Wirtschaftsminister: 30 Millionen UMTS-Kunden im Jahr 2010
Von dem Milliardenmarkt für den Aufbau der Netz-Infrastruktur, für neue Endgeräte und Anwendungen "werden in erheblichem Maße auch deutsche Unternehmen profitieren", erklärte Wirtschaftsminister Müller.
Die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen in Deutschland entwickelt sich zu einem Nervenkrieg. Am Donnerstag werde es Ernst, sagte Klaus-Dieter Scheurle, der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, nach einem spannenden Auktionsverlauf am Mittwoch in Mainz. Die Höchstgebote für die zwölf Frequenzpakete stiegen nach der 162. Runde auf 93,35 Milliarden DM, die Lizenzsumme (Gebote für Kombinationen aus mindestens zwei und höchstens drei Frequenzpaketen, die eine gültige UMTS-Lizenz ergeben) betrug 85,43 Milliarden Mark.
Die deutschen Marktführer T-Mobil (D1) und Mannesmann (D2) hielten im Auktionsverlauf am heutigen Mittwoch an ihrer Strategie fest, drei Frequenzblöcke zu ersteigern. T-Mobil und Mannesmann wollen, indem sie für drei Pakete bieten, offenbar verhindern, dass zu viele Neulinge ihnen Konkurrenz machen. Mit einem dritten Frequenzblock können UMTS-Dienste nur verfeinert werden. Für D1 und D2 könnte sich einer Studie der Düsseldorfer WestLB Panmure zufolge eine solche Strategie dennoch lohnen: "Sie haben die finanziellen Mittel und durch die größere Kundenbasis einen ausreichenden Nutzen durch mehr Spektren." Die Stuttgarter Telefongesellschaft debitel hatte sich am Ende der zweiten Auktionswoche wegen der hohen Kosten aus dem Bietergefecht verabschiedet. Damit wäre es jetzt möglich, dass jeder der übrigen sechs Bewerber eine kleine UMTS-Lizenz ersteigert. Ein Block von zwei Frequenzen ist eigentlich ausreichend, um vollwertige UMTS-Dienste anzubieten. Außerdem ließe sich eine solche Lizenz noch durch weitere Frequenzen anreichern, die im Anschluss an die Auktion unter den Gewinnern versteigert werden.
Bundeswirtschaftsminister Werner Müller erwartet für Deutschland bis 2010 etwa 30 Millionen Kunden der neuen UMTS-Handy- und Computertechnik. Von dem Milliardenmarkt für den Aufbau der Netz-Infrastruktur, für neue Endgeräte und Anwendungen "werden in erheblichem Maße auch deutsche Unternehmen profitieren", sagte er in Berlin. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye nannte es einen Riesenerfolg, wenn durch die Auktionserlöse der Schuldenberg von 1,55 Billionen auf 1,46 Billionen Mark und die Zinslast des Bundes in diesem Jahr von 82 Milliarden auf 77 Milliarden Mark verringert werden könnten. Über die Verwendung der Zinsersparnisse, die in Bildung und Verkehrs- Investitionen fließen sollen, werde das Kabinett demnächst entscheiden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte, die Ersparnisse schwerpunktmäßig für Investitionen in den neuen Ländern zu nutzen.
Wegen der hohen Kosten für die UMTS-Lizenzen werden heutige Handy-Nutzer nach Einschätzung des Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation nicht tiefer in die Tasche greifen müssen. Es sei im Gegenteil davon auszugehen, "dass die Kosten runtergehen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende Manfred Herresthal im Saarländischen Rundfunk. Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels sagte dagegen, die Mobilfunkbetreiber würden sich die astronomischen Lizenzgebühren von ihren Kunden wiederholen. "Überhöhte Telefongebühren behindern das Surfen und Einkaufen im Internet, für das die UMTS-Handys besonders geeignet sind." Der UMTS-Milliardensegen sollte zur Abschaffung Solidaritätszuschlags genutzt werden, sagte er. (dpa) (jk)