Intelligentes Plüschtier für Trauma-Patienten

Menschen, die schlimme Erlebnisse hinter sich haben, haben oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Manchen von ihnen kann mit Tieren geholfen werden – bald vielleicht auch mit künstlichen.

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Von
  • Sascha Mattke

Menschen, die schlimme Erlebnisse hinter sich haben, haben oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Manchen von ihnen kann mit Tieren geholfen werden – bald vielleicht auch mit künstlichen.

Er bellt, er winselt, er wedelt mit dem Schwanz und er stupst mit der Nase – aber ein echter Hund ist der Therabot trotzdem nicht, sondern nur ein Plüschtier mit einer Menge mechanischer und Computertechnik im Inneren. Entwickelt wird er von Forschern um Cindy L. Bethel, einer Informatikerin und Leiterin des Social Therapeutic and Robotic Systems Lab (STARS) der Mississippi State University in den USA.

Die Idee dahinter: Viele traumatisierte Personen finden kaum einen befriedigenden Umgang mit anderen Menschen. In so genannten tiergestützten Therapien versuchen Ärzte, ihnen trotzdem Interaktionen und positive Erlebnisse mit anderen Lebewesen zu ermöglichen – etwa in Sitzungen mit speziell ausgebildeten Tieren wie Hunden oder Pferden oder durch das Zusammenleben mit einem harmlosen Haustier. Für manche Menschen aber ist selbst das zu viel Belastung, weil die Tiere versorgt werden müssen und gelegentlich unberechenbar sind. Genau denen soll der Therabot helfen.

Dazu ist er nicht nur auf maximale Niedlichkeit ausgelegt, sondern hat auch ein paar Spezialfunktionen eingebaut, erklärt Bethel, die nach eigenen Angaben selbst traumatische Erfahrungen und Therapien dagegen hinter sich hat: "Wir programmieren den Roboter so, dass er Therapiesitzungen aufzeichnet, so dass der Patient sie hinterher zuhause noch einmal anhören kann. Außerdem kann der Therapeut Anweisungen für Übungen zuhause hinterlegen."

Dass der Therabot-Prototyp aussieht wie ein schlappohriger Beagle, ist nicht etwa das Ergebnis von Bethels persönlichen Vorlieben, sondern einer wissenschaftlichen Vorstudie in diesem Jahr: 1.045 Personen wurden gebeten, unter zehn Tier-Skizzen diejenige auszuwählen, die ihnen am therapeutisch hilfreichsten erscheinen. Im zweiten Schritt konnten sie die angenehmste farbliche Gestaltung aussuchen. Klarer Gewinner wurde das Schlappohr mit Beagle-Zeichnung, gefolgt von einem weiteren Hund und einem Bär. Vielleicht etwas überraschend: Die Katzen-Variante landete auf einem der hinteren Plätze.

Gegenüber echten Tieren hat der Therabot den Vorteil, dass er nur das tut, wozu er programmiert ist, absolut stubenrein und bedürfnislos ist und keine Allergien auslöst. Gleichzeitig ist er aber interessanter und interaktiver als ein reines Plüschtier. Dazu besteht sein Fell teilweise aus leitenden Fasern, so dass er Berührungen registrieren und darauf reagieren kann. An Sensoren hat er ein Gyroskop und einen Beschleunigungsmesser eingebaut, Motoren und Gelenke sorgen dafür, dass er Kopf, Schwanz und Beine bewegen kann.

Welche Funktionen der Therabot haben sollte, hat Bethel vorab mit praktizierenden Ärzten und Betroffenen besprochen. Ob er die Hoffnungen erfüllt, wird sich aber natürlich erst noch zeigen müssen. Bislang gibt es nur einen Prototypen, der wegen der vielen Technik im Inneren zum Ausfall durch Überhitzen neigt. In diesem Herbst will Bethal erste Nutzer-Beobachtungen beginnen, ab dem nächsten Sommer könnte der künstlich empathische Hund dann in kontrollierten Sitzungen mit Ärzten eingesetzt werden.

Wenn er sich dort bewährt, würde der nächste Schritt in der Kommerzialisierung bestehen. Bethel möchte nach eigenem Bekunden dafür sorgen, dass der Therabot bezahlbar wird, damit er möglichst vielen Traumatisierten helfen kann. Was ihr vorschwebt: "Wenn die Leute ihre Therapie hinter sich haben und einen gewissen Punkt im Heilungsprozess erreicht haben, dann würden wir ihnen gern einen Therabot mitgeben, damit sie sich hinterher nicht verlassen fühlen."

(sma)