App zum Diktat
Eine eigenmächtige Rechtschreibkorrektur für iMessage hat ordentliches Potenzial – zum nervigsten Oberlehrer auf dem Smartphone oder zum hilfreichen Mittel, um Sprachen zu erlernen.
Eine eigenmächtige Rechtschreibkorrektur für iMessage hat ordentliches Potenzial – zum nervigsten Oberlehrer auf dem Smartphone oder zum hilfreichen Mittel, um Sprachen zu erlernen.
An das verloren gegangene Großschreiben von Substantiven hatte ich mich irgendwann gewöhnt. Doch manchmal zuckt mein pädagogischer Zeigefinger noch arhythmisch bei Kurznachrichten, in denen etwa "als" und "wie" verwechselt wird oder das falsche "das(s)" einen Nebensatz einleitet. Ich will mich nicht aufschwingen zum Gralshüter der Grammatik in der digitalen Kommunikation – ich vergesse selbst mal ein Komma oder habe Buchstabendreher drin. Aber ist es wirklich nötig, jegliche Orthografie in SMS oder anderen Messenger-Nachrichten über Bord zu werfen?
Ein neues Prototyp-Add-on für Apples iMessage setzt an dem Wunsch von Nörglern wie mir an. iCorrect unterstreicht Schreibfehler in den eigens getippten Nachrichten und hilft bei der Korrektur. Und die Anwendung geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Nachricht wird erst verschickt, wenn sie grammatikalisch und damit auch in der Rechtschreibung in Ordnung ist.
Fein, freut sich da mein kleines Philologen-Herz – während sich der faule Tipper in mir fragt, wer denn diese Anwendung aktivieren würde. Natürlich hat der Entwickler Michael Weisburd von der Miami Ad School eine ganz besondere Zielgruppe im Auge: Eltern, die um die Schreibfähigkeiten ihrer Zöglinge fürchten. In den Beispiel-Screenshot aus dem kurzen Produktvideo finden sich somit etwa Korrekturen von "Hey, can you meet to do hw after school?" (dt. Hey, können wir uns nach der Schule treffen, um Hausaufgaben zu machen?) zu "Hey, can you meet to do homework after school?". Oder die hilfreicheren Tipps, wenn man als englischsprachiger Mensch nicht weiß vergessen hat, ob nun ein "there" (dort), "they're" (sie sind) oder "their“ (ihres) folgen muss.
Tatsächlich glaube ich, dass im Vorgeben der Tipps und Erklärungen ein sinnvoller Ansatz der Anwendung steckt. Das Zurückhalten der Nachricht, bis sie komplett richtig ist, halte ich aber dennoch für zu drastisch. Außerdem: Wie einfach wäre dann auf einen anderen Messenger gewechselt? – Eben.
Das wäre vermutlich auch der Grund, warum Apple darauf verzichten würde, das Add-on fest in den iMessage-Service zu integrieren. Keiner will den nervigen Oberlehrer in digitaler Form auf seinem Smartphone haben, der einem sprichwörtlich auf die Finger klopft. Andererseits könnte eine solche Erweiterung dankbare Nutzer unter denen finden, die Englisch in Wort und Schrift lernen wollen. Hinweise zu leicht zu verwechselnden Wörtern, stelle ich mir da beispielsweise durchaus hilfreich vor. (jle)