Im Krieg der Roboter

Der erstmals von der Bundeswehr veranstaltete "European Land Robot Trail", kurz ELROB 2006, offenbarte noch diverse Mängel geländegängiger Roboter - und zeigte den Rückstand Europas auf die USA in dieser Technikdisziplin.

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Von
  • Markus Honsig

Rapsoa aus Portugal verlor eine Gummikette und blieb mitten am Weg ins Zielgebiet liegen. RTS Dora von der Uni Hannover strauchelte zuerst im Gelände und später an der Steuerung seines kleineren, aber wendigeren Bruders RTS Crawler. Der sympathische robuROC aus Frankreich, der am Vorabend noch begeistert seine Offroadtauglichkeit zeigte, trat wegen verlorener Steuerung erst gar nicht an.

Szenen aus dem urbanen Testparcours der Elrob 2006, des von der Bundeswehr zum ersten Mal veranstalteten „European Land Robot Trail“, die am Donnerstag zu Ende ging. Und weil sich die Bilder am nächsten Tag – im offenen Gelände, verschärft durch widrigste Witterung – durchaus ähnlich waren, konnte man unter anderem eine Erkenntnis mit nach Hause nehmen: Einige der am Truppenübungsplatz Hammelburg präsentierten Roboter sollte man besser nicht in den Krieg ziehen lassen – weder im direkten noch im übertragenen Sinne des Wortes.

Die Ausfälle waren insofern leichter wegzustecken, weil es ohnehin nichts zu gewinnen gab. Die Bundeswehr wollte die Veranstaltung als Leistungsschau und nicht als Wettbewerb verstanden wissen, was der ohnehin etwas trägen Veranstaltung noch einmal Spannung nahm. Das lag zum einen an der Aufgabenstellung, aber auch daran, dass zentrale Aspekte solcher Robotersysteme wie Steuerung und Interface für den Besucher nicht einsehbar waren.

So war die Show jedenfalls nicht ganz so prickelnd, bedenkt man, dass andere Roboter tanzen, Fußball spielen oder den Haushalt organisieren. Auf der Elrob 2006 sah man hingegen eine Menge ferngesteuerter Fahrzeuge in unterschiedlichsten Größen, ausgestattet mit Kameras unterschiedlichster Bauart und/oder Greifarmen zum Sichern und Entschärfen gefährlichen Materials. „Man könnte meinen, hier geht es darum, wer am besten WLAN-funken kann“, sagte etwa der nach dem Ausfall sichtlich enttäuschte Oliver Wulf von der Uni Hannover.

Im Ernstfall soll es aber darum gehen, Soldatenleben zu schützen und zu unterstützen, indem man Maschinen vorschickt, die um die Ecke sehen können, die Minen detektieren oder Bomben entschärfen. Im Unterschied zum amerikanischen Militär, das im Irak längst Roboter wie den ebenfalls in Hammelburg gezeigten Talon von der englischen Firma QineticQ einsetzt, stehen in Europa landgestütze Roboter-Systeme „noch ganz am Anfang“, wie Brigadegeneral Reinhard Kammerer schon zu Beginn der Veranstaltung anmerkte. Und das betrifft nicht nur die Technologie, sondern auch die verfügbaren Budgets für Forschung und Beschaffung. Die Elrob sollte der Bundeswehr daher auch dazu dienen, sich zu orientieren, „wo die Potenziale, Möglichkeiten und Grenzen der Systeme liegen“.

Den Stand der Technik hierzulande markieren Roboter wie TeleMAX von Rheinmetall, Asendro von Diehl oder OFRO von Robowatch – Roboter, die teilweise schon im Einsatz sind. OFRO beispielsweise wird während der Fußball-WM im Olympia-Stadion an der Grenze zwischen Publikum und Spieler patrouillieren und Fans im Video-Auge behalten, die das Spielfeld erobern wollen. Zu den positiven Überraschungen gehörte Merlin, an der Uni Würzburg im Auftrag der Bundeswehr entwickelt. Merlin schaffte „sowohl das urbane wie das nicht urbane Szenario ohne Probleme“, wie Klaus Schilling, Leiter des Lehrstuhls für technische Informatik an der Uni Würzburg nicht ohne Stolz erzählt. Er sieht auch ein großes Potenzial für die Robotik, das weit über den militärischen Einsatz hinausreicht: „Für Einrichtungen wie Feuerwehr, Polizei oder technisches Hilfswerk, wo es darum geht, menschliches Leben nicht zu riskieren.“ Dafür muss man vorläufig noch relativ viel Geld in die Hand nehmen. Profigerät beginnt im Normalfall bei rund 50.000 Euro auf der nach oben offenen Preisliste.

Insofern gehörten kleine Roboter wie der vierradgetriebene Spyrobot von Macroswiss zu den interessanten Alternativen. Kompakt, schnell, wendig, robust, einfach zu bedienen, mit weniger als 10.000 Euro vergleichsweise sehr günstig, „ready to go“, wie General Manager Robin Castelli sagt. Kleiner Nachteil: Die Kamera kann nur sehr bodennahes Terrain inspizieren. Anders als der Flugroboter AirRobot, der mit rund 25.000 Euro ebenfalls zu den günstigeren Angeboten zählt. Besonderes Kennzeichen: Durch eine komplexe Sensorik ist das Gerät extrem einfach zu fliegen, der Mann am Joystick soll sich alleine auf seine Beobachtungsaufgabe konzentrieren können.

Zu den größten Herausforderungen in der Robotik gehört nämlich die Gestaltung des Interface, einer Schnittstelle, die auch für den ungeübten Wehrmann und unter den Bedingungen eines Ernstfalls bedienbar bleiben. In diesem Bereich liegen für Elrob-Chefjuror Henrik Christensen, Professor für Informatik an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm und Koordinator des europäischen Robotiknetzwerks Euron, mit die größten Defizite der vorgestellten Systeme.

Positiv bewertete er die grundsätzliche Mobilität, die man mit den Robotern heute schon erreicht, „bei der Navigation, Detektion und Manipulation gibt es aber noch genug zu tun“. Laserscanner, die in Echtzeit Kartenmaterial anfertigen, gehören für Christensen zu den spannendsten Perspektiven, ebenso wie auf der Elrob nur selten gezeigte, autonom agierende Roboter. Die Militärs selbst sehen autonome Systeme eher reserviert. Im Ernstfall will man sich vorläufig lieber doch auf richtige Menschen verlassen können. (nbo)