"Es kann nur einen Standard geben"

Im Kampf um die Nachfolge des DVD-Standards hat der japanische Elektronikhersteller Matsushita Electric Industrial (Panasonic) seinen nächsten Zug gemacht:Der Konzern stellt das erste Blu-ray-Disk-Laufwerke für Computer vor.

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  • Martin Kölling

Im Kampf um die Nachfolge des DVD-Standards hat der japanische Elektronikhersteller Matsushita Electric Industrial (Panasonic) heute seinen nächsten Zug gemacht: Der Konzern will die Welt des Heimkinos über den Computermarkt erobern, weil er als obersten Kundenwunsch derzeit die Speicherung großer Datenmengen sieht.

Die Laufwerke können sowohl BDs mit einem und zwei Layern, heutige DVDs respektive CDs lesen sowie beschreiben und werden auch an andere Computerhersteller verkauft. "Sie werden deren Produkte mit unseren Laufwerken sehen", sagte Kazuhiro Tsuga, Chef der Netzwerkabteilung Panasonics. Zuerst werden die Drives im Juni in Japan eingeführt. Außerdem präsentierte Panasonic speziell beschichtete bespielbare BDs mit Speicherkapazitäten von 25 Gigabyte (einfacher Layer) und 50 Gigabyte (doppelter Layer), die ohne die bisher übliche Schutzhülle in die Laufwerke geschoben werden können.

Panasonic, neben Sony die treibende Kraft im Blu-ray-Lager, setzt damit auf eine andere Strategie als der Rivale Toshiba, der die "High Definition-DVD" (HD-DVD) durchsetzen will. Toshiba kann noch keine HD-DVD-Recorder anbieten und führt stattdessen in Japan und den USA mit einer Niedrigpreisstrategie die weltweit ersten HD-DVD-Player ein. Das Einstiegsmodell kostet mit rund 500 US-Dollar nur halb so viel wie BD-Player, die Samsung im Sommer und Panasonic im Herbst in den USA einführen werden. Der Konzern will damit schnell in den USA eine große Käuferbasis aufbauen, um die großen Filmstudios Hollywoods so zu einer Unterstützung des HD-DVD-Standards zu bewegen. Derzeit unterstützt die Mehrzahl der Filmemacher das BD-Lager.

Für beide Systeme werden statt der heute bei DVDs eingesetzten roten Laser feinere blaue benutzt, die mehr Daten auf einen Silberling schreiben können. Eine HD-DVD kann maximal 30 Gigabyte, eine BD 50 Gigabyte speichern, Eine DVD fasst maximal 9,4 Gigabyte. Aber wegen der unterschiedlichen Strukturen der Scheiben sind beide Systeme inkompatibel.

Beim Preis verfolgt Panasonic ebenfalls eine andere Strategie als Toshiba. "Toshibas Preis basiert nicht auf den Produktionskosten", grantelte Tsuga, "wir haben sie (die Laufwerke der Konkurrenz, d. Red.) geöffnet, und sie sind nicht billig in der Produktion." Ein im Herbst kommender BD-Player solle zwischen 1000 und 1500 US-Dollar kosten. Doch Panasonic hofft, den Preis in der zweiten Gerätegeneration deutlich senken zu können. Denn durch seinen Vorstoß im Computerbereich kann das Unternehmen schneller größere Mengen produzieren und damit die Stückkosten besser senken.

Als Verhandlungsrichtschnur mit Computerherstellern für das BD-Multi-PC-Laufwerk LF-MB121JD nannte Panasonic 100.000 Yen (690 Euro). Dafür kann das Gerät zusätzlich zu den diversen DVD- und CD-Formaten alle BD-Standards verarbeiten, von Filmen über einmal bis mehrfach bespielbare BDs. Die seit 2002 verkauften BD-Videorecorder können keine der kommenden BD-Spielfilme anbieten. Das neue Laufwerk bietet doppelte Lese- und Schreibgeschwindigkeit bei BDs sowie achtfaches Tempo bei DVDs. Dazu gibt es Software zum Speichern der riesigen Datenmengen sowie zum Editieren von Videos und Audiodateien.

Speziell fĂĽr den Einsatz in Notebooks hat Panasonic BDs mit einem harten Schutzfilm entwickelt, die nicht so leicht zerkratzen und nicht so empfindlich auf FingerabdrĂĽcke reagieren wie die bisherigen BDs. Die einfach bespielbaren kosten umgerechnet 12,50 Euro fĂĽr die 25-Gigabyte- und 30 Euro fĂĽr die 50-Gigabyte-Variante. Mehrfach bespielbare Disks starten bei 17,50 Euro fĂĽr die BD mit einem Layer und enden bei 41,50 Euro fĂĽr den Silberling mit zwei Layern. Bespielbare HD-DVDs gibt es noch nicht auf dem Markt.

Tsuga zeigte sich sehr optimistisch, Toshiba im Kampf der Formate zu schlagen. "In Japan gibt es keinen Format-Krieg, weil Japaner zu Recordern tendieren", sagte er. Und da habe das HD-DVD-Lager noch nicht einmal alle Standards für bespielbare HD-DVDs festgelegt. In den USA sei man zwar über die Niedrigpreisstrategie Toshibas besorgt. Aber dort werden Panasonics höhere Markenbekanntheit und vor allem die Unterstützung von Studios wie Sony Pictures und Walt Disney helfen, Toshiba zu schlagen, hofft Tsuga. Das HD-DVD-Lager wird exklusiv nur von Universal unterstüzt. Warner Bros. und Paramount Dreamworks wollen beide Formate mit Filmen beliefern. Außerdem verspricht Tsuga Toshiba bei der Performance der Geräte zu schlagen. Toshibas Player brauchen bis zu einer Minute zum Booten. "Wir werden unser Produkt vernünftiger designen", stichelt er gegen den Konkurrenten – und hofft, dass die Kunden Panasonics Marketing-Strategie folgen. "Es kann nur einen Standard geben." (wst)