Namensgebung im All: Captain Kirk vorgeschlagen
Planeten sind übersät mit Kratern und Hügeln – die alle benannt werden wollen. Bisher funktionierte das nach bewährt konservativem Muster. Doch taugen auch Hollywood-Blockbuster und Fernsehserien wie "Star Trek" als Namensgeber?
(Bild: Pete Birkinshaw / Flickr / cc-by-2.0<br>)
Es klingt wie ein Scherz: Nasa-Wissenschaftler haben landschaftlichen Merkmalen wie Kratern auf dem Pluto-Mond Charon Spitznamen von Figuren aus der Erfolgsserie "Star Trek" gegeben. Berichten zufolge wollen sie diese der zuständigen Stelle – der Internationalen Astronomischen Union (IAU) – vorschlagen. Prompt folgten die ersten Reaktionen im Internet, die zwischen Ablehnung und Anerkennung wechselten. Doch tatsächlich ist es mehr als eine Debatte zwischen Freaks, Fans und Experten. Denn einmal benannt, werden die Erhebungen und Krater auf fernen Planeten ihre Namen für lange Zeit behalten.
Multikulturelle Namensgebung
"Wir haben eine Verpflichtung für die Zukunft. Wir müssen sicher stellen, dass nicht schon wenige Generationen nach uns jemand fragt: 'Wie konnten sie es nach jemandem benennen, den niemand kennt?'", sagt Rita Schulz, Präsidentin der IAU-Arbeitsgruppe zur Namensgebung im Planetensystem. Doch in Zeiten der Globalisierung trägt auch die Astrophysik multikulturelle Züge. So haben es seit den 1980er-Jahren die Namen von Gottheiten anderer Religionen ins All geschafft. "Zu Beginn war die IAU vor allem von Amerikanern und Europäern geprägt. Mittlerweile sind wir wahrlich international: wir müssen deshalb bei der Vergabe von Namen sicherstellen, dass Menschen aus verschiedenen Ländern sagen können, 'Das kommt aus meiner Kultur'", erklärt Schulz. Die Namen werden dabei keineswegs zufällig vergeben. Die IAU führt eine Liste von Themen, die dazu bestimmt sind, Planeten und ihre Merkmale miteinander in Verbindung zu setzen. Da geht beispielsweise Jupiter, eine römische Gottheit, auf Jupiters Mond Io auf Tuchfühlung mit Kollegen anderer Kulturkreise, darunter Donnergott Thor (altnordisch), Camaxtli (aztekisch) und Kami-Nari (japanisch).
Buchhelden schon länger anerkannt
Selbst modernere Sagengestalten haben es in den Weltraum geschafft. Seit 1980 wurden etwa Krater und Gebirge auf dem Saturn-Mond Titan nach Figuren aus JRR Tolkiens "Der Herr der Ringe" benannt (Bilbo, Arwen und Faramir). Wenn es also Bilbo Baggins heißen darf, warum nicht auch James Kirk? Der Unterschied liegt darin, dass "Herr der Ringe" ein Buch ist, während es sich bei "Star Trek" um eine Fernsehserie handelt. Bislang hat die IAU noch nicht entschieden, ob Filmhelden sich in gleichem Maße als Namenspaten eignen. "Es gibt einen Unterschied zwischen Büchern und Hollywood. Dies wäre also das erste Mal, dass Namen aus Film und Fernsehen vorgeschlagen würden. Wenn das für die Nasa-Sonde "New Horizons" zuständige Team solche Namen vorschlägt, wird unser Komitee eine grundsätzliche Entscheidung darüber treffen, ob Hollywood- und Fernsehfilme als verlässliche Quelle taugen", sagt Schulz. (sea)