Die Microsoft-Roboter kommen

Der Windows- und Office-Hersteller tummelt sich in neuen Gefilden: Auf einer Konferenz in den USA hat Microsoft eine Software vorgestellt, mit der sich Roboter steuern lassen. Es soll eine Art DOS für eine neue Hardware-Generation werden.

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Von
  • Wade Roush

Microsofts Softwareprodukten kann man eigentlich kaum entgehen - sie laufen auf den meisten Desktop-PCs, Laptops und inzwischen auch auf allerlei Palmtops und Smartphones. Roboter waren als Plattform der Bill Gates-Firma bislang allerdings noch nicht bekannt.

Das ändert sich nun: Auf der "RoboBusiness"-Konferenz im amerikanischen Pittsburgh, die Ende Juni stattfand, stellte der Softwareriese das so genannte "Microsoft Robotics Studio" vor. Diese neuartige Entwicklungsumgebung stellt die erste Investition des Konzerns in den wachsenden Robotikmarkt dar, von dem Firmengründer Gates und andere Experten im Unternehmen meinen, dass er ein großes Wachstumspotenzial habe, das mit dem des frühen PC-Marktes vergleichbar sei.

"Gleich mehrere Dinge erinnern mich an den Desktop-Markt in den Siebzigern", meint Tandy Trower, General Manager der neuen Robotik-Gruppe bei Microsoft. So seien die Killer-Anwendungen, die der Technologie einen Wachstumsschub geben könnten, noch längst nicht festgezurrt: "Außerdem ist der Hardware-Bereich stark fragmentiert, Standards gibt es kaum." Einige Firmen und Universitätslabore besäßen die Möglichkeit, sich ein ganzes Ökosystem aus Hard- und Software aufzubauen, während andere Marktteilnehmer nur darauf warteten, es einzusetzen: "Ihnen fehlen aber die entsprechenden Ressourcen."

Wer sich in diesen Tagen einen Roboter zusammenbauen möchte, hat genauso viel mit der Programmierei wie mit dem Hardware-Aufbau zu tun - selbst Kinder, die mit dem Lego-Roboterkit "Mindstorms" spielen wollen, müssen eine grafische Programmieroberfläche auf dem PC erlernen, bevor sie ihren Plastik-Kreationen erste Befehle schicken können.

In der Welt der ausgewachsenen Roboter sieht das kaum anders aus: Selbst Industrieroboter unterscheiden sich von Gerät zu Gerät, bieten jeweils spezialisierte Software und Programmierschnittstellen, meint Trower. Gäbe es hier eine einzige, weit verbreitete Oberfläche zur Roboter-Programmierung, ließe sich womöglich Code von einem Roboter zum anderen mitnehmen. Derzeit müsse ein Roboter-Bauer sich noch mit den grundlegenden Dingen herumschlagen.

Genau hier setzt Microsofts Robotics Studio an: Wie das geht, zeigten auf der RoboBusiness gleich mehrere Anbieter von Lego bis zum Industrieroboterspezialisten KUKA Robot Group. Code aus der Microsoft-Software lief dabei auf mehreren unterschiedlichen Geräten.

Das Robotics Studio läuft unter Windows XP und wird von Microsoft derzeit als freie Vorabversion im Web verteilt. Sie besteht aus mehreren Komponenten: Eine Coding-Oberfläche zur Erstellung und zum Debugging von Programmen, die an Visual Studio (Microsofts Hauptwerkzeug für Windows-Software) erinnert; eine "Runtime"-Umgebung, die auf verschiedenen Robotern läuft und eine Art Betriebssystem darstellt, das mit Microsoft Robotics-Code gefüttert wird; ein Simulator, mit dem man virtuelle Roboter-Modelle samt Software testen kann, ohne die entsprechende Hardware bauen zu müssen.

Microsofts hat große Pläne für das Robotics Studio: Die Roboter-Industrie soll sich damit zu einem einzigen Standard bekennen können, wie dies einst mit DOS bei PCs der Fall war. Jeder soll Programme schreiben können, die auf Robotern unterschiedlicher Art laufen.

Laut Trower will Microsoft seine Roboter-Suite nun erst einmal bis Ende des Jahres von der Preview- zur Vollversion weiterentwickeln. Danach wird das Robotics Studio kostenpflichtig - kommerzielle Nutzer sollen mehrere Hundert Dollar pro Kopie zahlen. (Im Uni- und Bildungsbereich bleibt das Werkzeug gratis.) "Der Markt befindet sich in seiner Anfangsphase, da macht es keinen Sinn, aus ihm viel Umsatz herauszupressen. Wenn der Bereich wächst und kommerzielle Früchte trägt, holen wir unsere Investition schon wieder herein", so der Microsoft Robotics-Boss.

Der General Manager glaubt auch, dass es in nächster Zeit zu einer Konvergenz zwischen PCs und Roboter-Technik kommen wird - und Microsoft hier investieren muss, um auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein wichtiger Player im Computerbereich zu bleiben. "Der PC sitzt nicht mehr leblos auf dem Desktop herum, sondern wird beginnen, mit der Umwelt, in der wir leben, zu interagieren." Kameras, Sensoren, Spracherkennung und andere neuartige Technologien seien die Richtung, in der sich unserer Rechner künftig fortwickelten.

Übersetzung: Ben Schwan. (gob)