet das ein Finanzierungsloch von rund zehn Millionen Dollar im Jahr.